• 02.07.2015, 10:00:16
  • /
  • OTS0039 OTW0039

BELVEDERE: Klimt und die Ringstraße

Wien (OTS) - Die Errichtung der Wiener Ringstraße, die mehr als ein
halbes Jahrhundert dauerte, gilt als städteplanerische
Meisterleistung. Im Boom der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts
entstand entlang dieses schönsten Boulevards der Welt eine Fülle von
Palais und öffentlichen Prunkbauten. Vor 150 Jahren, am 1. Mai 1865,
eröffnete Kaiser Franz Joseph die Ringstraße offiziell. Anlässlich
dieses Jubiläums widmet das Belvedere die Ausstellung "Klimt und die
Ringstraße" vom 3. Juli bis zum 11. Oktober 2015 jenen
charismatischen Ringstraßenmalern, die ihre Zeit maßgeblich geprägt
haben. Der inhaltliche Bogen spannt sich vom Œuvre des
Künstlerfürsten Hans Makart bis zum Triumph des jungen
Malerkollektivs der Künstler-Compagnie rund um Gustav Klimt. Die
Schau führt den Besuchern den glanzvollen Lebensstil der
Ringstraßenära vor Augen. Neben sinnlich-erzählerischen Einzelwerken
werden erstmals auch wenig bekannte Arbeiten des jungen Klimt
gezeigt.

Die Wiener Ringstraße ist als eines der prägenden und markantesten
architektonischen Ensembles der Stadt essenzieller Bestandteil des
Weltkulturerbes Historisches Zentrum von Wien. Sie war im ausgehenden
19. Jahrhundert Ausdruck des Anspruchs Wiens, das alleinige Zentrum
der Donaumonarchie zu sein. Zugleich dokumentierte sie diese als
politische Großmacht auf dem europäischen Kontinent. Die Bebauung
begann in den 1860er-Jahren und war erst bei Ausbruch des Ersten
Weltkriegs weitgehend abgeschlossen. Mit ihr zeigte sich Wien als
neues, dynamisch-repräsentatives Wirtschafts- und Handelszentrum.

"Die Wiener Ringstraße ist auch heute noch ein Synonym für den Glanz
der Gründerzeit, den Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts und den
Anspruch der Stadt, Kapitale einer europäischen Großmacht zu sein.
Die Ringstraße war somit zum Gradmesser des gesellschaftlichen
Ansehens geworden und Manifestation der Modernisierungsbestrebungen
der K.-u.-k.-Monarchie. Nach dem Vorbild der Pariser Stadterneuerung
unter dem Präfekten Georges-Eugène Haussmann schuf man ein neues,
repräsentatives Zentrum, das sowohl die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit als auch das künstlerische und kulturelle
Potenzial Wiens aller Welt vor Augen führen sollte", so Agnes
Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere.

Die Ringstraße als Abbild der Modernisierungsbestrebungen der
Donaumonarchie vermittelt auch architektonisch den Übergang von der
mittelalterlichen Bürgerstadt zu einer modernen, industriell
geprägten Metropole. "Die Architektur der bürgerlichen Palais der
Ringstraße mit ihren prachtvollen Inneneinrichtungen zeugt vom
gestiegenen Selbstbewusstsein und der wirtschaftlichen Macht des
Bürgertums. Dies vermitteln auch die vom Bürgertum getragenen
Projekte Musikverein und Künstlerhaus oder die Denkmäler für
Kulturschaffende", erläutert der Kurator der Ausstellung Alfred
Weidinger.

"Gleichwohl demonstrierte das Kaiserhaus mit den Gebäuden für das
Naturhistorische und das Kunsthistorische Museum seinen kulturellen
Führungsanspruch. Damit einher ging eine Systematisierung der
Sammlungen des Kaiserhauses, die dadurch ein neues Verhältnis zur
Kunst und ein neues wissenschaftliches Verständnis von Kunst
dokumentieren. Aus den ehemaligen Schätzen und Wunderkammern wurden
zunehmend systematisch-wissenschaftlich geordnete Sammlungen.
Insofern lassen sich die bürgerlichen Sammlungen auch als
Emanzipation von den angestrebten Universalsammlungen des
Kaiserhauses interpretieren", ergänzt Kurator Alexander Klee.

Diese Doppelfunktion der Kultur - im Fall des Kaiserhauses als Symbol
politischer Autorität, im Fall des Großbürgertums als Zeichen
wirtschaftlicher Macht - lässt sich an der Architektur der Ringstraße
ablesen. Demzufolge können die Raumausstattungen der Gebäude als
Ausdruck des jeweiligen kulturellen Selbstverständnisses verstanden
werden. Die Ausstellung "Klimt und die Ringstraße" beleuchtet die
Kunst der Ringstraßenzeit, ihre Sammler und ihre Sammlungen. Da die
einzelnen Aspekte der Malerei, Plastik und Architektur bisher
überwiegend isoliert in wissenschaftlichen Darstellungen
aufgearbeitet wurden, stellt die Schau im Unteren Belvedere nun die
Zusammenhänge mit den Sammlern und Mäzenen der Ringstraße wieder her.

Anhand von Ausstattungsbildern für öffentliche Gebäude und
Privatwohnungen lassen sich die unterschiedlichen künstlerischen
Positionen vergleichen und Stilwandel und Kontinuitäten aufzeigen.
Präsentiert werden Werke der am Historienbild orientierten Schule
Carl Rahls, des Farbenmagiers Hans Makart und des jungen,
aufstrebenden Malers Gustav Klimt, der in der Ausstellung mit frühen
Referenzwerken vertreten ist, die Höhepunkt und Abschluss der Malerei
der Ringstraßenzeit repräsentieren.

Heute umschreibt der Begriff "Ringstraßenzeit" das Idealbild einer
verklärten Vergangenheit. Mit der Ausstellung zum 150. Jubiläum der
Eröffnung der Ringstraße unternimmt das Belvedere den Versuch, den
künstlerischen Wandel während der sich über fünfzig Jahre
hinziehenden Bebauung der Ringstraße erkennbar zu machen. Stetige
Veränderung, Diskrepanz und Kontinuität sind letztlich die
Kennzeichen dieser Zeit des rasanten industriellen Aufbruchs, der
alle Bereiche, sei es Ökonomie, Politik, Gesellschaft oder Kunst,
betraf. In der Ausstellung sind daher Ausstattungsbilder für das
Burgtheater und das Kunsthistorische Museum, Entwürfe für die
prunkvollen Räume des Palais Epstein, Makarts Gemälde für Nicolaus
Dumbas Arbeitszimmer, Teile der Ausstattung von Dumbas Musikzimmer
von Gustav Klimt und der Künstler-Compagnie wie auch Mobiliar aus
Hans Makarts Besitz zu sehen. Stücke von Mäzenen wie Friedrich von
Leitenberger und Nicolaus Dumba werden ebenso präsentiert wie
Preziosen aus den Sammlungen der Familie Bloch-Bauer. Die Ausstellung
erlaubt einen differenzierten Blick auf eine Epoche, die mit ihren
industriellen Produktions- und Reproduktionsmitteln die Möglichkeiten
handwerklicher Erzeugung vielfach übertraf und sich auf der Suche
nach einem neuen künstlerischen Wertekanon befand.

Die Ausstellung "Klimt und die Ringstraße" ist vom 3. Juli bis 11.
Oktober 2015 im Unteren Belvedere zu sehen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel