- 23.09.2015, 12:22:14
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Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden empfiehlt Engpassmanagement an der deutsch-österreichischen Grenze
Wien/Bonn (OTS) - Die Agentur für die Zusammenarbeit der
Energieregulierungsbehörden (ACER) hat am 23. September 2015 eine
rechtlich unverbindliche Empfehlung zur Trennung der
deutsch-österreichischen Stromhandelszone abgegeben.
Die Bundesnetzagentur begrüßt diese Empfehlung im Ergebnis, hat
jedoch eine abweichende Auffassung zu bestimmten Punkten der
Begründung von ACER, die E-Control hält andere Lösungen als die
vorgeschlagene für effizienter und wirksamer. Beide Behörden sind
sich jedoch einig, dass die unterschiedlichen Auffassungen in dieser
Frage nichts an der engen und guten Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und Österreich ändern.
Die Aufteilung der deutsch-österreichischen Preiszone steht mit der
Empfehlung von ACER auf der politischen Agenda, beide Behörden werden
sich an dem von ACER angestoßenen Verhandlungsprozess zusammen mit
den Nachbarländern konstruktiv beteiligen. Dabei ist es nicht
ausgeschlossen, zu Lösungen zu kommen, welche die Interessen aller
Beteiligten noch besser gewährleisten als eine
Engpassbewirtschaftung.
Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, und Walter Boltz,
Vorstand der E-Control erklären: "Wir wollen gemeinsam mit den
Kollegen aus Polen und Tschechien eine nachhaltige und effektive
Lösung für die Probleme bei der Netzstabilität erarbeiten. Ziel ist
eine langfristig vernünftige Balance zwischen den Bedürfnissen des
Stromhandels, einem zumutbaren Netzausbau und den berechtigten
Sicherheitsanliegen der betroffenen Nachbarstaaten." Jochen Homann:
"Die Bundesnetzagentur nimmt die Besorgnis unserer Nachbarn in Bezug
auf die Netzsicherheit sehr ernst. Wir begrüßen daher die Empfehlung
von ACER und wollen uns gemeinsam auf faire, zukunftssichere Regeln
einschließlich eines realistischen Implementierungsfahrplans für die
notwendigen Maßnahmen einigen."
"Um das Netz auf die Energiewende auszurichten, hat der Netzausbau
oberste Priorität", führt Homann weiter aus. Walter Boltz ergänzt:
"Der deutsche Netzausbau alleine kann die Netzsicherheitsprobleme in
Polen und Tschechien aber nicht lösen, hier ist ein regionales
Netzausbaukonzept auch in diesen Ländern rasch umzusetzen."
Aufgrund der gut ausgebauten Übertragungsnetzverbindungen zwischen
Deutschland und Österreich besteht seit 2001 eine gemeinsame
Stromhandelszone in Deutschland und Österreich. Im Gegensatz zu
anderen Grenzen bestand bisher kein Bedarf, die
Stromhandelsaktivitäten zwischen beiden Ländern durch Einführung
eines Engpassbewirtschaftungsverfahrens einzuschränken.
In den vergangenen Jahren ist der Stromhandel zwischen Deutschland
und Österreich jedoch stark gestiegen. Die hohen Exporte haben
Auswirkungen auf die Netzsicherheit sowohl in Deutschland als auch in
Polen und Tschechien, weil ein Teil dieser Exporte u.a. wegen des
noch nicht vollständig umgesetzten deutschen Netzausbaus über
Stromflüsse durch das polnische und tschechische Netz realisiert
wird.
Auf Antrag der polnischen Regulierungsbehörde URE hat ACER die
betroffenen Regulierungsbehörden und Übertragungsnetzbetreiber nun
aufgefordert, sich zur Einführung eines Engpassmanagements zu
verpflichten und innerhalb von vier Monaten einen
Implementierungszeitplan zu erarbeiten. Dann könnte Strom nicht mehr
in unbegrenzter Höhe zwischen Deutschland und Österreich gehandelt
werden, so dass es in einzelnen Stunden zu unterschiedlichen
Großhandelspreisen in beiden Ländern kommen kann. Bisher wird den
Netzüberlastungen im deutschen, polnischen und tschechischen Netz
primär situativ durch Schaltmaßnahmen und Redispatch begegnet. Nach
übereinstimmender Auffassung der Bundesnetzagentur und der E-Control
ist massiver Redispatch nur eine vorübergehende Maßnahme um
Netzengpässe zu beherrschen, die bis zum Abschluss des Netzausbaus
auftreten.
Jochen Homann und Walter Boltz: "Wir bekennen uns dazu, Maßnahmen
umzusetzen, die die Netzstabilität sichern, für die
Übertragungsnetzbetreiber handhabbar bleiben, und die gleichzeitig
möglichst geringe volkswirtschaftliche Belastungen mit sich bringen."
Walter Boltz ergänzt: "Wir sind uns des Problems und der
Verantwortung bewusst; für Lösungen sind aber auch rechtliche
Rahmenbedingungen, insbesondere Wettbewerbsfragen, zu
berücksichtigen." Seit Mai vergangenen Jahres haben die
Übertragungsnetzbetreiber und die Regulierungsbehörden der beiden
Länder bereits umfangreiche Analysen durchgeführt, die bis Jahresende
zu einem abgestimmten Konzept zur zukünftigen Sicherstellung der
Netzstabilität und einem gemeinsamen Verständnis über die weitere
Vorgangsweise führen sollen.
Parallel zu diesem bilateralen Prozess werden beide
Regulierungsbehörden auch konstruktiv nach Lösungen suchen und der
ACER-Empfehlung, Verhandlungen aller betroffenen Länder einzuleiten,
Folge leisten. Zu berücksichtigen sind dabei aber nicht nur die
westlichen und östlichen Nachbarn, sondern auch der Prozess der
Gebotszonenkonfiguration (Bidding-Zone-Review), der gerade auf
Grundlage der CACM-Guideline von den Europäischen
Übertragungsnetzbetreibern gestartet wird. Falls die Einführung einer
Bewirtschaftung der deutsch-österreichischen Grenze als beste Lösung
identifiziert wird, ist mit deren praktischer Wirksamkeit nicht vor
dem Winter 2018/2019 zu rechnen.
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