• 29.06.2015, 08:05:19
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Wie eine Währungsunion an die Wand fährt" - von André Kühnlenz

Wien (OTS) - Viel lässt sich kritisieren am Stil und Geschick der
Athener Regierung. Zu oft fühlten sich die Gläubiger Griechenlands
zuletzt vor den Kopf gestoßen. Wie Freitagnacht, als Premier Alexis
Tsipras ein Referendum über die Sparvorgaben ankündigte.

Leicht wird dabei aber übersehen, wie einhellig und klar die Diagnose
der meisten Ökonomen ausfällt: Die geforderten Kürzungen und
Steuererhöhungen treiben Griechenland nur noch tiefer in die
wirtschaftliche Katastrophe.

Das gab es schon einmal, als sich die beiden deutschen
Nachkriegsstaaten vor 25 Jahren zur D-Mark-Union zusammenschlossen.
Laut waren die Warnrufe der Fachleute, Bundesbankchef Karl Otto Pöhl
führte sie an.

Doch wie 2015 in Deutschland, Spanien, im Baltikum oder in Slowenien
zählten damals die Mahner mit ökonomischem Sachverstand nichts, wenn
es um Wählerfang geht. So erinnert sich der letzte
DDR-Ministerpräsident, Lothar de Maizière, noch bestens an all die
Gutachten, die ihm bereits 1990 voraussagten, nur ein Drittel der
Betriebe werde den politisch gewollten Wechselkurs überleben.

Wer sich heute EU-Prognosen anschaut, erkennt schnell, dass die
Griechen mindestens bis 2016 unter Kapitalvernichtung und Depression
leiden müssen.

Damals wie heute gilt, dass Krisenursachen sich über Jahrzehnte
aufbauen. Nur: Wer jetzt Reformen in Griechenland plant, die sogar
weit über das hinausgehen, was Berlin oder Brüssel je im Sinn hatten,
muss zuerst den wirtschaftlichen Absturz stoppen. Anders geht es
nicht.

Weil sich beide Seiten darauf nicht einigen konnten, stehen die
Griechen vor dem Komplettzusammenbruch. Wenn sie aber austreten,
droht ein Albtraum im Euroland.

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