Schultes: Intelligenz ersetzt Chemie - LK-Warndienst NEU bereits gestartet

Risiko steigt: Klimawandel bringt neue Schädlinge und Pflanzenkrankheiten

Wien (OTS) - Im Vorjahr angekündigt, heuer bereits Wirklichkeit: Der neue Pflanzenschutz-Warndienst der Landwirtschaftskammern (warndienst.lko.at) wurde im Frühjahr gestartet. Österreichs Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbauern können - ganz nach dem Motto "Intelligenz ersetzt Chemie" - dieses Instrument dazu nutzen, den Pflanzenschutzmittel-Einsatz effizienter durchzuführen und so den Nutzen zu optimieren. Dabei helfen Prognosen und Befallserhebungen von Schädlingen und Krankheiten mit, dass Bäuerinnen und Bauern ihr oberstes Ziel, nämlich die rückstandfreie Qualität, erreichen.

"Die Information selbst ist firmenunabhängig", informierte heute LK Österreich-Präsident Hermann Schultes im Rahmen der Erntepressefahrt 2015. "Wie wichtig dieses Werkzeug sowohl für die traditionell nachhaltig wirtschaftenden Bauern als auch für die Biobauern ist, zeigt die Tatsache, dass der Klimawandel vermehrt neue Schädlinge und Pflanzenkrankheiten mit sich bringt. Hier ist es mit der simplen Forderung 'Alles verbieten!' nicht mehr getan, da braucht es intelligenten Schutz für die Pflanzen. Wir müssen daher die Forschung massiv vorantreiben und gleichzeitig ausgefeilte Prognose-Modelle anbieten. Mit dem Warndienst haben wir in der Risikoabschätzung einen wichtigen Schritt gesetzt", betonte Schultes.

Was wird mit dem Warndienst erreicht?

"Die Information im Warndienst ist punktgenau auf die jeweilige Zielgruppe der Landwirte zugeschnitten. Verbessertes Wissen bringt effizienteren Pflanzenschutz mit weniger Streuverlusten mit sich. Diese maßgeschneiderte Vorgangsweise hilft auch mit, die Menge zu reduzieren, Umwelt und Wasser bleiben von unerwünschten Wirkstoffen oder Metaboliten verschont. Das fördert die biologische Vielfalt und stützt die hohe heimische Wasserqualität. Darüber hinaus schont intelligenter Pflanzenschutz Ressourcen, wie Energie oder Boden", so Schultes.

Effizientester Weg zu optimierter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

"Der neue Pflanzenschutz-Warndienst ist der mit Abstand effizienteste und preiswerteste Weg hin zu einer optimierten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der Warndienst hilft aktiv mit, Risiken und eventuelle negative Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Mensch und Umwelt zu vermeiden. Am Ende dieser Kette stehen für Bauern und Konsumenten gleichermaßen qualitätsvolle, leistbare und rückstandsfreie Lebens- und Futtermittel", hob der LK-Präsident hervor.

warndienst.lko.at ist eine einheitliche gemeinsame Homepage für alle Warndienste Österreichs mit einem Gesamtüberblick über Pflanzenschutzthemen für die jeweilige Zielgruppe (Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau). Auf dieser Seite werden die Warndienste kompakt dargestellt und mit weiteren wichtigen Informationen (z.B. Schadorganismen, Sortenlisten, Pflanzenschutzmittel, Pflanzenschutzgeräte) verknüpft. Für die Betriebe werden so praxisrelevante Inhalte besser verfügbar.

Gegen Angst-Kampagnen

"Jeder ordentliche Bauer, der seine Pflanzen vor Schädlingen oder Krankheiten schützt, kann das mit gutem Gewissen tun. Er wendet ausschließlich Mittel an, die nach strenger wissenschaftlicher Prüfung von der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) sowohl für den Biolandbau als auch für die traditionell nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaft nach den selben Vorschriften freigegeben worden sind. Vorschriftsmäßig ausgebracht - darauf wird in strengen Kontrollen geachtet - gibt es keine Gefahr für Konsumenten und Umwelt. Derzeit behaupten Organisationen, deren Zweck das Sammeln von Spenden ist, gerade das Gegenteil und wollen Bauern wie auch Konsumenten ein schlechtes Gewissen einreden. So soll durch bewusstes Verschweigen, Weglassen und Um-Interpretieren von Fakten jene Angst bei den Menschen erzeugt werden, die sie zum Spenden veranlassen soll. Die österreichische Landwirtschaft lebt jedoch nicht vom Spendensammeln, sondern davon, beste Produkte auf in- und ausländischen Märkten zu verkaufen. Dafür brauchen wir einzigartige, sichere und gesunde Qualitäten, für welche die Konsumenten bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Von Schädlingen und Krankheiten beschädigte Produkte würden unsere Kunden liegen lassen", so Schultes.

Auer: Risikovorsorge noch weiter ausbauen

"Die Abrechnung des letzten Jahres hat eines wieder einmal klar gezeigt: Die Qualität, welche unsere Bäuerinnen und Bauern auf ihren Feldern wachsen lassen, ist gefragt und sichert ihre Position am Markt. Die Spanne zwischen Qualitätsgetreide und internationaler Massenware macht deutlich, dass wir mit unserer Qualitätsproduktion auf dem richtigen Weg sind", zog LK NÖ-Vizepräsident Otto Auer Bilanz.

Zwar kann die niederösterreichische Landwirtschaft heuer bisher ein ausgeglichenes Jahr mit einem milden Winter verzeichnen, dennoch weiß Auer ganz genau, "dass die Ernte uns erst dann gehört, wenn sie in der Scheune ist". Das hätten die letzten Unwetter in Erinnerung gerufen, betonte er. "Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Risiko-Vorsorgemaßnahmen wie Versicherungen auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Nur so können wir sicherstellen, dass Bäuerinnen und Bauern bestmöglich vor extremen Unwettern abgesichert sind", unterstrich Auer. Hier sollen die Angebote künftig für Landwirte noch attraktiver gestaltet werden. Zuschüsse sollen Anreize zur Eigenvorsorge bieten. "Die Experten gehen zwar derzeit noch von zufriedenstellenden Erträgen im Erntejahr 2015 aus, doch die Kornausbildung kann noch vieles relativieren", gab der Vizepräsident zu bedenken.

Hautzinger: Mit unterdurchschnittlicher Ernte zu rechnen

Nach einem verhältnismäßig trockenem Frühjahr (März -43% und April -41% Niederschlag zum langjährigen Durchschnitt) ist im Mai der dringend notwendige Regen gefallen. "Für die frühreifen Winterkulturen, wie Wintergerste und Winterraps, dürfte der Niederschlag im Mai noch rechtzeitig gekommen sein; hier rechnen wir mit guten Durchschnittserträgen. Bei Winterweizen, Sommergerste und Hartweizen hängt vieles noch von den kommenden Wochen ab, wobei die Hitze in der zweiten Juniwoche allen Kulturen stark zugesetzt hat. Aus heutiger Sicht kann man davon ausgehen, dass im Burgenland insgesamt eine leicht unterdurchschnittliche Getreide- und Rapsernte zu erwarten ist", berichtete LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger.

Produzierende Landwirtschaft weist hohe ökologische Standards auf

"Unsere Bauern wollen hochwertige Rohstoffe produzieren und sind sich dessen bewusst, dass sie eine große ökologische Verantwortung tragen. Leider mussten wir in den vergangenen Jahren feststellen, dass der Druck durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten, nicht zuletzt aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, stark zunimmt. Hier sind Landwirte und Forschung gleichermaßen gefordert, umweltverträgliche Strategien und Lösungen zu entwickeln. Die heimischen Bauern besuchen regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen der Landwirtschaftskammer, um sich hinsichtlich eines ökologisch verträglichen Pflanzenschutzes den neuesten Wissensstand anzueignen", hielt Hautzinger fest.

Windisch: Wasserknappheit schlägt sich auf Ernteerträge nieder

"Für die Wiener Ackerbauern ist 2015 bisher ein niederschlagsarmes Jahr. Der Boden hat keine Wasserpuffer mehr und die Getreidekulturen leben sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Das Niederschlagsdefizit des heurigen Jahres beträgt zurzeit 40 Liter pro m2. Im Optimalfall können wir noch maximal eine durchschnittliche Ernte erzielen - aber nur wenn wir die Ernte sicher nach Hause bekommen", informierte der Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, Franz Windisch.

Damit werden die Wiener Getreidebauern eine um zirka 20% geringere Ernte zum Vorjahr und eine um etwa 50% geringere Menge im Vergleich mit den europäischen Gunstlagen einfahren. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, wie sich der Ernteertrag bei den später abreifenden Getreidearten, wie dem Sommerhartweizen entwickelt. "Durch die knappen Wassermengen werden heuer die Unterschiede der einzelnen Bodenqualitäten besonders sichtbar", so der LK-Präsident. Zumindest bezüglich der Qualität (Proteinwerte) der Getreideernte zeigte er sich optimistisch. Eine eventuelle Hitzewelle könnte aber noch zu Notreife und Schmachtkornbildung führen, schränkte er ein.

Gauhs: Starke europäische Konkurrenz für heimische Weizenernte

"Aufgrund der sehr unterschiedlichen Regenfälle in den einzelnen Gebieten Österreichs erwarten wir für die heurige Getreideernte große Unterschiede. Aktuell rechnen wir damit, dass die gesamte Erntemenge leicht unter dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre liegen wird. Konkrete bundesweite Prognosen sind aus heutiger Sicht jedoch schwer zu treffen", bestätigt Ernst Gauhs, RWA-Bereichsleiter für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

"Die österreichischen Bauern haben in den letzten Jahren mit der Erzeugung von hochqualitativem Weizen eine interessante Nische besetzt und werden dies auch heuer wieder tun. Dazu braucht es profunde Erfahrung, Know-how und vor allem ein punktgenaues Reagieren auf Krankheiten. Dafür ist der Warndienst der Landwirtschaftskammer ein wichtiges Instrument, das die Lagerhäuser aktiv unterstützen", ergänzte Gauhs.

"Betrachten wir die Vermarktung des österreichischen Weizens, so ist die Qualitätsstrategie der heimischen Bauern zuletzt aufgegangen. Prinzipiell bestimmen die Weltmarktpreise auch die heimischen Getreidepreise. Bei der letzten Ernte konnten unsere Landwirte jedoch Qualitäten erreichen, die besser waren als jene im restlichen Europa. In der Folge erzielten diese im Qualitätssegment auch Preise, die über den globalen Preisen lagen", so Gauhs. Heuer ergebe sich aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen ein anderes Bild: "Unsere Nachbarn in Europa zeigen derzeit gute Weizenbestände. In Deutschland, Frankreich und Ungarn gibt es aber bereits Berichte über Schäden infolge von Trockenheit. Das bedeutet, dass der Erfolg der heimischen Weizenernte davon abhängen wird, ob sich dieser vom starken Umfeld abheben kann. Weltweit liegt die prognostizierte Getreideerzeugung bei 2 Mrd. t und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Diese wird den globalen Bedarf knapp decken können. Grund für die etwas verhaltene Erzeugung seitens der Landwirte ist das vergleichsweise niedrige Preisniveau."
(Schluss)

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