• 10.07.2015, 08:23:04
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i-FemMe – erstes rein weibliches österreichisches Symposium zum Thema „entzündliche Autoimmunerkrankungen“

Rheuma- und Dermatologinnen trafen sich mit Ärztinnen anderer Disziplinen in Salzburg zum interdisziplinären Fachaustausch

Utl.: Rheuma- und Dermatologinnen trafen sich mit Ärztinnen anderer
Disziplinen in Salzburg zum interdisziplinären Fachaustausch =

Wien (OTS) - "Ladies only" - unter dem Vorsitz von Prim.a Dr.in
Gabriele Eberl vom Klinikum Malcherhof Baden fand das 1st
Inflammation Female Medical Event Austria, kurz i-FemMe, Ende Juni in
Salzburg statt. Hochrangige Expertinnen waren in der Mitte
Österreichs zusammengetroffen, um das weite Themenfeld der
inflammatorischen Erkrankungen (entzündliche Autoimmunerkrankungen)
aus verschiedenen Fachrichtungen und mit dem Fokus "Frauen" und
"Geschlechtsspezifische Medizin" (Gendermedizin) zu beleuchten. Neben
den Fachvorträgen diente das Symposium den engagierten Ärztinnen aus
dieser noch immer vorwiegend männlich besetzten Domäne auch dem
informellen Gedankenaustausch und Networking.

"Der soziale Austausch bei solchen Veranstaltungen ist enorm wichtig,
da man durch das persönliche Kennenlernen auch in der Folge ganz
anders kommunizieren kann. Selbstverständlich bringen die
hochkarätigen, praxisnahen Vorträge auch einen wichtigen Input sowohl
für die wissenschaftliche Arbeit als auch für den Praxisalltag", so
Eberl, die übrigens die erste Frau war, die das Präsidentschaftsamt
der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und
Rehabilitation innehatte.

Ehrengast Dr.in Ines Stamm, Gender Mainstreaming Beauftragte des
Gesundheitsministeriums, war in Vertretung von Bundesministerin Dr.in
Sabine Oberhauser gekommen, die den Teilnehmerinnen ausrichten ließ,
für wie wichtig sie Frauennetzwerke erachte. "Frauengesundheit ist
auch ein Anliegen der Gesundheitspolitik", so Stamm, die die
Grundzüge des Aktionsplans Frauengesundheit vorstellte. "Da Frauen
und Männer unterschiedliche Gesundheitsrisiken und unterschiedliche
Lebensstile haben, bei manchen Krankheiten andere Symptome aufweisen
und auf die gleichen medizinischen Behandlungen nicht immer gleich
reagieren, wird das Thema Gendermedizin hier eine maßgebliche Rolle
spielen", so Stamm.

Rheuma - Frauen leiden anders

Das Fachgebiet, das sich mit "dem kleinen Unterschied" zwischen Mann
und Frau beschäftigt, der aber durchaus große Wirkung haben kann, ist
die Gendermedizin. "Gendermedizin basiert auf biologischen,
psychischen und sozialen Aspekten, also auf einem bio-psycho-sozialen
Konzept und befasst sich mit den Unterschieden zwischen Frauen und
Männern in allen Gesundheitsfragen. Diese Erkenntnisse sollen dann in
der Praxis zum Wohl beider Geschlechter eingesetzt werden", so
Univ.-Prof.in Dr.in Alexandrea Kautzky-Willer, Inhaberin des ersten
österreichischen Lehrstuhls zum Thema Gendermedizin an der MedUni
Wien. Gerade beim Thema Rheuma wird dieser Unterschied oft deutlich,
denn hier sieht man, dass Frauen oft "anders leiden" als Männer:
Autoimmunerkrankungen treten bei Frauen häufiger auf, die Ausprägung
der Krankheitsbilder und Beschwerden ist oft heftiger als bei
Männern, auch der Krankheitsverlauf ist bei Frauen meist
dramatischer. Dazu kommt, dass Frauen ein intensiveres
Schmerzempfinden haben und auch eher zu einer Chronifizierung der
Schmerzen neigen. Da Frauen durch den anderen Stoffwechsel - abhängig
vom Hormonstatus der Frau, der je nach Lebensphase (Schwangerschaft,
Menopause, monatlicher Zyklus) starken Schwankungen unterworfen ist -
auch anders auf Medikamente reagieren als Männer, muss diesem Faktum
auch im Behandlungsmanagement Rechnung getragen werden.
Kautzky-Willer: "Wir wissen, dass Frauen zwar länger als Männer
leben, ihre Lebensspanne in guter Gesundheit ist allerdings kürzer.
Therapeutische Ansätze müssen bei Frauen an die zyklusbedingten
Veränderungen angepasst werden und das körperliche und seelische
Befinden, die Erfahrungen, Umwelteinflüsse und Lebensgewohnheiten
berücksichtigen. Das ist angewandte Gendermedizin."

Die Vorträge spannten sich von den Besonderheiten der chronisch
entzündlichen Gelenkserkrankungen im Kindes- und Jugendalter (OÄ
Dr.in Andrea Skrabl-Baumgartner, Medizinische Universität Graz) über
die Problematik bei Kinderwunsch und Schwangerschaft bei Patientinnen
mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (Prof.in Dr.in Ina Kötter,
Asklepios Klinik, Hamburg) bis hin zum Einfluss psychiatrischer
Erkrankungen auf die somatische Medizin (Univ.-Prof.in Dr.in Fischer,
MedUni Wien).

Welche Rolle kann die Ernährung spielen?

Dass auch die Ernährung einen Einfluss auf entzündliches Geschehen
haben kann, erläuterte Dr.in Gabriele Eichbauer-Sturm,
niedergelassene Rheumatologin in Linz und Kitzbühel. Auch wenn es
keine echte "Rheuma-Diät" gebe, so zeigte Eichbauer-Sturm in ihrem
Vortrag doch die Wichtigkeit und Möglichkeiten einer unterstützenden
Ernährungstherapie auf. Diese kann über viele Mechanismen wirksam
werden: Die "richtige" Ernährung kann Entzündungsaktivitäten mindern
und helfen, Schmerz zu reduzieren.

Übergewicht und Adipositas fördern Entzündungsprozesse und belasten
erkrankte Gelenke zusätzlich, daher ist es z.B. wichtig,
gegebenenfalls Gewicht abzubauen und den Lebensstil zu ändern. "Eine
abwechslungsreiche Kost mit wenig verarbeitetem Fleisch, z.B.
Wurstwaren, ist hier zu empfehlen, ein gänzlicher Fleischverzicht ist
nicht notwendig! Jedoch sollte der Fleischkonsum reduziert und es
sollten Arachidonsäure-arme Fleischvarianten wie Huhn oder Wild
bevorzugt werden. Auch eine Orientierung in Richtung vermehrter
Fischkonsum und viel Obst und Gemüse ist sicher empfehlenswert", so
die Rheumatologin. Die Empfehlung einer vermehrten Zufuhr von
entzündungshemmenden Nährstoffen wie Antioxidantien und
Omega-3-Fettsäure ist nach wie vor Goldstandard. Allerdings hat
(Alpha) Linolensäure dem Olivenöl seinen Rang hinsichtlich
"gesündestes Öl" abgelaufen. Wer (hochwertiges!) Leinöl, Rapsöl,
Walnuss- oder Weizenkeimöl zu sich nimmt, kann sicher sein, sich
etwas Gutes zu tun. Auch ein moderater Rotweingenuss (weniger als 15g
Alkohol/Tag) ist laut Eichbauer-Sturm der Gesundheit zuträglich.

"CSI Medizin": Interdisziplinäre Zusammenschau von enormer
Wichtigkeit

In "Ein Fall für zwei" stellten die Rheumatologin OÄ Dr.in Maya Thun,
Wilhelminenspital Wien, und die Dermatologin Dr.in Katharina
Wippel-Slupetzky (WGGK) drei Fälle von Psoriasis-Arthritis vor und
bewiesen eindringlich, wie wichtig die interdisziplinäre
Zusammenschau ist. Sie berichteten z.B. von einer Patientin, die mit
Juckreiz im Ohr zum HNO Arzt kam. Dank interdisziplinärer
Zusammenschau konnte erkannt werden, dass die Patientin neben einer
lokalisierten Psoriasis vulgaris im Ohrbereich auch an
Psoriasis-Arthritis (PsA) leidet und so in Folge auch der richtigen
Therapie zugeführt werden. Ein weiterer Fall zeigte, dass sich hinter
einem vermeintlichen Nagelpilz ebenfalls eine PsA verbarg. Es sei
also außerordentlich wichtig, die PatientInnen immer auch nach
anderen Auffälligkeiten wie Schmerzen und/oder Morgensteifigkeit in
den Gelenken, Hautausschlägen etc. zu fragen, so die beiden ÄrztInnen
unisono.

Neue Medien als "diagnostische Helferlein"

Auch das relativ neue Feld Teledermatologie und Untersuchungen
darüber, wie die "neuen Medien" in der täglichen Praxis zum Einsatz
kommen können, wurde vorgestellt. Doz.in Dr.in Julia Frühauf, MSc
(Telemedicine), Gesellschafterin eines teledermatologischen
Service-Anbieters (e-derm-consult GmbH) und niedergelassene
Dermatologin in Maria Enzersdorf, NÖ, erläuterte: "Um Bilder von
Hautveränderungen herzustellen und zu versenden, braucht es nicht
unabdingbar teure, aufwändige Apparaturen, die für die
niedergelassenen ÄrztInnen oft kaum erschwinglich sind. Lediglich ein
Auflichtmikroskop und ein Mobiltelefon sind erforderlich, damit
Nicht-DermatologInnen oder auch PatientInnen bei der Diagnose des
Melanoms oder des weißen Hautkrebs mit hoher diagnostischer
Genauigkeit unterstützt werden können". Spezielle teledermatologische
Online-Plattformen ermöglichen dabei einen sicheren und gut
aufbereiteten Zugang zu den PatientInnendaten. Derzeit prüft eine
österreichweite Pilotstudie die Anwendbarkeit einer
teledermatologischen Konsultationsplattform, welche niedergelassene
DermatologInnen, PatientInnen und Psoriasis-SpezialistInnen in
Kliniken und Praxen miteinander verbindet, um die Betreuung von
PatientInnen mit High-need-Psoriasis zu individualisieren und zu
verbessern. Erste Ergebnisse seien ermutigend.

Burnout - eine Modeerscheinung?

Univ.-Prof.in Dr.in Anita Holzinger, Universitätsklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie, MedUni Wien, ging in ihrem Vortrag
dieser Frage nach. Burnout ist keine anerkannte Krankheit. Laut
Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Nervenheilkunde ist Burnout ein "Risikozustand in
Folge einer langfristigen Arbeitsüberforderung", demnach ein
geschwächter Zustand, der langfristig zu ‚echten‘ Krankheiten wie
einer Depression oder Herz-Kreislaufproblemen führen kann."
Holzinger: "Wer einmal vom Burnout betroffen ist, wird nicht
unbedingt wieder gesund; die geschätzte Erwerbsunfähigkeit ist größer
als 50%." Gerade ÄrztInnen sind gefährdet, in den Zustand des Burnout
zu gelangen. Zusammenfassend meinte Holzinger: "Das Burnout-Syndrom
ist eine häufig auftretende Form eines Erschöpfungszustandes.
Ursächlich ist ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und
Ressourcen im Arbeitsumfeld bei entsprechender Persönlichkeit des
Arbeitnehmers. Unbehandelt können sich aus einem Burnout-Syndrom
verschiedene psychische wie körperliche Erkrankungen entwickeln. Es
existieren vielfältige Möglichkeiten zu Prävention und Therapie auf
persönlicher und betrieblicher Ebene - sie müssen aber auch angeboten
und in Anspruch genommen werden!"

Resümee

Neben den interessanten Vorträgen und dem wichtigen
interdisziplinären Austausch wurden die ungezwungene und ganz
spezielle Atmosphäre, wenn Frauen unter sich sind, sowie das
Netzwerken als großes Plus dieser Veranstaltung genannt. Und zum
Schluss waren sich alle einig: Diese - rein "weibliche Veranstaltung"
- müsse unbedingt eine Fortsetzung finden. Eine Sprecherin der Firma
Pfizer, Gastgeber der i-FemMe, versicherte daraufhin, dass gerade
Frauennetzwerke in der Medizin auch weiterhin die Unterstützung von
Pfizer erhalten werden und dies nicht die erste und einzige i-FemMe
bleiben werde!

Mit freundlicher Unterstützung von
Pfizer Corp. Austria GmbH, Wien
ENB-042-15/1/07.07.2015

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