ÖAMTC-Expertenforum: Verkehrserziehung am Prüfstand (Teil 1)

Best Practice-Austausch im Rahmen des European Traffic Education Contest

Wien (OTS) - Heute, Donnerstag, hat der ÖAMTC zu einem Expertenforum unter dem Titel ʺVerkehrserziehung am Prüfstandʺ geladen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zum 30. European Traffic Education Contest (kurz: ETEC), einem Kinder-Fahrradwettbewerb der FIA Region I, der morgen im Bundessport- und Freizeitzentrum Südstadt stattfindet. ʺ92 Kinder aus 21 europäischen Nationen im Alter von zehn bis zwölf Jahren werden bei diesem Event in einem freundschaftlichen Umfeld gegeneinander antreten. Den Wettbewerb gewinnt, wer viel über Verkehrssicherheit weiß und sein Fahrrad optimal beherrschtʺ, erläuterte ÖAMTC-Präsident Werner Kraus eingangs die Spielregeln. Heuer gab es im Rahmen des Wettbewerbs erstmals auch ein Expertenforum. ʺUnser Ziel ist, den Austausch von Erfahrungen im Bereich der Verkehrssicherheit zu ermöglichenʺ, ergänzte Thierry Willemarck, Präsident der FIA Region I, in seiner Eröffnungsrede. ʺDie Gesellschaft und die Mobilitätsgewohnheiten der Menschen befinden sich in einem ständigen Wandel mit steigenden Risiken für die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Wir sind der Meinung, dass ein Treffen der einzelnen Experten und ein Austausch, wie wir unsere Kinder am besten auf die Teilnahme im Straßenverkehr vorbereiten, sehr wichtig sind.ʺ

Verkehrserziehung als Teil des Erwachsenwerdens

Als erster Experte referierte Bernhard Heinzlmaier zu ʺKindern zwischen Konsumspaß und Schulernstʺ. Der renommierte Jugendforscher sieht die Kinder von heute vorrangig als ʺkleine Erwachseneʺ. ʺKindheit ist heute in erster Linie Medienzeit. Mithilfe von Castingshows und sozialen Netzwerken greifen kommerzielle Marken schon frühzeitig in das Leben von Kindern einʺ, so Heinzlmaier und erklärte weiters: ʺKindliche Identitäten und ästhetische Formen der Selbstdarstellung werden aus Elementen der Markenkommunikation konstruiert.ʺ

Gudrun Kern von Kinder in Wien berichtete über Grundsätze einer elementarpädagogischen Verkehrserziehung und wie eine kindgerechte Umsetzung im pädagogischen Alltag aussehen kann: ʺFällt das Schlagwort ʹVerkehrserziehung im Kindergartenʹ, verbindet man damit meist spezielle Projekte, die in einem begrenzten Rahmen und zu fix festgelegten Zeiten Verkehrssicherheit und das richtige Verhalten im Straßenverkehr vermitteln sollenʺ, erläuterte Kern. ʺKindgerechte Verkehrserziehung setzt aber in der Praxis schon viel früher ein, damit die Projekte auf fruchtbaren Boden fallen können.ʺ

ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger betrachtete das Thema Verkehrserziehung aus einem entwicklungspsychologischen Blickwinkel. ʺWichtig ist, dass Bezugspersonen - das beinhaltet Eltern, Großeltern, ältere Geschwister aber auch Kindergartenpädagogen und Lehrer - Kindern von Beginn an ein gutes und konsequent sicher handelndes Vorbild sindʺ, betonte Seidenberger. Sie empfiehlt, Kleinkinder im Straßenraum, vor allem bei Fahrbahnquerungen an der Hand zu führen, Sicherheitsumwege zu gehen und die Kinder frühzeitig an einen Helm beim Radfahren sowie den Gurt bzw. Kindersitz beim Autofahren zu gewöhnen. ʺIdealerweise lebt man diese Dinge selbst vor: gurtet sich an, geht nur während grüner Ampelphasen über die Straße und nutzt Zebrastreifen zur Querung, auch wenn sie einen Umweg bedeutenʺ, so die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

Optimismus, Kritik und gelebte, funktionierende Praxis

Für Sabine Bauer vom Bundesministerium für Bildung und Frauen bieten der Lehrplan Verkehrserziehung und das Unterrichtsprinzip Verkehrs- und Mobilitätserziehung zahlreiche Anknüpfungspunkte für interessanten Unterricht zum Thema. ʺDie Formen des Unterrichts sind vom Fachunterricht bis zu Lehrausgängen breit gefächertʺ, so Bauer. ʺDas große Engagement der Lehrer und von Kooperationspartnern sowie die verstärkten Bemühungen um kinderfreundliche Mobilität erlauben einen recht optimistischen Blick in die Zukunft des Verkehrs und der Verkehrssicherheit der Kinder.ʺ

Roland Hanifl von der Landesverkehrspolizei Wien beschäftigt sich als Mitarbeiter des Projekts Kinderpolizei und Verkehrserziehung vor allem mit Rad fahrenden Kindern. Hier sieht er noch viel Aufholbedarf: ʺKinder brauchen mehr praktische Übung und mehr Raum, wo sie frei mit dem Fahrrad üben können, um die notwendigen motorischen Fähigkeiten rechtzeitig zu erlernen, damit sie sicher mit dem Fahrrad fahren können. Das ist im urbanen Bereich offensichtlich nicht der Fall.ʺ Und Hanifl übte Kritik: ʺEltern übertragen die Aufgabe, ihre Kinder auf das Radfahren auf öffentlichen Straßen vorzubereiten, leider viel zu oft anderen Institutionen, wie z.B. den Schulen.ʺ

Franz Schönbauer von der ÖAMTC Fahrtechnik und Barbara Libowitzky von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) schlossen mit einem gemeinsamen Vortrag die Veranstaltung. In Kooperation mit AUVA, österreichischen Landesschulräten und der Exekutive führt der ÖAMTC seit 29 Jahren auf verschiedene Altersstufen angepasste Kinder-Verkehrssicherheitsprogramme durch. Schönbauer gab einen Überblick: ʺ'Das kleine Straßen 1x1' richtet sich an fünf- bis sechs-jährige Kindergartenkinder. Sie lernen altersgerecht aufgebaut das richtige Verhalten auf dem Gehsteig und das Überqueren der Straße. 'Blick & Klick' vermittelt sechs- bis sieben-Jährigen die Wichtigkeit von 'Sehen und gesehen werden' sowie das richtige Angurten im Auto. 'Hallo Auto' führt acht- bis neun-jährigen Volksschülern spielerisch vor Augen, wie lange ein Fahrzeug braucht, bis es zum Stillstand kommt und wie lange es dauert, bis ein Autofahrer Gefahren wahrnimmt, reagiert und bremst. Bei 'Top Rider' erklären Instruktoren 10- bis 14-Jährigen anhand von Übungen den 'toten Winkel' und vermitteln die Auswirkungen unterschiedlicher Geschwindigkeiten. 'Club PS' vermittelt 14- bis 18-Jährigen ein Grundwissen über Fahrtechnik und fahrphysikalische Zusammenhänge für Auto und Motorrad."

Ob die Kooperationen von AUVA und ÖAMTC bzw. ÖAMTC Fahrtechnik die richtige und erwünschte Wirkung erzielen, wird mithilfe von Evaluierungen gemessen. ʺInsbesondere im Bereich der Kinder und Jugendlichen wird von Seiten der AUVA Wert darauf gelegt, altersadäquat die Kompetenz der jungen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu stärken", so Libowitzky. ʺEinige Aktionen des ÖAMTC in Kooperation mit der AUVA wurden bereits vielfach durch Zufriedenheitsbefragungen überprüft. Die vorliegenden Ergebnisse sind im Sinne der Zielsetzung der Programme.ʺ

Mehr Informationen zum ETEC gibt es unter www.trafficeducationcontest.eu sowie unter www.oeamtc.at/fahrrad. Bildmaterial zur Veranstaltung kann in Kürze unter www.oeamtc.at/presse abgerufen werden.

(Forts.)

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