- 22.06.2015, 12:05:50
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„kreuz und quer“ am 23. Juni über die „Zukunft des Alterns“
Danach Diskussion zum Thema „Das Alter als letzte Gelegenheit“
Utl.: Danach Diskussion zum Thema „Das Alter als letzte Gelegenheit“ =
Wien (OTS) - Bezogen auf die Gesamtbevölkerung erreichen heute sehr
viele Menschen ein hohes Lebensalter - ein relativ junges Phänomen;
deshalb fehlen Konzepte für einen gesellschaftlich integrativen
Umgang mit der inzwischen langen letzten Lebensphase. Wie werden wir
in Zukunft im Alter wohnen, arbeiten, leben und lernen? Was
geschieht, wenn Pflege notwendig ist und das selbstbestimmte Leben zu
Ende geht? Welche Modelle gibt es, die schon jetzt mit den
ablehnenden Vorstellungen des Altseins aufräumen und Alternativen für
die Zukunft darstellen? "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph
Riedl-Daser - zeigt dazu am Dienstag, dem 23. Juni 2015, um 22.35 Uhr
in ORF 2 die HD-Dokumentation "Zukunft des Alterns" von Thomas Grusch
und Elisabeth Krimbacher.
In der anschließenden "kreuz und quer"-Diskussion zum Thema "Das
Alter als letzte Gelegenheit" diskutieren um 23.10 Uhr Schauspielerin
Lotte Tobisch, Erziehungswissenschafterin Marianne Gronemeyer,
Philosoph Franz Josef Wetz und Gesundheits- und
Pflegewissenschafterin Sabine Pleschberger. Die Diskussion leitet
Günter Kaindlstorfer.
"Zukunft des Alterns" - Ein Film von Thomas Grusch und Elisabeth
Krimbacher
"Wenn ich mit meinen Studenten über das Alter rede, könnte ich
genauso gut über den Mars reden", so der Gerontologe Franz Kolland.
"Unser aktuelles Bild vom Alter hat immer nur mit Abhängigkeit und
Krankheit zu tun." Diese negativen Vorstellungen seien im Kollektiv
vorhanden und kämen in Form von Alzheimer-Witzen oder herablassendem
Mitleid auch oft als Diskriminierung daher, so Kolland.
"Das Alter spielt nicht mehr so eine Rolle hier", sagt die 75-jährige
Christine Kitzweger, die seit einigen Jahren im
generationenübergreifenden Wohnprojekt "Pomali" in
Wölbling/Niederösterreich wohnt. Hier leben 78 Menschen aller
Altersstufen zusammen. Christine Kitzweger ist Leihoma für den
siebenjährigen Joshua und entlastet so seine Eltern. Dass so auch für
ältere Menschen ohne eigene Familie ein familienähnlicher Verband
hergestellt werden kann bzw. die "Freundschaft" im Alter ein
zunehmend wichtiges Konzept sein wird, bemerkt Franz Kolland.
"Gehörtwerden, das tut gut, da blüht man auf", so Lilian Pardun, 72,
ebenfalls Pomali-Bewohnerin.
Für die meisten Menschen endet das Gehörtwerden und Gebrauchtwerden
allerdings abrupt bei Pensionseintritt - mit dem Resultat, dass
Depressionen und psychosomatische Erkrankungen, aber auch die Fälle
von Suizid in dieser Lebensphase ansteigen. Die heute 65-Jährigen
sind eine durchwegs noch sehr fitte und leistungsfähige
Personengruppe, die keinesfalls zum "alten Eisen" gehören möchte.
Franz Kolland plädiert nicht nur deshalb für eine altersintegrierte
Gesellschaft, in der Ausbildung, Arbeit und Ruhestand/Freizeit schon
zeitlebens wohldosiert parallel laufen und nicht abgehackt
hintereinander wie dies heute meist üblich ist. Unterforderung und
Langeweile sind oftmals die Hauptprobleme von Pensionierten, stellt
Franz Kolland fest, und nennt lebenslange Bildung, aber auch die
Selbstüberwindung, immer wieder etwas Neues auszuprobieren und sich
etwas zuzutrauen, als fundamental für Lebensqualität im Alter. Dazu
gehört auch Bewegung: "10.000 Schritte am Tag senken das Demenzrisiko
um 30 Prozent", so der Uniprofessor, der selbst seit Jahren keinen
Lift mehr benutzt.
Für den Philosophen Peter Heintel ist die Zeit des Alters - wenn
Gesundheit und Geld stimmen -eigentlich auch die Zeit der größten
Freiheit im Leben. Einziger Haken: Man weiß nicht, wie lang es noch
dauert. Im Angesicht des Todes allerdings in einen panischen
Aktionismus zu verfallen, hält er für falsch, denn ein erfülltes
Leben sei nicht gleichzusetzen mit einem mit Aktivität vollgestopften
Leben. Man müsse vorher schon "gelebt" haben, am Ende lasse sich
nichts mehr aufholen.
Wovor die meisten Menschen auch schon in jungen Jahren große Angst
haben, ist Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit. Der Pflegebauernhof
Ratheiser in Hinterberg/Kärnten zeigt, wie positiv und
gesundheitsfördernd ein familienintegriertes Leben in der Natur und
mit Tieren sein kann, auch wenn man selbst auf Hilfe angewiesen ist.
Auch die vielgefürchtete "Endstation Pflegeheim" ist, wie man am
stark patientenorientierten Haus St. Bernadette in der Nähe von
Breitenfurt sieht, bei näherer Betrachtung um einiges angenehmer und
professioneller, als zu Hause von überforderten Verwandten gepflegt
zu werden. Der allgemein große Wunsch vom "Sterben zu Hause" hat laut
Peter Heintel auch mit dem Wunsch zu tun, gerade in dieser
Lebensphase solle sich nichts mehr verändern. Das erweise sich in
jedem Fall als Illusion, denn Leiden und Tod veränderten alles, auch
das traute Heim.
"kreuz und quer"-Diskussion zum Thema "Das Alter als letzte
Gelegenheit"
Als eigene Lebensphase wurde das Alter - kulturgeschichtlich
betrachtet - erst vor kurzem "entdeckt": Die Lebenserwartung ist
gestiegen, die Gesundheitsversorgung hat hohes Niveau. Dadurch sind
agile Senioren auch zum Wirtschaftsfaktor geworden. Ist das Alter die
"letzte Gelegenheit", möglichst viel Aktivität in diese verbleibende
Zeitspanne zu packen? Ist eine Antriebsfeder der umsatzfördernden
Hektik auch der Transzendenzverlust in der westlichen Welt, weil die
Hoffnung über den Tod hinaus schwindet? Wie kann das drängendere
Bewusstwerden von Grenzen, Krankheit und Vergänglichkeit zu
Lebensweisheit reifen? Und welche Bedeutung hat dabei das Einüben
einer recht verstandenen "Kunst des Sterbens"?
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
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abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.
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