• 25.06.2015, 13:21:15
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Nachhaltige Waldbewirtschaftung in Guatemala mit österreichischer Unterstützung

Bundesminister Rupprechter startet beispielhaftes Forstprojekt mit Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum

Utl.: Bundesminister Rupprechter startet beispielhaftes Forstprojekt
mit Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum =

Wien (OTS) - Die Berg- und Nebelwälder in Guatemala sind die
wichtigste Lebensgrundlage für die indigene Bevölkerung in dem
mittelamerikanischen Land. Mit österreichischer Hilfe sollen die
Wälder rund um Laj Chimel, der Heimatgemeinde von
Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum, nachhaltig
bewirtschaftet werden. Ziel ist es, die lebenswichtigen Funktionen
des Walds zu erhalten. Das Projekt wurde heute, Donnerstag, von
Rigoberta Menchú Tum und Bundesminister Andrä Rupprechter in Wien
präsentiert. Durchgeführt wird das Projekt vom
Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).

Österreichisches Know-how über nachhaltige Waldwirtschaft wird
international stark nachgefragt. Die heimischen Forstexperten sind in
zahlreichen Ländern, unter anderem in Bhutan, Suriname, Singapur,
Mali, Äthiopien und Georgien in verschiedenen Projekten tätig.

Bundesminister Rupprechter: "Ökonomischer Erfolg,
verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt und soziale Verantwortung
in der Land- und Forstwirtschaft sind eine österreichische
Erfolgsgeschichte, die weltweit auf Beachtung stößt. Es ist erklärtes
Ziel meiner Forstpolitik, dass Österreich auch international
Verantwortung für nachhaltige Waldbewirtschaftung übernimmt."

Das Projekt in Guatemala wurde von der Rigoberta Menchú Tum-Stiftung
initiiert. Das BMLFUW wurde gebeten, bei der Erstellung eines
nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepts für den Wald in Laj Chimel zu
helfen. In und von diesem Wald leben 37 Bergbauernfamilien, die einem
Stamm der indigenen Bevölkerungsgruppe der Maya angehören.

Menchú Tum: "Unser Leben basiert auf einer Verbindung zwischen Mutter
Erde und den Menschen. Guatemala braucht zum einen verbesserte
Technologien, um weiter im Einklang mit der Natur produzieren zu
können. Zum anderen muss Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung
geschaffen werden, was zum Beispiel den Umgang mit Feuer im Wald
betrifft.

Hilfe zur Selbsthilfe
Für das 1125 Hektar große Projektgebiet in Guatemala wird von den
österreichischen Forstexperten ein Nachhaltigkeitskonzept für den
Berg-Nebelwald erstellt. Bis Ende 2016 werden gemeinsam mit der
örtlichen Bevölkerung Pläne für eine praktikable und nachhaltige
Waldbewirtschaftung entwickelt, die die ökonomischen, ökologischen
und gesellschaftlichen Anforderungen an diesen Wald berücksichtigen.
Ziel ist es, der ansässigen indigenen Bevölkerung das für die
nachhaltige Waldbewirtschaftung notwendige Know-how zu vermitteln.
Dafür werden auch Austausch-Studenteninnen und Studenten aus
Guatemala in Österreich ausgebildet.

Rupprechter: "Das Überstülpen vorgefertigter Rezepte würde sicher
nicht funktionieren. Es ist daher besonders wichtig, die Konzeption
und Durchführung des Projekts gemeinsam mit Vertretern der örtlichen
Bevölkerung zu gestalten."

BFW-Leiter Peter Mayer betont: "Hilfe zur Selbsthilfe ist einer der
vorrangigen Gründe, warum sich das Bundesforschungszentrum für Wald
in diesem Pilotprojekt engagiert. Das BFW kümmert sich um den
österreichischen Wald, genauso ist es aber uns ein Anliegen, in
anderen Ländern beim Aufbau einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung
behilflich zu sein, damit die Menschen vor Ort vom Wald leben und ihn
nachhaltig bewahren können."

Bei aller Verschiedenheit zwischen Österreich und Guatemala gibt es
bei der Waldbewirtschaftung durchaus Parallelen. Wie in weiten Teilen
Österreichs, handelt es sich bei dem Wald im Projektgebiet in
Guatemala um Bergwald, der von kleinen Familienbetrieben
bewirtschaftet wird. Die Menschen arbeiten in steilem, zum Teil
unwegsamem Gelände. Die schwierigen Produktionsbedingungen, Erosion
und Naturgefahren bedrohen die Lebensbasis. Hier ist Nachhaltigkeit
in der Landnutzung eine Frage des Überlebens.

Das Projekt leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der
biologischen Vielfalt. Berg-Nebelwälder gehören zu den artenreichsten
und am meisten gefährdeten Ökosystemen der Welt.
Berg-Nebelwald von Laj Chimel
In dem Gebiet in der zentralen Bergkette, die zwischen 2900 und 3400
Höhenmeter verläuft, treffen warm-feuchte Luftmassen aus der Karibik
auf die kühlfeuchte Luft aus dem Pazifikraum. Das ist eine
Kombination, die das ganze Jahr über starken Nebel verursacht und
eine speziell feuchtigkeitsliebende Flora und Fauna hervorbringt.
Viele Epiphyten (Aufsitzerpflanzen), Orchideenarten und potenziell
medizinisch nutzbare Pflanzen stellen eine Ressource dar, die
ökologisch und sozial nachhaltig bewusst gemacht und bewirtschaftet
werden sollen. Dabei geht es auch um eine Abschätzung von Holzvorrat,
Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität und darum, wie dieses Wissen
unter der Bevölkerung kommuniziert und angewandt werden kann.

Denn Brandrodung für die Bestellung des Landes und unkoordinierte
Brennholzgewinnung sind die wesentlichen Bewirtschaftungsformen. Das
führt zur Erosion, Nährstoffarmut und Problemen mit dem
Wasserhaushalt. Das Bundesforschungszentrum für Wald hat die Aufgabe,
im Projektgebiet die ökologischen und kartographischen Grundlagen zu
dokumentieren, um in Kooperation mit der indigenen Bevölkerung die
entsprechenden Nutzungsformen abzuleiten. Dabei geht es nicht nur um
natur- bzw. forstwissenschaftlich relevanten Fakten. Es geht auch
darum, die identitätsstiftende Bedeutung des Waldes für die
Bevölkerung herauszufinden und zu formulieren.
Declaration of Friendship
Besiegelt wurde die Kooperation mit der ‚Declaration of Friendship’,
die von Rigoberta Menchú Tum und Bundesminister Andrä Rupprechter
unterzeichnet wurde. Damit ist eine weiterführende, langfristige
Zusammenarbeit zwischen Österreich und der Stiftung Rigoberta Menchú
Tum betreffend nachhaltige Landnutzung und Waldbewirtschaftung
vereinbart.

Rupprechter: "Das Projektgebiet ist zwar klein hat aber durch den
ökologischen Wert und die gute nationale und internationale
Vernetzung der Stiftung Rigoberta Menchú das Potenzial,
Beispielprojekt und Grundlage für langfristige weitere
Entwicklungsprojekte, etwa für Forschungs- und Bildungsprogramme zu
werden, und weitere Partner anzuziehen."

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