• 05.08.2015, 08:45:03
  • /
  • OTS0011 OTW0011

Ortolan, Raubwürger und Blauracke vor dem Aus

BirdLife Österreich: Ohne effiziente Agrar- und Naturschutzförderprogramme werden weitere Vogelarten verschwinden

Das letzte Vorkommen des Ortolans liegt in einem Schutzgebiet des
Tiroler Inntales. In diesem Jahr ist nur ein singendes Männchen
erschienen. 2005 wurden dort noch 26 Reviere gezählt. Bis in die
1960er Jahre besiedelte diese Art noch das Weinviertel mit über 200
Paaren, das Leithagebirge oder auch das Lienzer Becken.

Utl.: BirdLife Österreich: Ohne effiziente Agrar- und
Naturschutzförderprogramme werden weitere Vogelarten
verschwinden =

Wien (OTS) - Der aktuelle Aussterbeprozess heimischer Feldvögel
könnte kaum dramatischer verlaufen: Die letzten Brutvorkommen der
drei Feldvogelarten Blauracke, Raubwürger und Ortolan sind in der
Brutsaison 2015 auf Einzelexemplare geschrumpft. Ihr völliges
Aussterben steht unmittelbar bevor. Die Vogelschutzorganisation
BirdLife fordert deshalb die für den Naturschutz zuständigen
Bundesländer in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsminister Andrä
Rupprechter auf, endlich effiziente Agrar-Förderprogramme umzusetzen.
Geldmittel dafür wären im neuen Österreichischen Programm für
Ländliche Entwicklung vorhanden.

"Dieser Negativtrend muss sofort gestoppt werden, wenn wir nicht
auch noch Vogelarten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche, die bisher
unsere Kulturlandschaften wie selbstverständliche geprägt haben,
verlieren wollen", warnt Hans Uhl, Agrar-Vogelexperte bei BirdLife
Österreich. Selbst diese Allerweltsarten zählen schon lange zu den
zurückgehenden Vorkommen und werden ohne die Umsetzung sofortiger
Schutzmaßnahmen ebenfalls aus vielen Regionen Österreichs
verschwinden. Laut Farmland Bird Index (methodische Zählung von
BirdLife Österreich seit 1998 im Auftrag des "Ministeriums für ein
lebenswertes Österreich") gehen die 22 häufigsten Feldvögel in Summe
seither um alarmierende 42% zurück.

Blauracke: Letzten drei Brutpaaren in der Steiermark

Nur drei Paare der farbenfrohen, fast exotisch anmutenden Blauracke
haben diese Saison noch in der Südoststeiermark gebrütet. Der
Bruterfolg dieser letzten ihrer Art sichert das Vorkommen in
Österreich aber nicht. 300-400 Paare wurden 1950 alleine in der
Steiermark noch gezählt. Bis in die 1970 Jahre war die Blauracke in
der ganzen Steiermark sowie in weiten Teilen Niederösterreichs und
dem Burgenland noch stark verbreitet.

Raubwürger: Fünf letzte Paare im nördlichen Niederösterreich

"Derzeit ziehen fünf letzte Raubwürger-Paare ihre Jungen groß - zwei
davon im Wald- und drei im Weinviertel", bestätigt Hans Uhl das
letzte Vorkommen dieser Vogelart in Österreich. Noch zur
Jahrtausendwende brüteten in Niederösterreich jährlich 30-50 Paare,
mit bis zu 40 Paaren alleine im Waldviertel. 100 Jahre davor wurde
diese Art ausgenommen in Wien in praktisch allen Bundesländer noch
gesichtet.

Ortolan: einsames Männchen in Tirol

Das letzte Vorkommen des Ortolans liegt in einem Schutzgebiet des
Tiroler Inntales. In diesem Jahr ist nur ein singendes Männchen
erschienen. 2005 wurden dort noch 26 Reviere gezählt. Bis in die
1960er Jahre besiedelte diese Art das Weinviertel mit über 200
Paaren, das Leithagebirge oder auch das Lienzer Becken.

Industrialisierte Landwirtschaft setzt Vogelarten zu

Alarmierend für die Vogelexperten sind die Gemeinsamkeiten die
Ortolan, Blauracke und Raubwürger aufweisen: Sie leben in halboffenen
Kulturlandschaften und sind Opfer der zunehmend industrialisierten
Landwirtschaft. Der intensive Einsatz von Bioziden verursacht den
Rückgang der notwendigen Insektennahrung. Kleinstrukturierte
Feldbewirtschaftung lohnt nicht mehr und findet sich immer seltener.
Mit zunehmend großen Maisäckern verschwinden ökologisch wertvolle
Landschaftselemente wie Hecken, Raine, Altgrasstreifen oder
Böschungen und mit ihnen letzte Rückzugsräume der Feldvögel. "Diese
drei vom Aussterben bedrohten Vogelarten können unter diesen
Bedingungen keinen ausreichenden Bruterfolg erzielen. Obwohl weitere
Faktoren, etwa Klimaveränderung oder Verschlechterung von
Überwinterungsgebieten außerhalb Österreichs wirken, ist in diesen
Fällen nachgewiesen, dass die flächendeckende Intensivierung der
Landwirtschaft der Hauptfaktor der Aussterbeprozesse ist", bringt
Hans Uhl die prekäre Situation der Feldvögel auf den Punkt.

Ohne großflächige Maßnahmen bleiben Naturschutzgebiete
wirkungslos

Ebenfalls für alle drei genannten Vogelarten gilt, dass die speziell
für sie ausgewiesenen Naturschutzgebiete nachweislich wirkungslos
sind, wenn nicht innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen die laufenden
Agrar-Förderpragramme viel umfassender und effizienter als bisher
umgesetzt werden. Kleinflächige Maßnahmen können seltene Pflanzen vor
dem Aussterben bewahren, nicht jedoch Vogelpopulationen, da sie viel
größere Raumansprüche aufweisen. Nur in Partnerschaft mit den
beteiligten Landwirten und unter Anwendung neuer und auch ökonomisch
attraktiver Förderprogramme ist es möglich, den festgestellten
Artenschwund unter den bedrohten Feldvögeln zu stoppen bzw. ihre
seltenen Lebensräume auf größeren Flächen zu erhalten.

Die Bundesländer und das Umweltministerium sind jetzt
gefordert

Da die notwendigen Naturschutzmaßnahmen in die Kompetenz der
Bundesländer fallen, das Umweltministerium jedoch verantwortlich ist
für die Förderrichtlinien zum ÖPUL-Programm, durch das die Länder die
meisten Artenschutzprojekte umsetzen, sind angesichts dieser prekären
Situation beide Seiten aufgefordert, rasch zu handeln. BirdLife
liegen Informationen vor, wonach die meisten Bundesländer im neuen
ÖPUL-Programm heuer weniger Naturschutzmaßnahmen mit den Landwirten
umsetzen als bis 2014. Und schon das war angesichts der
Aussterbeprozesse deutlich zu wenig. Auf Drängen der
Naturschutzorganisationen wurden 40 Millionen Euro jährlich in diesem
EU-Fördertopf für ökologische Flächenpflege reserviert. Derzeit sieht
es danach aus, das die Bundesländer nicht fähig oder willens sind,
diese Mittel auszuschöpfen.

Bessere Förderangebote für Pflege von ökologisch wertvollen
Lebensräumen

BirdLife fordert die Politiker der Bundesländer daher auf, die
Dramatik des heimischen Feld- und Wiesenvogelsterbens endlich zu
erkennen und den Landwirten für die Pflege ökologisch wertvoller
Lebensräum unverzüglich bessere Förderangebote vorzulegen. "Dazu
gehören auch eine intensive und flächendeckende Beratung der
einzelnen Betriebe. Mit jedem Monat des Zögerns, steigt die
Wahrscheinlichkeit das weitere Vogelarten in einzelnen Bundesländern
oder in ganz Österreich aussterben" warnt Gerald Pfiffinger,
Geschäftsführer vor dem weiteren Aussterben unserer Feldvogelarten.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel