• 15.09.2015, 12:24:45
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Niere 60/20 – umfassendes Vorsorgekonzept soll österreichweit zum Einsatz kommen

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6950
Im Bild v.l.: Franz Bittner, Christoph Dachs, Alexander Rosenkranz, Karl Lhotta, Gernot Waste, Egon Saurer, Erich 
Pohanka, Martin Schaffenrath

Alpbach/Wien (OTS) - Des Projekt Niere 60/20 forciert die
Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die rechtzeitige
Diagnose einer Reduktion der Nierenfunktion auf 60 Prozent. In einer
mehrstufigen Aufklärungsphase sollen Betroffene ebenfalls frühzeitig
umfassend über adäquate Nierenersatztherapien beraten und betreut
werden. Nach zwei Jahren Vorbereitungsphase wurde das Programm nun in
der Steiermark in den Landeszielsteuerungsvertrag aufgenommen.
Weitere Bundesländer sollen folgen.

Die Niere galt in Österreich lange als "vergessenes Organ". Im Rahmen
der Gesundheitsreform wurde die Chance zur Implementierung einer
strukturierten Nierenversorgung geschaffen. Das von der
Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) entwickelte
Prevention Program Chronic Diseases (PPCD) setzt als wichtigste Ziele
die Früherkennung von Herz-Kreislauferkrankungen sowie die zeitnahe
Diagnose einer Leistungsreduktion der Niere auf 60 Prozent fest.
Dieses Versorgungskonzept feierte mit der Aufnahme in den steirischen
Landeszielsteuerungsvertrag bereits seinen ersten Erfolg. Weitere
Bundesländer sollen diesem Bespiel folgen. Im Rahmen der
Gipfelgespräche auf der Schafalm wurde der aktuelle politische Status
diskutiert und die Versorgungssituation und -qualität, auch aus dem
Blickwinkel von Betroffenen, beleuchtet.

"Dieses Projekt ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein konkretes
gesundheitspolitisches Anliegen definiert, ausformuliert und an die
Entscheidungsträger kommuniziert werden sollte. Dass es nunmehr mit
Unterstützung des Landes Steiermark zu einer tatsächlichen
Verbesserung der Patientenversorgung kommen wird, ist ein krönender
Abschluss unserer Bemühungen in den letzten Monaten", erklärte Mag.
Hanns Kratzer, Geschäftsführer der PERI Group, welche die ÖGN im
gesamten Entwicklungsprozess begleitet hat. Durch die Einführung
eines strukturierten Managements und Timings für die Diagnose und
Therapie sowie deren Verankerung in Bundes- und
Landeszielsteuerungsverträgen, kann eine optimierte Versorgung mit
klarem Augenmerk auf Qualität und Effizienz für den Patienten erzielt
werden.

Klare Forderungen zur Versorgungsleistung - konkretes
Einsparungspotenzial

Ein neu erarbeitetes Dossier bildet den Status quo zur Vorsorge- und
Versorgungslage von Nierenerkrankungen in Österreich ab. Aus den
daraus abgeleiteten Erkenntnissen wurden konkrete Forderungen an die
Politik gestellt und entsprechende Lösungsansätze aufbereitet. Im
Zentrum der Bemühungen stehen nach Übereinkunft mit führenden
Experten einige Forderungen: eine Erhöhung der Anzahl nephrologischer
Einrichtungen, die Steigerung der nephrologischen Versorgungsleistung
im extramuralen Bereich sowie die Zunahme der öffentlichen
Aufmerksamkeit für die Nephrologie und die Versorgung im intramuralen
Bereich.

Des Weiteren konnte auch das ökonomische Einsparungspotenzial bei
Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenversagen
ausgemacht werden. So kostet die Dialyse laut Bericht der NÖGKK und
des Landes Niederösterreich durchschnittlich 65.000,- Euro pro
Patientenjahr. Die Kostenträger können mindestens 180,- Euro pro Tag
und Patient einsparen, wenn durch eine frühe Diagnose auf
Nierenersatztherapien verzichtet werden kann und für den Betroffenen
bedeutet das mehr Lebensqualität.

60/20 - präzise Kennzahlen der Vorsorgestrategie

Mit dem Konzept 60/20 bietet die ÖGN ein Modell, anhand dessen die
wichtigsten Richtwerte der Nierenfunktion definiert sind. Demnach
sind Patienten mit Risikokonstellationen bei einer eingeschränkten
Nierenfunktion von 60 Prozent durch einen Allgemeinmediziner an einen
Nephrologen bzw. in eine zentrale Einheit zuzuweisen. "Ab einer
Nierenfunktion von unter 60 Prozent steigt das Risiko für eine
kardiovaskuläre Erkrankung wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zu
diesem Zeitpunkt können wir aber noch intervenierende Maßnahmen
setzen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Vorsitzender
der ÖGN. Zusätzlich ist eine umfassende Aufklärung des Patienten über
die Wahlmöglichkeiten der patientenspezifisch optimalen
Nierenersatztherapie bei einer Funktionsleistung von weniger als 20
Prozent einzuleiten. Um diese Maßnahmen auch adäquat umsetzen zu
können, wird gleichzeitig die Einrichtung ausreichender, zentraler
Versorgungseinheiten gefordert. So kann die Zuweisung von Patienten
optimal medizinisch und organisatorisch durchgeführt werden.

Patientenaufklärung als zentraler Punkt des Maßnahmenpakets

Die umfassende Information und Beratung von Patienten zu einer
möglichen Nierenersatztherapie (NET) ist integraler Bestandteil im
Maßnahmenpaket des Projekts 60/20. Hierfür wird nun erstmals ein
strukturierter Patientenaufklärungsbogen eingesetzt. Die optimierte
Versorgung der Betroffenen soll ein terminales Nierenversagen
möglichst verzögern. Bereits zu diesem Zeitpunkt soll der Patient
aber in einem strukturierten mehrstufigen Prozess umfassend über
seine Wahlmöglichkeiten in der NET aufgeklärt werden. Gemeinsam mit
dem Nephrologen kann damit rechtzeitig zwischen Hämodialyse,
Nierentransplantation oder der Peritonealdialyse, die vom Patienten
selbstständig zu Hause durchgeführt werden kann, aus medizinischer
wie persönlicher Sicht entschieden werden. Wichtig ist dabei auch die
Einbeziehung von Angehörigen, die auch über die Möglichkeit der
Lebendspende mit allen Vorteilen und Risiken informiert werden
müssen.

Flächendeckendes Screening von Risikogruppen

Das Screening mittels geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR)
und durch die Feststellung eines erhöhten Proteingehalts im Urin
(Albuminurie bzw. Proteinurie) bei österreichischen Patienten mit
Diabetes mellitus, Hypertonie und Adipositas sowie von Menschen, in
deren Familie eine Nierenerkrankung aufgetreten ist, ist eine weitere
Empfehlung der ÖGN, welche nun realisiert wird. Mit den generierten
Werten kann das Risiko eines fortschreitenden Nierenverlusts und für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen abgeschätzt werden. Die frühe Diagnose
ermöglicht ein schnelles Einsetzen therapeutischer Maßnahmen, die der
individuellen Situation des Patienten angepasst werden kann. So soll
das kardiovaskuläre Risiko des Betroffenen minimiert und die
Notwendigkeit einer Dialyse verhindert oder zumindest hinausgezögert
werden. Das einfache, praktikable Screeningmodell ist vor allem auf
die Bedürfnisse der Allgemeinmediziner abgestimmt. Als häufig erste
Anlaufstelle möchte man ihnen ein in den Arbeitsalltag integrierbares
Modell an die Hand geben, um ein kardiovaskuläres Risiko frühzeitig
erkennen und abschätzen zu können.

Eingliederung in weitere Landeszielsteuerungskommissionen
forciert

Das Ziel einer besseren Versorgung und zur Prävention chronischer
Nierenerkrankungen ist langfristig und nachhaltig gesteckt. Im Rahmen
der Gesundheitsreform in Österreich ergibt sich die Chance zur
landesweiten Implementierung des Vorsorgekonzepts Niere 60/20. "Die
Entwicklungen in der Steiermark sind zu begrüßen. Ziel muss aber eine
flächendeckende Anwendung für ganz Österreich sein", so Mag. Martin
Schaffenrath, stellvertretender Vorsitzender im Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger. Das Programm soll nun
auch über weitere Landeszielsteuerungskommissionen eingegliedert und,
dem steirischen Bespiel folgend, flächendeckend auf ganz Österreich
ausgebaut werden.

Teilnehmer:

Franz BITTNER | Patientenombudsstelle der Ärztekammer für Wien
Dr. Christoph DACHS | Österreichische Gesellschaft für
Allgemeinmedizin
Prim. Univ.-Doz. Dr. Karl LHOTTA | Österreichische Gesellschaft für
Nephrologie
Prim. Univ.-Prof. Dr. Erich POHANKA | Österreichische Gesellschaft
für Nephrologie
Univ.-Prof. Dr. Alexander ROSENKRANZ | Österreichische Gesellschaft
für Nephrologie
Egon SAURER | Arbeitsgemeinschaft Niere Österreich
Mag. Martin SCHAFFENRATH | Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger
Ing. Gernot WASTE | Interessensgemeinschaft der Dialysepatienten und
Nierentransplantierten Kärntens

Moderation: Robert Riedl | PERI Group

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6950

Über die PERI Group

Die PERI Group ist ein umfassender Full-Service Dienstleister und
beschäftigt sich mit der Entwicklung, Betreuung und Umsetzung von
Projekten im österreichischen Gesundheitssektor. Sie ist eine Gruppe
von Unternehmen, die sich auf verschiedene Teilbereiche und
abgestimmte Dienstleistungen im Gesundheitsbereich spezialisieren.
Das breitgefächerte Portfolio deckt strategisches Networking und
Marketing- bzw. Vertriebsstrategien, die Aufbereitung von
medizinischen state-of-the-art Forschungsergebnissen zur Verwendung
in der Praxis sowie klassische Kommunikationskonzepte in Werbung und
PR ab. Durch das Zusammenlegen verschiedener Kompetenzen und das
"pooling" von langjähriger Erfahrung und Wissen, entwickelt die
Gruppe für Ihre Herausforderung individuell zugeschnittene
Lösungskonzepte. Zur PERI Group zählen: PERI Consulting GmbH, PERI
Human Relations GmbH, PERI Marketing & Sales Excellence GmbH, PERI
Business Development GmbH, PERI Change GmbH mit ihren Partnern Update
Europe und Welldone Werbung und PR GmbH. Weitere Infos unter
www.perigroup.at

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