- 07.09.2015, 12:07:50
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„Universum History“ verfilmt Spionagefall Margarethe Ottillinger
Ursula Strauss spielt von Sowjets verschleppte österreichische Sektionschefin
Utl.: Ursula Strauss spielt von Sowjets verschleppte österreichische
Sektionschefin =
Wien (OTS) - Jahrzehntelang lag der Fall Margarethe Ottillinger im
Dunkel der Geschichte Österreichs. Die erst 28-jährige
Wirtschaftsexpertin und Sektionschefin wurde am 5. November 1948 an
der Ennsbrücke bei Linz von den Sowjets verhaftet, in ein russisches
Gulag-Lager verschleppt und zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der
Vorwurf: Spionage für die USA. Der Fall erregte im
Nachkriegsösterreich zwar großes Aufsehen, die wahren Hintergründe
sind jedoch bis heute nicht ganz geklärt. 1955 wurde die spätere
ÖMV-Vorstandsdirektorin aus der Haft entlassen. Ottillinger selbst
erfuhr bis zu ihrem Tod 1992 nicht, warum sie sieben Jahre lang in
sowjetischen Straflagern zubringen musste und wem sie das zu
verdanken hatte. "Universum History" verfilmt nun den "Fall
Margarethe Ottillinger" mit Ursula Strauss in der Titelrolle.
Seit 1. September 2015 laufen die Dreharbeiten in der
Martinek-Kaserne in Baden, gedreht wird weiters im Schloss Vöslau, in
Retz und in Russland. Der Film - eine Koproduktion von ORF und
epo-film mit Unterstützung von BMBF, Land Niederösterreich und
Fernsehfonds Austria - vermittelt anhand hochwertiger Reenactments
sowie Interviews mit Zeitzeugen und Historikern eine Zeit, als der
frühe Kalte Krieg im Herzen Europas nicht nur militärisch ausgetragen
wurde, sondern auch ein unerbittlicher Wirtschaftskrieg war. Eine
Zeit, der die junge Beamtin mit ihrer Durchschlagskraft und
Wirtschaftskompetenz weit voraus war. Gedreht wird bis Mitte Oktober,
geplanter Sendetermin für "Spiel mit dem Feuer: Der Fall Margarethe
Ottillinger" ist Freitag, der 4. Dezember 2015, um 22.40 Uhr in ORF
2.
Ursula Strauss über ihre Rolle als Margarethe Ottillinger: "Es ist
eine besondere Herausforderung, eine historische Doku zu drehen, aber
es war nicht schwer, mich von dieser Rolle zu überzeugen. Einer Rolle
über eine Frau, die Unglaubliches geleistet hat, die aber nur ganz
wenige Menschen kennen. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diese
Frau verkörpern darf, die Mut und Stärke bewiesen hat, und hoffe ihr
gerecht zu werden. Es ist schwer vorzustellen, wie sie die Zeit der
Gefangenschaft durchgestanden hat. Ich habe mir u. a. ein langes
Radiointerview mit Margarethe Ottillinger angehört und empfand es als
sehr spannend, wie sie über die Zeit in Russland reflektierte. Sie
hat Russisch gelernt, konnte sich selbst verteidigen. Für sie war
klar: Man muss die Sprache kennen, um Russland zu verstehen."
Für Regisseur Klaus T. Steindl ist Margarethe Ottillinger "eine der
faszinierendsten Persönlichkeiten der Nachkriegszeit, zugleich aber
in der öffentlichen Erinnerung wenig präsent. Gerade weil das
Schicksal dieser Frau in Österreich kaum bekannt ist, ist es wichtig,
den Fall aufzuarbeiten. Mit Ursula Strauss haben wir mit Sicherheit
die Idealbesetzung gefunden, ihre Wandlungsfähigkeit ist einfach
großartig. Die Zusammenarbeit mit Prof. Karner, der sich intensiv mit
dem Fall beschäftigt hat und dazu in russischen Archiven recherchiert
hat, ermöglicht es uns, anhand von neuen Erkenntnissen aus russischen
Aktenbeständen endlich offene Fragen des Falls Ottillinger zu
klären".
epo-film-Produzent Dieter Pochlatko zur Produktion: "Wir wollen mit
diesem Film dazu beitragen, die Leistung Margarethe Ottillingers für
die Republik in der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu
dokumentieren. Durch ihr fachkundiges und diplomatisches Vorgehen hat
sie es erreicht, dass Österreich die zweithöchste Quote aus den
Wiederaufbaumitteln des Marshallplans in Europa bekam. Darüber hinaus
bringt diese Produktion neue Erkenntnisse im Fall Ottillinger. Das
Drehbuch basiert auf Forschungsarbeiten des renommierten Historikers
Stefan Karner, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für
Kriegsfolgenforschung, der im Film an die Originalschauplätze in
Russland führen wird. Bei der Aufarbeitung jahrzehntelang unter
Verschluss gehaltener KGB-Verhörprotokolle stieß er auf Namen und
Aspekte in Ottillingers Umfeld, die bisher nicht bekannt waren."
Für "Universum History"-Redakteur Tom Matzek "spiegelt sich im
unglaublichen Schicksal dieser Frau eines der spannendsten Kapitel
der österreichischen Zeitgeschichte wider - Besatzungszeit,
Wiederaufbau, Demokratisierung, der Weg zum Staatsvertrag und ein
Stück Weltgeschichte, das in die Abgründe des Kalten Kriegs zwischen
Ost und West führt. Mit neuesten Rechercheergebnissen,
Top-Historikern als Experten, internationalen Archivfilmen und den
aufwendig inszenierten Spielszenen mit Ursula Strass als Margarethe
Ottillinger bietet diese österreichische Produktion eine Menge auf,
um eine historisch bedeutsame, aber wenig bekannte Geschichte
spannend und informativ für unser Publikum aufzubereiten".
Zum Inhalt von "Spiel mit dem Feuer: Der Fall Margarethe Ottillinger"
Anhand von neuen Geheimdienstdokumenten lässt sich Margarethe
Ottillingers Verschwinden als Verkettung politischer und menschlicher
Komponenten rekonstruieren. Ihre Arbeit für den Wiederaufbau
Österreichs mithilfe des amerikanischen Marshallplans und die
geplante Kürzung der Stahlzuteilungen für die sowjetischen Betriebe
in Ostösterreich machten sie für die Sowjets verdächtig und zur
amerikanischen Spionin. Als mächtige junge Frau, die innerhalb der
österreichischen Bürokratie viel Geld zu verteilen hatte, zog sie
zudem in einer Männergesellschaft Neid und Missgunst auf sich:
Anzeigen bei der sowjetischen Besatzungsmacht waren die Folge. Und
Ottillinger spielte tatsächlich mit dem Feuer: indem sie sich tief in
die Netze der Geheimdienste im Wien der Nachkriegszeit hineinwagte.
Im Nachkriegseuropa war Wien neben Berlin zu einem gefährlichen
Brennpunkt zwischen Ost und West geworden. Ottillinger war mitten
darin, als Akteurin, aber auch als "Bauernopfer". Der Todesstrafe
entging sie nur, weil Stalin diese in politischen Prozessen
ausgesetzt hatte. 25 Jahre Gulag war die Alternative. Der Film
zeichnet u. a. ein Bild jener Person, die Ottillinger denunziert hat,
und beleuchtet die Rolle von Minister Peter Krauland (dargestellt von
Markus Schleinzer), der tatenlos zusah, als seine Mitarbeiterin
verschleppt wurde.
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