- 25.06.2015, 12:56:24
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Sobotka/Schwarz/Wilfing: NÖ erarbeitet eigene Demenz-Strategie
22.000 Betroffenen von heute und 44.000 Betroffenen im Jahr 2050 soll noch besser geholfen werden
Utl.: 22.000 Betroffenen von heute und 44.000 Betroffenen im Jahr
2050 soll noch besser geholfen werden =
St. Pölten (OTS/NLK) - Im Schnitt wird unsere Gesellschaft alle zehn
Jahre um drei Jahre älter. Damit verbunden ist auch ein Anstieg
altersbedingter Erkrankungen, dazu gehört auch die Demenz - 75
Prozent aller Betroffenen sind über 75 Jahre alt. Rund 22.000
demenzkranke Menschen werden in Niederösterreich behandelt, im Jahr
2050 werden es laut Prognosen 44.000 sein. Aus diesem Grund hat das
Land Niederösterreich ein Symposium an der IMC Fachhochschule Krems
zum Thema "Leben mit Demenz! Selbstbestimmt in die Zukunft?"
veranstaltet. Rund 200 interessierte Fachpersonen und
Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen haben daran teilgenommen
und mit den Experten diskutiert - die Ergebnisse werden in die NÖ
Demenzstrategie einfließen.
Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka:
"Niederösterreich hat in der Demenzversorgung eine Vorreiterrolle
übernommen. Bereits heute wird in sechs Landeskliniken, 18 Ambulanzen
und 21 Landespflegeheimen eine Schwerpunkt-Betreuung und -Versorgung
angeboten - weitere Projekte, wie ambulanzfreundliche Apotheken
befinden sich in der Umsetzung. Wir machen aber bereits den nächsten
Schritt und arbeiten an einer Demenzstrategie für die Zukunft, um
bestehende Behandlungs- und Betreuungsstrukturen zu optimieren und
Betroffenen und deren Angehörigen eine hohe Lebensqualität trotz
ihrer Erkrankung zu ermöglichen. Dafür müssen Prävention,
Frühdiagnose, Behandlung und Betreuung nahtlos zusammen spielen. Dazu
hat das Demenz-Symposium entscheidende Beiträge geliefert".
"Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen ist
eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Wir legen in der
niederösterreichischen Sozialpolitik großen Wert darauf, ganz
besonders diesen Menschen spezielle Betreuung zukommen zu lassen und
damit auch ihre Angehörigen und Familien bestmöglich zu unterstützen.
Durch eigens entwickelte Konzepte und Initiativen in den NÖ
Landespflegeheimen verfügen wir dort bereits über große Erfahrung.
Wir stellen dabei gezielt Empathie und Validation in den Mittelpunkt.
Zusätzlich achten wir auf Alltagsnormalität und auf einen vertrauten
Tagesrhythmus, um die noch vorhandenen geistigen und körperlichen
Fähigkeiten der Menschen zu fördern, ohne diese zu überfordern", so
Sozial-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz.
"Der demografische Wandel ist auch für die Landeskliniken eine
Herausforderung, da sich die Erkrankungsbilder ändern. Wir müssen uns
auf diese Situation daher schon heute einstellen und entsprechend
vorsorgen. Beispielsweise mit einem professionellem
Entlassungsmanagement, dem in Zukunft - gerade bei Patientinnen und
Patienten mit Demenzerkrankungen - eine sehr viel höhere Bedeutung
zukommt als heute", so Landesrat Mag. Karl Wilfing.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Marksteiner, Ärztlicher Leiter der
Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Hall, berichtete
über etablierte und neue Therapiekonzepte, die die Symptome von
demenziellen Erkrankungen lindern und das Fortschreiten der
Erkrankung verzögern, allerdings nicht stoppen können. Aus diesem
Grund setzen neue therapeutische Ansätze den Schwerpunkt auf
Prävention und einem sehr frühen Erkennen der Demenz.
Dr.iur. Christian Bürger, Msc, Leiter der Bewohnervertretung des NÖ
Landesverein für Sachwalterschaft und Bewohnervertretung, erklärte,
dass demente Menschen gerade in Krankenanstalten eine große
Herausforderung darstellen, da sie andere Routinen erfordern. Denn
auf Grund ihrer Krankheit und der fremden Situation reagieren diese
Menschen verwirrt und ängstlich. Aktuell beträgt der Anteil an
demenzkranken Patienten bereits mehr als zehn Prozent
Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer von der Donau-Universität Krems
berichtete über die Notwendigkeit einer Demenzstrategie auf Landes-
und Bundesebene. Die Einführung einer Demenzstrategie auf Bundesebene
wurde beschlossen, jedoch noch nicht umgesetzt. Ziel einer
Demenzstrategie ist es, dass schnell gezielte Hilfe bei den
Betroffenen als auch Angehörigen ankommt. Dabei ist die Bündelung
aller maßgeblichen Kräfte und die optimale Nutzung der Ressourcen ein
wichtiger Bestandteil. Genauso wie die Früherkennung der Krankheit
und die optimale Begleitung betroffener Familien soll ermöglicht
werden.
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Franz Kolland referierte über die
Generationenbeziehungen, die auf Grund der demografischen
Verschiebungen und durch den Strukturwandel der Familie zu einem
zentralen Thema werden wird. Vor allem dann, wenn die jetzt
erwerbstätige, geburtenstarke Generation ins Pensionsalter kommt.
Als Ergebnis des Symposiums wurden drei Zukunftsbotschaften
formuliert: 1. Vorsorge- und Präventionsmaßnahmen anbieten, die auch
zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für Demenz beitragen.
Hierfür eine zentrale Anlaufstelle schaffen und auch Angehörige
einbinden. 2. Für die Betreuung zu Hause sollen regionale Angebote,
die von professionellen Dienstleistern ausgeführt werden,
24-Stunden-Betreuung und alternative Betreuungsmodelle "demenz-fit"
und durch zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit unterstützt
werden. 3. Für die Betreuung von dementen Menschen in Institutionen
ist der Wunsch nach mehr Personal mit fachlichen Kompetenzen, mehr
medizinische Kompetenz und Fachärzte für Geriatrie. Schnittstellen
zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern sollen verstärkt werden und
auch als Anlaufstelle für Angehörige dienen.
Nähere Informationen: Büro LH-Stv. Sobotka, Mag. Günther Haslauer,
Telefon 02742/9005-12221, e-mail [email protected], Büro
LR Schwarz, Mag. (FH) Dieter Kraus, Telefon 02742/9005-12655, e-mail
[email protected], Büro LR Wilfing, Florian Liehr, Telefon
02742/9005-12324, e-mail [email protected].
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