- 26.08.2015, 11:34:08
- /
- OTS0084 OTW0084
Totales Marktversagen: Bauernbund fordert neue Agrarmarkt-Control
"Dumpingpreise schaden den Bauern, den Tieren, der Umwelt und den Konsumenten"
Utl.: "Dumpingpreise schaden den Bauern, den Tieren, der Umwelt und
den Konsumenten" =
Wien (OTS) - "Momentan beobachten wir ein völliges Marktversagen. In
der gesamten EU kommen die Erzeugerpreise für bäuerlich erzeugte
Nahrungsmittel immer weiter unter Druck. Mit durchschnittlich 30 Cent
Bauernmilchgeld produzieren die österreichischen Milchbauern derzeit
auf Verlust. Beim Schweinefleisch ist der Bauernpreis mit 1,30 Cent
je Kilo auf einem Sieben-Jahres-Tief. Bei derart ruinösen Preisen ist
die Zukunft vieler österreichischer Bauern wirklich in Gefahr. Kein
Wirtschaftszweig könnte das durchhalten", kommentiert
Bauernbund-Präsident Jakob Auer die aktuelle Marktsituation der
Landwirtschaft.
Ausgelöst sei diese Marktkrise einerseits durch die
Wirtschaftsboykotte für europäische Waren, die Russland als Antwort
auf die EU-Sanktionen ausgesprochen hatte. Große Mengen an
Nahrungsmitteln konnten nicht mehr exportiert werden und stauen sich
in EU-Lagerhäusern. Andererseits wirkt sich der ruinöse Preiskampf
der Handelsketten um höhere Umsätze durch Billigpreise direkt auf die
Marktstellung der Bauern und Verarbeiter aus. "Die Marktkrise wird
ausgenutzt", kritisiert der Bauernbund-Präsident. "Kombiniert mit
Schleuderpreisen für Lebensmittel, Agrarindustrie und deutschen
Großfleischereien und deren Lohndumping setzen die österreichischen
Bauern zusätzlich unter Druck."
Billige Industriemilch gefährdet österreichische
gentechnikfreie Milch
Industriekonzerne wie die deutsche Müller Milch bringen die
österreichischen Milchbauern durch ihre dominante Marktstellung und
Kostendruck zusätzlich in Bedrängnis. "Bei 25 Cent, die Konzerne wie
Müller Milch für die angelieferte Gentech-Milch bezahlen, sind auf
Österreich umgelegt weder gentechnikfreie Fütterung noch den Dörfern
angepasste kleinere Bauernhöfe, Regionalität oder Natur und
Landschaft miteingerechnet. Bei den laufenden Preisverhandlungen
werden unsere Molkereien aber mit den deutschen Konditionen
überrollt", erklärt Auer.
"Wenn die Preise so massiv verfallen und die ordentliche
Preisbildung ausgesetzt ist, muss die Politik handeln", stellt Auer
fest. Auch von EU-Agrarkommissar Phil Hogan, der heute, Mittwoch,
seinerseits zur Lage auf den EU-Agrarmärkten Stellung nehmen wird,
erwartet sich Auer Lösungen für die Bauern.
Preisverfall nicht länger hinnehmen - Neue Agrarmarkt-Control
soll Preisbildung überwachen
"Auch auf nationaler Ebene werden wir als Bauernbund diesem
Preisverfall nicht mehr länger stoisch hinnehmen. Wir steuern dem
Marktversagen mit einem neuen Regulierungsinstrument, einer
Agrarmarkt-Control, entgegen, um den Markt neu zu ordnen", so Auer.
"Es ist unsere Aufgabe, Fehlentwicklungen am Markt zu
thematisieren - die vor allem auch durch Dumpingpreise und
Handels-Oligopole befördert werden. Aus bäuerlicher Sicht
funktioniert der Markt nicht. Die Bauern und Lieferanten sind nicht
mehr Verhandlungspartner, wenn es um die Preisbildung geht", ergänzt
Bauernbund-Direktor Johannes Abentung.
Kartellrechtsexperte Meinhard Novak zufolge ist die neue Behörde
als Sektorkontrolle für bäuerlich bzw. landwirtschaftlich erzeugte
Nahrungsmittel notwendig, um die landwirtschaftliche Infrastruktur zu
schützen. "Die Landwirtschaft ist im Gesamtgefüge genauso wichtig wie
ein funktionierendes Straßen-, Bahn- oder Stromnetz. Auch dort liegt
der politische Fokus darauf, diese Infrastruktur zu erhalten und
nicht einem ruinösen Preiskampf auszuliefern", führt Novak aus. Wert
und Funktion der Landwirtschaft seien schließlich mit den Schienen
und Netzen der Infrastruktur vergleichbar. "Ähnlich der e-control für
den Strommarkt, wird die neue Agrarmarkt-Control einerseits
Transparenz in den Markt bringen und dadurch Fehlfunktionen
aufzeigen. Andererseits den Einstandspreis kontrollieren, um dem
kontinuierlichen Preisverfall, etwa durch Klagsmöglichkeit nach dem
Kartellrecht, entgegenzuwirken", erklärt Novak.
Eigene Kalkulationen und Preisempfehlungen für mehr
Transparenz bei der Qualität
"Durch das neue Kontrollorgan erwarte ich mir regelmäßige
Marktberichte, Preisbeobachtung und unverbindliche
Preisempfehlungen", fügt Auer hinzu. "Wenn die Kalkulationen der
Handelsketten keine ordentlichen Erzeugerpreise hervorbringen, müssen
wir eigene Kalkulationen anstellen, neu rechnen, ein anderes Kosten-
und Qualitätsbewusstsein schaffen und auch mit Preisempfehlungen
gegensteuern."
Das neue Kontrollinstrument sei notwendig, "um Transparenz in die
Preisbildung zu bringen und vor allem auch unsere Qualitätskosten
einzupreisen", hält Auer fest. Im Moment werde in Österreich
ausschließlich gentechnikfreie Qualitätsmilch verarbeitet. "In
Österreich nachhaltig erzeugte Naturnahrungsmittel müssen aber am
Markt, der diese Extra-Qualität gar nicht in den Preis einkalkuliert,
direkt mit deutscher Industrie-Milch und dänischem Industrie-Fleisch
konkurrieren. Das widerspricht den gesellschaftlich gewollten
Qualitätsprinzipien. Dumpingpreise schaden Bauern, Tieren, der Umwelt
UND den Konsumenten", ist Auer überzeugt, dass nicht nur an einem
Kosten-, sondern auch einem Qualitätsbewusstsein gearbeitet werden
muss. "Denn sonst verschwinden die österreichischen Nahrungsmittel,
unsere Bauernhöfe und 530.000 Jobs, die an der Landwirtschaft hängen.
Für die Konsumenten bringt das am Ende schlechtere Industriequalität
und höhere Preise."
(Schluss)
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIM






