• 14.07.2015, 19:30:01
  • /
  • OTS0158 OTW0158

Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Eine neue Chance"

Ausgabe vom 15.7.15

Utl.: Ausgabe vom 15.7.15 =

Wien (OTS) - Die Einigung der Weltmächte mit dem Iran in Wien hat das
Zeug, die Welt zu verändern. Verzicht auf Atomwaffen, dafür Aufhebung
der Sanktionen gegen die "islamische Republik", so lautet der Deal.
Neben den wirtschaftlichen Möglichkeiten, auf die sich alle freuen,
holt das Abkommen den Iran zurück auf die geopolitische Bühne. Für
die gefährliche Situation im Nahen und Mittleren Osten kann dies eine
Chance bedeuten, wenn diese "neue Besonnenheit" über den 14. Juli
2015 hinausreicht. In Syrien, im Jemen und im Irak liefern einander
der Iran und Saudi-Arabien Stellvertreterkriege, die zu Brutstätten
des globalen Terrorismus geworden sind.

Dass sich jüngst sogar Russland und Saudi-Arabien angenähert haben,
passt gut ins neue Bild. Die geopolitischen Voraussetzungen haben
sich rund um den Iran-Deal fundamental geändert. EU-Außenbeauftragte
Federica Mogherini hat recht, wenn sie das Iran-Abkommen "historisch"
nennt. Die Diplomatie hat zwar zehn Jahre dafür benötigt, doch zeigt
sich nun, dass es keine Alternative zur globalen Zusammenarbeit gibt.

Dieser Deal öffnet die Chance, die blutigen und unübersichtlichen
Konflikte der Region unter Kontrolle zu bringen. Ohne ihn gäbe es
nicht einmal die Chance dafür. Radikale Gruppen werden versuchen,
durch Terroraktionen die Situation erneut zu destabilisieren. Dies zu
unterbinden erfordert eine Zusammenarbeit der USA und Russlands -
auch kein Fehler.

70 Millionen iranische Bürger haben die Chance, ihren Lebensstandard
zu erhöhen, allein dies wird das Regime in Teheran innenpolitisch
vorsichtiger machen. Und es ermöglicht den Menschenrechtsdialog, den
die EU anstrebt.

All dies wird nicht sofort geschehen, es wird weiterhin
Grausamkeiten, Todesurteile und blutige Anschläge geben. Doch es gibt
eine neue Chance, sie effektiver zu bekämpfen.

Am Ende werden sich - wenn die USA, China, Russland und die EU an
dieser Einigkeit festhalten - auch Saudi-Arabien und der Iran
annähern müssen. Für alle islamischen Länder wäre dies ein Segen.

Der "Seufzer der Erleichterung", wie es Russlands Präsident Wladimir
Putin ausdrückte, möge also ein langer werden. Die Wirtschaft kann
hier als Beispiel dienen, sie rechnete bereits aus, welche
Milliardengeschäfte nun zu machen sind. Und steigender Wohlstand
reduziert die Kriegsgefahr - auch für Israel übrigens.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel