• 03.09.2015, 10:11:59
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ÖAMTC-Expertenforum: Verkehrserziehung am Prüfstand (Teil 1)

Best Practice-Austausch im Rahmen des European Traffic Education Contest

Utl.: Best Practice-Austausch im Rahmen des European Traffic
Education Contest =

Wien (OTS) - Heute, Donnerstag, hat der ÖAMTC zu einem Expertenforum
unter dem Titel ʺVerkehrserziehung am Prüfstandʺ geladen. Die
Veranstaltung bildete den Auftakt zum 30. European Traffic Education
Contest (kurz: ETEC), einem Kinder-Fahrradwettbewerb der FIA Region
I, der morgen im Bundessport- und Freizeitzentrum Südstadt
stattfindet. ʺ92 Kinder aus 21 europäischen Nationen im Alter von
zehn bis zwölf Jahren werden bei diesem Event in einem
freundschaftlichen Umfeld gegeneinander antreten. Den Wettbewerb
gewinnt, wer viel über Verkehrssicherheit weiß und sein Fahrrad
optimal beherrschtʺ, erläuterte ÖAMTC-Präsident Werner Kraus
eingangs die Spielregeln. Heuer gab es im Rahmen des Wettbewerbs
erstmals auch ein Expertenforum. ʺUnser Ziel ist, den Austausch von
Erfahrungen im Bereich der Verkehrssicherheit zu ermöglichenʺ,
ergänzte Thierry Willemarck, Präsident der FIA Region I, in seiner
Eröffnungsrede. ʺDie Gesellschaft und die Mobilitätsgewohnheiten der
Menschen befinden sich in einem ständigen Wandel mit steigenden
Risiken für die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Wir sind der Meinung,
dass ein Treffen der einzelnen Experten und ein Austausch, wie wir
unsere Kinder am besten auf die Teilnahme im Straßenverkehr
vorbereiten, sehr wichtig sind.ʺ

Verkehrserziehung als Teil des Erwachsenwerdens

Als erster Experte referierte Bernhard Heinzlmaier zu ʺKindern
zwischen Konsumspaß und Schulernstʺ. Der renommierte Jugendforscher
sieht die Kinder von heute vorrangig als ʺkleine Erwachseneʺ.
ʺKindheit ist heute in erster Linie Medienzeit. Mithilfe von
Castingshows und sozialen Netzwerken greifen kommerzielle Marken
schon frühzeitig in das Leben von Kindern einʺ, so Heinzlmaier und
erklärte weiters: ʺKindliche Identitäten und ästhetische Formen der
Selbstdarstellung werden aus Elementen der Markenkommunikation
konstruiert.ʺ

Gudrun Kern von Kinder in Wien berichtete über Grundsätze einer
elementarpädagogischen Verkehrserziehung und wie eine kindgerechte
Umsetzung im pädagogischen Alltag aussehen kann: ʺFällt das
Schlagwort ʹVerkehrserziehung im Kindergartenʹ, verbindet man damit
meist spezielle Projekte, die in einem begrenzten Rahmen und zu fix
festgelegten Zeiten Verkehrssicherheit und das richtige Verhalten im
Straßenverkehr vermitteln sollenʺ, erläuterte Kern. ʺKindgerechte
Verkehrserziehung setzt aber in der Praxis schon viel früher ein,
damit die Projekte auf fruchtbaren Boden fallen können.ʺ

ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger betrachtete das
Thema Verkehrserziehung aus einem entwicklungspsychologischen
Blickwinkel. ʺWichtig ist, dass Bezugspersonen - das beinhaltet
Eltern, Großeltern, ältere Geschwister aber auch
Kindergartenpädagogen und Lehrer - Kindern von Beginn an ein gutes
und konsequent sicher handelndes Vorbild sindʺ, betonte Seidenberger.
Sie empfiehlt, Kleinkinder im Straßenraum, vor allem bei
Fahrbahnquerungen an der Hand zu führen, Sicherheitsumwege zu gehen
und die Kinder frühzeitig an einen Helm beim Radfahren sowie den Gurt
bzw. Kindersitz beim Autofahren zu gewöhnen. ʺIdealerweise lebt man
diese Dinge selbst vor: gurtet sich an, geht nur während grüner
Ampelphasen über die Straße und nutzt Zebrastreifen zur Querung, auch
wenn sie einen Umweg bedeutenʺ, so die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

Optimismus, Kritik und gelebte, funktionierende Praxis

Für Sabine Bauer vom Bundesministerium für Bildung und Frauen
bieten der Lehrplan Verkehrserziehung und das Unterrichtsprinzip
Verkehrs- und Mobilitätserziehung zahlreiche Anknüpfungspunkte für
interessanten Unterricht zum Thema. ʺDie Formen des Unterrichts sind
vom Fachunterricht bis zu Lehrausgängen breit gefächertʺ, so Bauer.
ʺDas große Engagement der Lehrer und von Kooperationspartnern sowie
die verstärkten Bemühungen um kinderfreundliche Mobilität erlauben
einen recht optimistischen Blick in die Zukunft des Verkehrs und der
Verkehrssicherheit der Kinder.ʺ

Roland Hanifl von der Landesverkehrspolizei Wien beschäftigt sich
als Mitarbeiter des Projekts Kinderpolizei und Verkehrserziehung vor
allem mit Rad fahrenden Kindern. Hier sieht er noch viel
Aufholbedarf: ʺKinder brauchen mehr praktische Übung und mehr Raum,
wo sie frei mit dem Fahrrad üben können, um die notwendigen
motorischen Fähigkeiten rechtzeitig zu erlernen, damit sie sicher mit
dem Fahrrad fahren können. Das ist im urbanen Bereich offensichtlich
nicht der Fall.ʺ Und Hanifl übte Kritik: ʺEltern übertragen die
Aufgabe, ihre Kinder auf das Radfahren auf öffentlichen Straßen
vorzubereiten, leider viel zu oft anderen Institutionen, wie z.B. den
Schulen.ʺ

Franz Schönbauer von der ÖAMTC Fahrtechnik und Barbara Libowitzky
von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) schlossen mit
einem gemeinsamen Vortrag die Veranstaltung. In Kooperation mit AUVA,
österreichischen Landesschulräten und der Exekutive führt der ÖAMTC
seit 29 Jahren auf verschiedene Altersstufen angepasste
Kinder-Verkehrssicherheitsprogramme durch. Schönbauer gab einen
Überblick: ʺ'Das kleine Straßen 1x1' richtet sich an fünf- bis
sechs-jährige Kindergartenkinder. Sie lernen altersgerecht aufgebaut
das richtige Verhalten auf dem Gehsteig und das Überqueren der
Straße. 'Blick & Klick' vermittelt sechs- bis sieben-Jährigen die
Wichtigkeit von 'Sehen und gesehen werden' sowie das richtige
Angurten im Auto. 'Hallo Auto' führt acht- bis neun-jährigen
Volksschülern spielerisch vor Augen, wie lange ein Fahrzeug braucht,
bis es zum Stillstand kommt und wie lange es dauert, bis ein
Autofahrer Gefahren wahrnimmt, reagiert und bremst. Bei 'Top Rider'
erklären Instruktoren 10- bis 14-Jährigen anhand von Übungen den
'toten Winkel' und vermitteln die Auswirkungen unterschiedlicher
Geschwindigkeiten. 'Club PS' vermittelt 14- bis 18-Jährigen ein
Grundwissen über Fahrtechnik und fahrphysikalische Zusammenhänge für
Auto und Motorrad."

Ob die Kooperationen von AUVA und ÖAMTC bzw. ÖAMTC Fahrtechnik die
richtige und erwünschte Wirkung erzielen, wird mithilfe von
Evaluierungen gemessen. ʺInsbesondere im Bereich der Kinder und
Jugendlichen wird von Seiten der AUVA Wert darauf gelegt,
altersadäquat die Kompetenz der jungen Verkehrsteilnehmerinnen und
-teilnehmer zu stärken", so Libowitzky. ʺEinige Aktionen des ÖAMTC in
Kooperation mit der AUVA wurden bereits vielfach durch
Zufriedenheitsbefragungen überprüft. Die vorliegenden Ergebnisse sind
im Sinne der Zielsetzung der Programme.ʺ

Mehr Informationen zum ETEC gibt es unter
www.trafficeducationcontest.eu sowie unter www.oeamtc.at/fahrrad.
Bildmaterial zur Veranstaltung kann in Kürze unter
www.oeamtc.at/presse abgerufen werden.

(Forts.)

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