Diskussionen zur Zukunft der Seeklause Steeg am Hallstätter See

Ergebnisse der Informationsveranstaltung am 25.6.2015 in Bad Goisern zum technischen Denkmal im UNESCO-Welterbe und Möglichkeiten für die Zukunft

Bad Goisern/Wien (OTS) - Am Vorabend des Welterbefestes 2015 in Hallstatt organisierte TICCIH Austria am Donnerstag, den 25. Juni 2015, im HAND.WERK.HAUS in Bad Goisern eine Informationsveranstaltung zu dem technischen Denkmal "Seeklause Steeg am Hallstätter See". Während das ‚unserem See’ gewidmete diesjährige Welterbefest in Hallstatt den Fokus auf die Schifffahrt am See setzt, widmete sich die Veranstaltung im voll besetzten Saal des HAND.WERK.HAUS der bautechnischen Grundlage der Wasserhaltung des Hallstätter Sees, der mehr als 500 Jahre in Betrieb stehenden, aber optisch unscheinbaren Seeklause.

Im Mittelpunkt stand zunächst die Geschichte der Seeklause, aber insbesondere die Bedeutung dieses Bauwerks für die Region und im internationalen Kontext des UNESCO-Welterbes. Unter der offen gestellten Frage als Titel der Veranstaltung "Wird die Seeklause in Steeg am Hallstätter See abgerissen?" informierten und diskutierten Experten mit BürgerInnen über die historische Bedeutung und den angemessenen Umgang mit dem Bauwerk.

Dr. Günter Dinhobl von TICCIH Austria, dem österreichischer Denkmalrat für das kulturelle Erbe von Industrie und Technik, moderierte und leitete in das Thema mittels Grundgedanken der Vereinbarkeit von historischen technischen Bauwerken und deren heutige Betriebsführung ein. Ebenfalls stellte Dinhobl den neuen TICCCIH Austria-Folder zur Seeklause vor, in dem die Geschichte und Bedeutung dieses Bauwerkes kurz gefasst nachgezeichnet wird. Dinhobl berichtete von seiner weltweiten Umfrage bei TICCIH international und dem Zwischenergebnis, dass es weltweit kein Bauwerk gäbe, welches eine ähnliche Geschichte aufweist - die denkmalgeschützten Wehranlagen in anderen Staaten seien ‚nur‘ erst seit etwa 150 bis 200 Jahre in Betrieb.

Dr. Peter Strasser vom Departement für Bauen und Umwelt an der Donau Universität Krems, erläuterte die Stellung und Bedeutung des Bauwerkes in der Kulturlandschaft des UNESCO-Welterbes Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut. Dabei betonte er das Bauwerk als integraler Bestandteil des gesamten, vom Menschen und menschlicher Tätigkeit geprägten Landschaftsbildes.

Minsterialrat Mag. DI Dr. Bruno Maldoner vom Bundeskanzleramt berichtete über die UNESCO-Deklaration von Nara und die darin festgehaltene Gedanken zu Authentizität: Authentizität - die Echtheit - eines historischen Bauwerkes beinhaltet demgemäß nicht nur Form, Gestaltung und Material, sondern auch Verwendung und Funktion, ebenso wie Traditionen und Techniken oder Ort und Umfeld, Geist und Empfindung oder andere in der regionalen Kultur verankerte interne oder externe Faktoren. Dr. Maldoner ergänzte, dass der Ort der Veranstaltung, das HAND.WERK.HAUS, hervorragend für die Diskussionen um dieses Thema geeignet ist.

Der Monitoring-Beauftragte von ICOMOS Österreich, Dr. Hans-Jörg Kaiser, berichtete von der gegenwärtigen Prüfung von mehreren Varianten in einer Machbarkeitsstudie: Die Varianten reichen von komplettem Neubau über teilweisen Neubau und Erhalt eines Teils der Seeklause bis hin zu der Variante eines Entlastungsbauwerkes bei Erhalt der kompletten Seeklause.
Ein internationaler Vergleich zeige, dass diese letzte Variante beispielsweise in Thun in der Schweiz schon mehrere Jahre erfolgreich im Einsatz ist und gewissermaßen ‚doppelte Sicherheit’ gegenüber Hochwasser bietet: Zur Erhaltung der historischen Schleusen in Thun wurde ein unterirdischer, aus städtebaulichen Gründen mehr als 1 Kilometer langer Entlastungsstollen mit 5,4 Meter Durchmesser errichtet. Damit kann auch bei tiefem Wasserstand des rund 50 km2 großen Thunersees eine Abflusskapazität bereit gestellt werden, welche im Fall von einer sich abzeichnenden Hochwassergefahr von essentieller Bedeutung für ein rasches Vorabsenken ist. Zusammen mit einem Messstellen-Netz im knapp 2.500 km2 großen Einzugsgebiet mitsamt hydraulischem Modell sowie einem entsprechenden Betriebsreglement konnte nun "eine bessere Schutzwirkung als alle anderen diskutierten Maßnahmen" erzielt werden. Kaiser merkte an, dass bei Thun der Entscheidungsfindungsprozess mehr als fünf Jahre in Anspruch nahm, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte.

Die Diskussion umfassten Wortmeldungen zur besseren Sichtbarmachung dieses einzigartigen Bauwerkes, aber auch die Aussage, dass es während der Zeit der letzten Klausmeisterin aufgrund ihres großen Engagements zu keinen Überschwemmungen gekommen sei. In erster Linie drehten sich die Diskussionen um die Zukunft der Seeklause, welche fachlich hochstehend und sachlich sehr ausgewogen blieben. Insbesondere wurde von den Bürgern der Region die Frage gestellt und diskutiert, warum die derzeitige Steuerung des im Jahr 2001 eingebauten 2001 automatisierten Klappenwehrs nur mittels Seepegel-Messung erfolgt. Die Frage blieb mangels entsprechender Fachexperten aus dem Wasserbaubereich offen. Mit dem Hinweis auf die erfolgreich praktizierte Lösung am Thunersee mit Messstellen im Einzugsgebiet und Prognose als kostengünstige und kurzfristig umsetzbare Maßnahme fanden zahlreiche TeilnehmerInnen, dass derartiges auch bei der Seeklause erprobt werden möge. Dies, so merkte Dr. Dinhobl an, entspräche auch der Forderung von Landeshauptmann Dr. Josef Püringer, welcher beim Hochwasserschutz auch die Einbeziehung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes des Jahres 2013 (Ischler Woche, 3.7.2013, S.10) einforderte.

Dinhobl unterstrich, dass ein UNESCO-Welterbe einen sensiblen Umgang mit den überlieferten Bauten und unkonventionelle, aber praktikable Lösungen erfordert. Aufbauend auf international vergleichbare Erfahrungen wäre eine regional angepasste innovative und individuelle Lösung auszuarbeiten, um die Sicherstellung des Betriebes, den Hochwasserschutz UND den Erhalt der einzigartigen historischen Seeklause zu ermöglichen. "Diese Veranstaltung möge ein Ausgangspunkt sein, um Diskussionen für einen welterbeverträglichen Umgang mit der Seeklause anzustoßen", so Dinhobl von TICCIH Austria. "Es liegt in der Region, diese Chance der Seeklause zu nutzen, und es wird die Welt sein, diese lokalen Anstrengungen im UNESCO-Welterbe "Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut Kulturlandschaft" zu honorieren."

Den Abschluss der Informations- und Diskussionsveranstaltung bildeten die Worte des Bürgermeisters von Bad Goisern, Herr Peter Ellmer. Dinhobl entschuldigte die eingeladenen Bürgermeister der Region, welche durch Gemeinderatssitzungen verhindert waren, und beendete die Veranstaltung mit den schriftlichen Worten von Herrn Bürgermeister Ellmer: "Im Sinne der Bürger sollte man rasch und möglichst unbürokratisch, unter Einhaltung aller Maßnahmen zur Erhaltung der Seeklause, handeln, um in Zukunft Hochwasserereignisse bestmöglich in den Griff zu bekommen."

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Günter Dinhobl
"TICCIH Austria - österreichischer Denkmalrat für das kulturelle Erbe von Industrie und Technik"
guenter.dinhobl@ticcih.at

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