- 20.07.2015, 11:53:05
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„kreuz und quer“ am 21. Juli: „Tauschen & Teilen – Der Trend zum Leben ohne Geld“ und „Der Vatikan und das Geld“
Wien (OTS) - In Zeiten von Finanzkrise und unbefriedigenden
Arbeitsverhältnissen wächst das Interesse nach Alternativen zum
kapitalistischen Gesellschaftsmodell. Selbsternte-Projekte,
Car-Sharing, Tauschkreise mit eigenen Währungen sind keine reinen
Nischen-Phänomene mehr. Manche wagen auch den Totalausstieg - in die
Land-Kooperative oder ins Kloster. "kreuz und quer" - präsentiert von
Doris Appel - beschäftigt sich mit dem Trend zum Leben ohne Geld und
zeigt dazu am Dienstag, dem 21. Juli 2015, um 22.30 Uhr in ORF 2 Bert
Ehgartners Film "Tauschen & Teilen".
Im 23.05 Uhr folgt Andreas Sawalls Dokumentation "Der Vatikan und das
Geld" über das Dilemma zwischen einer ursprünglichen "Kirche der
Armen" und einer "Kirche der Habenden". Gedreht wurde an historischen
Schauplätzen in Rom und Avignon. Zu Wort kommen führende Experten wie
der angesehene Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf von der
Universität Münster und investigative Journalisten, die sich mit
Korruption und Verbrechen rund um die Vatikanbank sowie den
undurchsichtigen Immobiliengeschäften in Rom befasst haben.
"Tauschen & Teilen - Der Trend zum Leben ohne Geld" - Ein Film von
Bert Ehgartner
Die Kooperative "Longo Maï" ist eines der wenigen
Gesellschafts-Experimente der 68er-Generation, das die Zeiten
überdauerte: In der Zentrale von Longo Maï in der französischen
Provence leben rund 80 Erwachsene und Kinder. Die Arbeit wird
geteilt, Geld ist weitgehend abgeschafft, Entscheidungen werden im
Konsens getroffen.
Heinz Schwarz aus Wien gehörte zur Gruppe der Pioniere, die Anfang
der 1970er Jahre das Land erwarben und die desolaten Gebäude
renovierten. "Wir waren alle aus der Stadt", erzählt er, "von
Landwirtschaft haben wir keine Ahnung gehabt." Mittlerweile feierte
die Kooperative, die zehn Niederlassungen betreibt, ihr 40-jähriges
Bestehen.
Bert Ehgartner porträtiert im Film "Tauschen & Teilen" eine Gruppe
von Österreichern in Longo Maï, aber auch andere Initiativen, die
Alternativen zum kapitalistischen Gesellschaftsmodell erproben.
Selbsternte-Projekte, Couchsurfing, Tauschkreise mit eigenen
Währungen sind keine reinen Nischenphänomene mehr. Gerade in Zeiten
von Finanzkrise und zunehmend unbefriedigenden Arbeitsverhältnissen
wächst eine Sehnsucht nach anderen Lebensformen. Unter dem
Oberbegriff der "Commons-Bewegung" entsteht eine neue Kultur des
gegenseitigen Gebens und Nehmens.
Österreichweit florieren die "Talente-Tauschkreise". Dabei werden
eigene Talente genützt und gegen fremde Talente eingetauscht. Dass
"Commoning" längst mehr als graue Theorie ist, zeigen auch
florierende Gemeinschaftsgärten.
Gemeinschaftliches Leben ist bei Ordensleuten seit jeher üblich.
"Eigentlich sind wir ja die Erfinder der Commons-Idee", sagt Franz
Helm von den Steyler Missionaren. "Wir sind sehr froh, dass dieser
Gedanke nun auch in der normalen Gesellschaft modern wird und immer
mehr mit Ideen und konkreten Projekten gefüllt wird."
"Der Vatikan und das Geld" - Ein Film von Andreas Sawall
Zu ersten Mal in der fast 2.000-jährigen Geschichte der Kirche hat
sich ein Papst einen Namenspatron ausgewählt, der für Armut,
kompromisslose Ehrlichkeit und unbedingte Menschlichkeit steht:
Franziskus. Seit seiner Wahl im Jahr 2013 ist eine Frage wieder in
den Vordergrund getreten, die beinahe so alt ist wie die Kirche
selbst: Darf die Kirche, dürfen der Papst, kirchliche Würdenträger
und Organisationen überhaupt Reichtum und Besitz anhäufen? Jesus,
seine Jünger und die ersten Christen lehnten Geld und Besitz ab. Laut
biblischer Überlieferung verlangte Jesus von denen, die ihm
nachfolgen wollten, dass sie buchstäblich alles, was sie besaßen, an
die Armen verschenken sollten.
Eine der historischen Schlüsselstellen nimmt dabei Kaiser Konstantin
ein, der in der sogenannten Mailänder Vereinbarung (313 nach
Christus) die christlichen Gemeinden tolerierte und ihnen erlaubte,
Besitz zu haben und zu vererben. Wenige Jahrzehnte später sollte das
Christentum zur Staatsreligion werden. Die Päpste des Mittelalters
und der frühen Neuzeit benötigten für ihren Machterhalt viel Geld,
das sie u. a. durch ein ausgeklügeltes Steuer- und Abgabensystem
sowie den Ablasshandel gewannen. Dagegen wandten sich nicht nur
Luther, sondern auch schon Reformer der Kirche wie Franz von Assisi,
der Namenspatron des jetzigen Papstes.
2009 veröffentlichte der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi in
seinem Buch "Die Vatikan AG" bis dahin geheime Dokumente über die
Machenschaften der Vatikanbank: "Das IOR, die Vatikanbank, war immer
eine geheime Bank gewesen, eine Offshore-Bank. Eine Bank, von der man
nicht wusste, wer dort arbeitet, die Bilanzen nicht kannte, einfach
nichts, null", so Nuzzi in der "kreuz und quer"-Dokumentation.
Geheime Girokonten, die auf nicht existierende Namen und sogar
Wohltätigkeitsorganisationen liefen, seien alle fingiert und
vorgetäuscht worden. Nuzzi: "Natürlich standen aber real existierende
Personen hinter diesen Decknamen. Die echten Inhaber der Konten waren
Politiker, Industrielle und Berater. Dazu gehörten die mächtigsten
Männer Italiens."
Der Historiker Stefan Weiß führt zurück in die Vergangenheit: Er hat
sich jahrelang damit beschäftigt, wie die Päpste im Mittelalter und
der frühen Neuzeit zu Geld kamen und wie sie es ausgaben. Er
berichtet über den Erfindungsreichtum der Päpste von Avignon, wenn es
darum ging, die Kassen wieder zu füllen, und über die Motivation der
Päpste, ihren Reichtum zu mehren.
Der Kirchenhistoriker Professor Dr. Hubert Wolf (Universität Münster)
geht der Frage auf den Grund, was Papst Franziskus meint, wenn er von
einer "armen Kirche für die Armen" spricht. Es sei bemerkenswert,
dass sich ein Papst erstmals Franz von Assisi als Namenspatron
gewählt habe: "Das klingt zunächst harmlos. Aber dahinter steckt viel
mehr. Es steckt eigentlich eine ungeheure Provokation dahinter." Denn
damit seien die beiden Grundlinien, die die Kirchengeschichte
durchzögen und die immer miteinander gerungen hätten, in dem Mann an
der Spitze der Kirche zusammengekommen. "Die eine Linie ist: Die
Kirche ist eine mächtige Institution. Sie braucht Geld, um sich
darstellen zu können und das Reich Gottes auf dieser Welt sichtbar zu
machen. Auf der anderen Seite Franziskus: Der Arme von Assisi, der
Jesus Christus nachfolgt, der keinen Platz hat, wohin er sein Haupt
legen kann. Das ist ein ungeheuer spannender Prozess, der sich da
abspielt in der Person von Papst Franziskus und in seiner Kirche."
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.
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