- 22.09.2015, 11:00:32
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VÖB Konjunkturbarometer: Preisdruck durch Importe und schwache Auftragslage drücken Branchen-Stimmung

Wien (OTS) - Laut dem aktuellen Konjunkturbarometer des Verbandes
Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) erwartet die
Branche für das 2. Halbjahr 2015 weiter sinkende oder zumindest nur
gleichbleibende Umsätze - 56% erwarten eine insgesamt "weniger
zufriedenstellende" Entwicklung. Vor allem der hohe Preisdruck durch
günstigere Mitbewerber aus dem Ausland und die weiterhin nicht
zufriedenstellende Auftrags- und Wirtschaftslage bereiten den
Unternehmen besondere Schwierigkeiten.
"Lohnnebenkosten senken - Wettbewerbsfähigkeit sichern"
Aufgrund der höheren Abgabenbelastung sind österreichische
Unternehmen in Ausschreibungen oft nur zweiter Sieger. "Die
Lohnnebenkosten in Österreich sind deutlich höher als in unseren
Nachbarländern", erklärt DI Dr. Bernd Wolschner, Präsident des VÖB,
"da fällt es internationalen Mitbewerbern natürlich auch deutlich
leichter ihren Preis niedrig zu halten." Im Preisdruck und dem
verstärkten internationalen Wettbewerb sieht er den Grund, warum
knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (43%) angeben, dass ihr
Umsatz im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2014
gesunken ist. Wolschner schlägt vor die österreichische Verwaltung
auf allen Ebenen effektiver und kostengünstiger zu gestalten - so
schaffe man den notwendigen Spielraum, um die hohen Lohnnebenkosten
endlich zu senken.
"Preiskampf gefährdet Ausbildungsstandort Österreich"
Die abgefragte Wirtschaftssituation gefährdet langfristig den
Standort Österreich, denn der Trend hin zu weniger Ausbildungsplätzen
ist bereits jetzt deutlich erkennbar: Aufgrund der pessimistischen
Zukunftsaussichten der Unternehmen entwickeln sich die
Lehrlingszahlen auch im Vergleich zu den letzten Jahren rückläufig:
Derzeit bildet nur etwa die Hälfte der Betriebe (55%) in der
österreichischen Beton- und Fertigteilbranche überhaupt Lehrlinge aus
und fast zwei Drittel der befragten Unternehmen (61%) geben an, im
Jahr 2015 keine neuen Auszubildenden mehr aufzunehmen. "Solange die
Auftraggeber von Bauprojekten fast ausschließlich auf den Preis
schauen und sich die Zukunftsaussichten für die Unternehmen nicht
bessern, wird sich das auch nicht ändern", prognostiziert der VÖB
Präsident.
"Umsätze sinken weiter - Auch der Hoffnungsträger Wohnbau
schwächelt"
Der Preisdruck ist nicht die einzige Sorge der heimischen Beton- und
Fertigteilbranche. Auch die wirtschaftliche Gesamtlage dämpft die
Stimmung. Konkret gaben die befragten Unternehmer an, dass vor allem
die schwache Auftragslage - nicht wie in den vergangenen
Konjunkturbarometerumfragen die allgemeine Wirtschaftssituation -
Hauptgrund für ihre Umsatzrückgänge sind. Die schwache Konjunktur und
die nicht vorhandene Investitionsbereitschaft sorgen dafür, dass
Bauvorhaben verschoben oder hinausgezögert werden. Besonders die zum
ersten Mal abgefragten Hauptauftraggeber der heimischen Beton- und
Fertigteilbranche "Gewerbe und Industrie" (84%) sowie "Private Kunden
- auch über den Baustoffhandel" (52%) spüren wirtschaftliche
Schwankungen sehr genau und reagieren nur zögerlich: Besorgnis
erregend ist die Tatsache, dass 48% der befragten Unternehmen
angeben, Umsatzeinbußen in genau diesem Bereich zu verzeichnen. Die
zukünftige Entwicklung im Bereich "Gewerbe und Industrie" ist zudem
mehr als unsicher. Die Unsicherheit der Unternehmen in diesem Bereich
lässt sich auch an den abgefragten Zahlen ablesen: Immerhin 51%
glauben an gleichbleibende Auftragsvolumina aus dem Bereich "Gewerbe
und Industrie", 26% sehen in Zukunft eine negative Entwicklung und
immerhin glauben noch 23% der VÖB Mitgliedsunternehmen an eine
Steigerung ihrer Aufträge aus dem Gewerbe- und Industriebereich.
"Gerade deshalb braucht es gezielte Konjunkturimpulse des Staates und
eine generelle Senkung der Lohnnebenkosten, damit den Betrieben
wieder mehr Luft zum Atmen bleibt", sagt VÖB Präsident Bernd
Wolschner.
Der schwächelnde Wohnbau, laut VÖB-Konjunkturerhebung immerhin
drittwichtigster Auftraggeber der gesamten Branche, ist auch hier ein
Schlüsselfaktor: 28% der Unternehmen gaben an, dass sie im laufenden
Jahr bereits sinkende Umsätze in diesem Bereich verzeichneten, knapp
jedes vierte Unternehmen (26%) gab im Wohnbau bisher allerdings
steigende Umsätze an - die nahezu gleich großen Veränderungen sind
ein Indikator für sich verändernde Marktanteile innerhalb dieses
Branchensegments. Gleichzeitig ist der Bereich aber auch weiterhin
Hoffnungsträger der gesamten Branche: Im Vergleich zum Büro-,
Gewerbe-/Industrie-, oder Tief- und Straßenbau, wurden im Wohnbau
zumindest die geringsten Umsatzrückgänge im laufenden Jahr
verzeichnet und immerhin 67% der befragten Unternehmen glauben daran,
dass die Aufträge im Wohnbau auch in Zukunft zumindest stabil
bleiben. "Unsere Mitgliedsunternehmen sind gerade bei
Wohnbauprojekten am Puls der Wirtschaft. Hauptsächlich für die
Rohbauten zuständig, merken sie allgemeine Konjunkturschwankungen als
erste Unternehmen in der langen Kette von Auftragnehmern und
Produzenten", stellt Bernd Wolschner klar.
"Die Branche braucht die öffentliche Hand als Auftrag- und
Gesetzgeber"
"Insgesamt lässt sich also feststellen: die Beton- und
Fertigteilbranche braucht die öffentliche Hand. Die wirtschaftliche
Situation führt vor allem dazu, dass Bauvorhaben langsamer oder gar
nicht umgesetzt werden. Die im Vergleich zur internationalen
Konkurrenz deutlich höheren Lohnnebenkosten erschweren die Lage
zusätzlich. Durch direkte Investitionen, beispielsweise im
öffentlichen Wohnbau, einer Senkung der Lohnnebenkosten und vor allem
der Schaffung von Vertrauen und Investitionsbereitschaft für die
Wirtschaft, kann der Staat der heimischen Beton- und
Fertigteilbranche helfen, die Auswirkungen der weiterhin anhaltenden
Krise abzuschwächen", sagt VÖB Präsident Bernd Wolschner.
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