• 23.06.2015, 11:12:10
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Schultes: Intelligenz ersetzt Chemie - LK-Warndienst NEU bereits gestartet

Risiko steigt: Klimawandel bringt neue Schädlinge und Pflanzenkrankheiten

Utl.: Risiko steigt: Klimawandel bringt neue Schädlinge und
Pflanzenkrankheiten =

Wien (OTS) - Im Vorjahr angekündigt, heuer bereits Wirklichkeit: Der
neue Pflanzenschutz-Warndienst der Landwirtschaftskammern
(warndienst.lko.at) wurde im Frühjahr gestartet. Österreichs Acker-,
Gemüse-, Obst- und Weinbauern können - ganz nach dem Motto
"Intelligenz ersetzt Chemie" - dieses Instrument dazu nutzen, den
Pflanzenschutzmittel-Einsatz effizienter durchzuführen und so den
Nutzen zu optimieren. Dabei helfen Prognosen und Befallserhebungen
von Schädlingen und Krankheiten mit, dass Bäuerinnen und Bauern ihr
oberstes Ziel, nämlich die rückstandfreie Qualität, erreichen.

"Die Information selbst ist firmenunabhängig", informierte heute
LK Österreich-Präsident Hermann Schultes im Rahmen der
Erntepressefahrt 2015. "Wie wichtig dieses Werkzeug sowohl für die
traditionell nachhaltig wirtschaftenden Bauern als auch für die
Biobauern ist, zeigt die Tatsache, dass der Klimawandel vermehrt neue
Schädlinge und Pflanzenkrankheiten mit sich bringt. Hier ist es mit
der simplen Forderung 'Alles verbieten!' nicht mehr getan, da braucht
es intelligenten Schutz für die Pflanzen. Wir müssen daher die
Forschung massiv vorantreiben und gleichzeitig ausgefeilte
Prognose-Modelle anbieten. Mit dem Warndienst haben wir in der
Risikoabschätzung einen wichtigen Schritt gesetzt", betonte Schultes.

Was wird mit dem Warndienst erreicht?

"Die Information im Warndienst ist punktgenau auf die jeweilige
Zielgruppe der Landwirte zugeschnitten. Verbessertes Wissen bringt
effizienteren Pflanzenschutz mit weniger Streuverlusten mit sich.
Diese maßgeschneiderte Vorgangsweise hilft auch mit, die Menge zu
reduzieren, Umwelt und Wasser bleiben von unerwünschten Wirkstoffen
oder Metaboliten verschont. Das fördert die biologische Vielfalt und
stützt die hohe heimische Wasserqualität. Darüber hinaus schont
intelligenter Pflanzenschutz Ressourcen, wie Energie oder Boden", so
Schultes.

Effizientester Weg zu optimierter Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln

"Der neue Pflanzenschutz-Warndienst ist der mit Abstand
effizienteste und preiswerteste Weg hin zu einer optimierten
Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der Warndienst hilft aktiv mit,
Risiken und eventuelle negative Auswirkungen von
Pflanzenschutzmitteln auf Mensch und Umwelt zu vermeiden. Am Ende
dieser Kette stehen für Bauern und Konsumenten gleichermaßen
qualitätsvolle, leistbare und rückstandsfreie Lebens- und
Futtermittel", hob der LK-Präsident hervor.

warndienst.lko.at ist eine einheitliche gemeinsame Homepage für
alle Warndienste Österreichs mit einem Gesamtüberblick über
Pflanzenschutzthemen für die jeweilige Zielgruppe (Acker-, Gemüse-,
Obst- und Weinbau). Auf dieser Seite werden die Warndienste kompakt
dargestellt und mit weiteren wichtigen Informationen (z.B.
Schadorganismen, Sortenlisten, Pflanzenschutzmittel,
Pflanzenschutzgeräte) verknüpft. Für die Betriebe werden so
praxisrelevante Inhalte besser verfügbar.

Gegen Angst-Kampagnen

"Jeder ordentliche Bauer, der seine Pflanzen vor Schädlingen oder
Krankheiten schützt, kann das mit gutem Gewissen tun. Er wendet
ausschließlich Mittel an, die nach strenger wissenschaftlicher
Prüfung von der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit
(AGES) sowohl für den Biolandbau als auch für die traditionell
nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaft nach den selben Vorschriften
freigegeben worden sind. Vorschriftsmäßig ausgebracht - darauf wird
in strengen Kontrollen geachtet - gibt es keine Gefahr für
Konsumenten und Umwelt. Derzeit behaupten Organisationen, deren Zweck
das Sammeln von Spenden ist, gerade das Gegenteil und wollen Bauern
wie auch Konsumenten ein schlechtes Gewissen einreden. So soll durch
bewusstes Verschweigen, Weglassen und Um-Interpretieren von Fakten
jene Angst bei den Menschen erzeugt werden, die sie zum Spenden
veranlassen soll. Die österreichische Landwirtschaft lebt jedoch
nicht vom Spendensammeln, sondern davon, beste Produkte auf in- und
ausländischen Märkten zu verkaufen. Dafür brauchen wir einzigartige,
sichere und gesunde Qualitäten, für welche die Konsumenten bereit
sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Von Schädlingen und
Krankheiten beschädigte Produkte würden unsere Kunden liegen lassen",
so Schultes.

Auer: Risikovorsorge noch weiter ausbauen

"Die Abrechnung des letzten Jahres hat eines wieder einmal klar
gezeigt: Die Qualität, welche unsere Bäuerinnen und Bauern auf ihren
Feldern wachsen lassen, ist gefragt und sichert ihre Position am
Markt. Die Spanne zwischen Qualitätsgetreide und internationaler
Massenware macht deutlich, dass wir mit unserer Qualitätsproduktion
auf dem richtigen Weg sind", zog LK NÖ-Vizepräsident Otto Auer
Bilanz.

Zwar kann die niederösterreichische Landwirtschaft heuer bisher
ein ausgeglichenes Jahr mit einem milden Winter verzeichnen, dennoch
weiß Auer ganz genau, "dass die Ernte uns erst dann gehört, wenn sie
in der Scheune ist". Das hätten die letzten Unwetter in Erinnerung
gerufen, betonte er. "Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass
Risiko-Vorsorgemaßnahmen wie Versicherungen auch in Zukunft weiter
ausgebaut werden. Nur so können wir sicherstellen, dass Bäuerinnen
und Bauern bestmöglich vor extremen Unwettern abgesichert sind",
unterstrich Auer. Hier sollen die Angebote künftig für Landwirte noch
attraktiver gestaltet werden. Zuschüsse sollen Anreize zur
Eigenvorsorge bieten. "Die Experten gehen zwar derzeit noch von
zufriedenstellenden Erträgen im Erntejahr 2015 aus, doch die
Kornausbildung kann noch vieles relativieren", gab der Vizepräsident
zu bedenken.

Hautzinger: Mit unterdurchschnittlicher Ernte zu rechnen

Nach einem verhältnismäßig trockenem Frühjahr (März -43% und April
-41% Niederschlag zum langjährigen Durchschnitt) ist im Mai der
dringend notwendige Regen gefallen. "Für die frühreifen
Winterkulturen, wie Wintergerste und Winterraps, dürfte der
Niederschlag im Mai noch rechtzeitig gekommen sein; hier rechnen wir
mit guten Durchschnittserträgen. Bei Winterweizen, Sommergerste und
Hartweizen hängt vieles noch von den kommenden Wochen ab, wobei die
Hitze in der zweiten Juniwoche allen Kulturen stark zugesetzt hat.
Aus heutiger Sicht kann man davon ausgehen, dass im Burgenland
insgesamt eine leicht unterdurchschnittliche Getreide- und Rapsernte
zu erwarten ist", berichtete LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger.

Produzierende Landwirtschaft weist hohe ökologische Standards
auf

"Unsere Bauern wollen hochwertige Rohstoffe produzieren und sind
sich dessen bewusst, dass sie eine große ökologische Verantwortung
tragen. Leider mussten wir in den vergangenen Jahren feststellen,
dass der Druck durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten, nicht
zuletzt aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, stark zunimmt.
Hier sind Landwirte und Forschung gleichermaßen gefordert,
umweltverträgliche Strategien und Lösungen zu entwickeln. Die
heimischen Bauern besuchen regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen
der Landwirtschaftskammer, um sich hinsichtlich eines ökologisch
verträglichen Pflanzenschutzes den neuesten Wissensstand anzueignen",
hielt Hautzinger fest.

Windisch: Wasserknappheit schlägt sich auf Ernteerträge nieder

"Für die Wiener Ackerbauern ist 2015 bisher ein niederschlagsarmes
Jahr. Der Boden hat keine Wasserpuffer mehr und die Getreidekulturen
leben sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Das
Niederschlagsdefizit des heurigen Jahres beträgt zurzeit 40 Liter pro
m2. Im Optimalfall können wir noch maximal eine durchschnittliche
Ernte erzielen - aber nur wenn wir die Ernte sicher nach Hause
bekommen", informierte der Präsident der Landwirtschaftskammer Wien,
Franz Windisch.

Damit werden die Wiener Getreidebauern eine um zirka 20% geringere
Ernte zum Vorjahr und eine um etwa 50% geringere Menge im Vergleich
mit den europäischen Gunstlagen einfahren. Die nächsten Tage werden
darüber entscheiden, wie sich der Ernteertrag bei den später
abreifenden Getreidearten, wie dem Sommerhartweizen entwickelt.
"Durch die knappen Wassermengen werden heuer die Unterschiede der
einzelnen Bodenqualitäten besonders sichtbar", so der LK-Präsident.
Zumindest bezüglich der Qualität (Proteinwerte) der Getreideernte
zeigte er sich optimistisch. Eine eventuelle Hitzewelle könnte aber
noch zu Notreife und Schmachtkornbildung führen, schränkte er ein.

Gauhs: Starke europäische Konkurrenz für heimische Weizenernte

"Aufgrund der sehr unterschiedlichen Regenfälle in den einzelnen
Gebieten Österreichs erwarten wir für die heurige Getreideernte große
Unterschiede. Aktuell rechnen wir damit, dass die gesamte Erntemenge
leicht unter dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre liegen wird.
Konkrete bundesweite Prognosen sind aus heutiger Sicht jedoch schwer
zu treffen", bestätigt Ernst Gauhs, RWA-Bereichsleiter für
landwirtschaftliche Erzeugnisse.

"Die österreichischen Bauern haben in den letzten Jahren mit der
Erzeugung von hochqualitativem Weizen eine interessante Nische
besetzt und werden dies auch heuer wieder tun. Dazu braucht es
profunde Erfahrung, Know-how und vor allem ein punktgenaues Reagieren
auf Krankheiten. Dafür ist der Warndienst der Landwirtschaftskammer
ein wichtiges Instrument, das die Lagerhäuser aktiv unterstützen",
ergänzte Gauhs.

"Betrachten wir die Vermarktung des österreichischen Weizens, so
ist die Qualitätsstrategie der heimischen Bauern zuletzt aufgegangen.
Prinzipiell bestimmen die Weltmarktpreise auch die heimischen
Getreidepreise. Bei der letzten Ernte konnten unsere Landwirte jedoch
Qualitäten erreichen, die besser waren als jene im restlichen Europa.
In der Folge erzielten diese im Qualitätssegment auch Preise, die
über den globalen Preisen lagen", so Gauhs. Heuer ergebe sich
aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen ein anderes Bild: "Unsere
Nachbarn in Europa zeigen derzeit gute Weizenbestände. In
Deutschland, Frankreich und Ungarn gibt es aber bereits Berichte über
Schäden infolge von Trockenheit. Das bedeutet, dass der Erfolg der
heimischen Weizenernte davon abhängen wird, ob sich dieser vom
starken Umfeld abheben kann. Weltweit liegt die prognostizierte
Getreideerzeugung bei 2 Mrd. t und damit leicht unter dem
Vorjahreswert. Diese wird den globalen Bedarf knapp decken können.
Grund für die etwas verhaltene Erzeugung seitens der Landwirte ist
das vergleichsweise niedrige Preisniveau."
(Schluss)

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