• 30.06.2015, 19:30:16
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Wiener Zeitung – Leitartikel von Reinhard Göweil: „Mal was ganz anderes...“

Ausgabe vom 1. Juli 2015

Utl.: Ausgabe vom 1. Juli 2015 =

Wien (OTS) - (Warnhinweis: Der folgende Leitartikel ist vielleicht
nicht so ernst gemeint, wie er klingt.)

Andreas Gabalier, leicht völkisch angehauchter Musiker, sagte dem
Münchner "Merkur", man könne Männer doch rechtlich nicht zwingen,
Geschirrspüler auszuräumen und die Wäsche aufzuhängen. Endlich
spricht einer aus, was wirklich wichtig ist. Während männliche
Politiker bei der Griechenland-Rettung versagen - vermutlich, weil
sie wegen des vielen Geschirrs und der Wäsche keinen Kopf dafür haben
-, führt uns der 30-Jährige aufs Wesentliche zurück. Er hat zwar
nicht gesagt, ob das Einräumen des Geschirrspülers oder das
Wäschewaschen selbst von fehlgeleiteten Gender-Extremisten in Gesetze
geschmuggelt werden darf, aber ausräumen geht gar nicht.

Damit hat sich Gabalier für höchste europäische Weihen qualifiziert,
denn mit dem Ausräumen tut sich Europas männliche Elite schwer. Der
Lissabon-Vertrag, eine Art Verfassung für die EU, müsste ausgeräumt
werden. Der Europäische Rat, also die Regierungschefs der
Mitgliedsländer, hat sich dort selbst eingeräumt. Frei nach Gabalier
könnten 50 Prozent der Bevölkerung, also die Europäerinnen, den Rat
wieder ausräumen. Dafür sollte mehr Europaparlament eingeräumt
werden. Und die Männer würden sicherstellen, dass es nicht ausgeräumt
wird.

Wenn hymnentechnisch verbohrte Töchter also der Meinung sind,
Gabalier sei Reaktionär, irren sie gewaltig. Er ist Visionär, der nur
seiner Zeit so weit voraus ist, dass ihn niemand versteht.

Sein Lied "Mei Herz schlogt nur für di" sei Angela Merkel empfohlen.
Damit würde sie Alexis Tsipras beim nächsten EU-Gipfel im Sturm
erobern, und die Griechenland-Krise wäre nach 4:02 Minuten (ja, so
lange dauert das Lied) erledigt. Der sonst so sperrige Yanis
Varoufakis könnte Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen
Währungsfonds, "Sweet Little Rehlein" (Gabalier, 2011) vorsingen -
und sie würde nicht nur den Schuldenschnitt bewilligen, sondern auch
fragen, was der IWF geben darf.

Andreas Gabalier wäre die Antwort auf brennende europäische Fragen,
selbst für jene Flüchtlinge, die gerade keinen Geschirrspüler und
keine Waschmaschine zum Ausräumen haben.

Stattdessen müssen wir uns die Befindlichkeiten von Herrn Juncker
anhören, obwohl niemand in Europa weiß, wie er es hält mit dem
dreckigen Geschirr und der schmutzigen Wäsche.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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