- 29.07.2015, 19:30:01
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Thomas Seifert: "Schutz vor Schlapphüten"
Ausgabe vom 30.7.15
Utl.: Ausgabe vom 30.7.15 =
Wien (OTS) - Operation "Eikonal", das klingt schon nach
Agententhriller, Geheimdienstkrimi und Räuberpistole. Nach diesem
Operationsplan soll der deutsche Bundesnachrichtendienst BND im
Auftrag des US-Geheimdienstes NSA zwischen 2005 und 2008 hunderte
Telefon- und Kommunikationsleitungen angezapft haben, abertausende
Gespräche sollen täglich potenziell belauscht worden sein. Aus
US-Kreisen heißt es einerseits "no comment", andererseits wird darauf
verwiesen, dass die Aktivitäten der NSA auch der europäischen
Sicherheit dienen. Schließlich seien in der Vergangenheit zig
Anschläge verhindert worden, nur würde man davon natürlich nie etwas
mitbekommen, weil die Dienste mit Erfolgsmeldungen ihre Methoden und
Taktiken preisgeben würden.
Da mag durchaus etwas dran sein. Dennoch stellt sich die Frage, warum
ein deutscher Nachrichtendienst sich im Auftrag der USA Zugriff auf
Leitungen verschafft, über die österreichische Telefongespräche mit
dem Ausland laufen.
Gibt es Garantien, dass die ausländischen Dienste beim vorgeblichen
Dschihadistenhorchdienst nicht auch Kommunikation österreichischer
Dienstellen mit Bürgern, Unternehmen oder diplomatischen Vertretungen
im Ausland mitschneiden? Nein. Kann mit Sicherheit ausgeschlossen
werden, dass diese Dienste angeblich befreundeter Staaten bei ihrem
Lauschangriff nicht vielleicht ganz nebenbei an sensible
Unternehmensgeheimnisse österreichischer Firmen gelangen? Negativ.
Ein selbstbewusstes Auftreten der heimischen Dienste, deren Aufgabe
es schließlich ist, österreichische Interessen zu wahren, ist daher
eine Selbstverständlichkeit. Sollte der deutsche
Bundesnachrichtendienst BND dem US-Dienst NSA tatsächlich
Komplizenschaft beim Abhören österreichischer Staatsbürger -
möglicherweise zum Schaden der Republik oder österreichischer
Unternehmen - geleistet haben, dann hätte auch Berlin einigen
Erklärungsbedarf.
Eine weitere Lehre: Österreichische Unternehmen und die Dienststellen
der Republik müssen viel mehr als bisher in den Schutz abhörsicherer
Übertragungskanäle investieren. Das Thema Datensicherheheit,
Übertragungssicherheit und Datenschutz muss ganz oben auf die Agenda
bei Spitzenmanagern und Ministerien. Denn erhöhte Datensicherheit
schützt nicht nur vor Hackern - sondern auch vor übereifrigen
Schlapphüten.
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