• 17.06.2015, 17:00:01
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Weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht

UNHCR-Bericht warnt vor gefährlichen neuen Entwicklungen

Utl.: UNHCR-Bericht warnt vor gefährlichen neuen Entwicklungen =

Genf/Wien (OTS) - Knapp 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der
Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung. Dies ist die höchste
Zahl, die jemals von UNHCR verzeichnet wurde, und sie wächst rasant,
wie der heute veröffentlichte statistische UNHCR-Jahresbericht Global
Trends belegt.

Ende 2014 waren 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Im Vergleich
dazu wa-ren es ein Jahr zuvor 51,2 Millionen Menschen, vor zehn
Jahren 37,5 Millionen Menschen. Die Steigerung von 2013 auf 2014 war
die höchste, die jemals im Lau-fe eines Jahres von UNHCR dokumentiert
wurde.
Diese Entwicklung begann 2011 mit dem Ausbruch des Krieges in Syrien,
der mittlerweile weltweit die größten Fluchtbewegungen verursacht
hat. Im Jahr 2014 wurden täglich durchschnittlich 42.500 Menschen zu
Flüchtlingen, Asylsuchenden oder Binnenvertriebenen. Das entspricht
einer Vervierfachung über die letzten vier Jahre. Statistisch
betrachtet ist von 122 Menschen weltweit aktuell eine Person entweder
ein Flüchtling, binnenvertrieben oder asylsuchend. Wären alle
Menschen auf der Flucht Bürgerinnen und Bürger eines einzigen Landes,
wäre es die 24.-größte Nation der Welt.

"Wir werden aktuell Zeugen eines Paradigmenwechsels. Wir geraten in
eine Epo-che, in der das Ausmaß der globalen Flucht und Vertreibung
sowie die zu deren Bewältigung notwendigen Reaktionen alles davor
Gewesene in den Schatten stel-len", so UN-Flüchtlingskommissar
António Guterres. "Es ist erschreckend zu beobachten, dass jene
straflos bleiben, die Konflikte auslösen. Gleichzeitig scheint die
internationale Gemeinschaft unfähig zur Zusammenarbeit, um Kriege zu
be-enden sowie Frieden zu schaffen und sichern."

Weiterhin zeigt der UNHCR-Bericht auf, dass in allen Regionen sowohl
die Zahl der Flüchtlinge als auch der Binnenvertriebenen steigen. In
den letzten fünf Jahren sind mindestens 15 neue Konflikte
ausgebrochen oder wieder aufgeflammt: Acht davon in Afrika (Côte
d‘Ivoire, Zentralafrikanische Republik, Libyen, Mali,
Nordost-Nigeria, Südsudan und Burundi); drei im Nahen Osten (Syrien,
Irak und Jemen); einer in Europa (Ukraine) und drei in Asien
(Kirgisistan und in einigen Gebieten von Myanmar und Pakistan). Nur
wenige Krisen konnten beigelegt werden, die Mehrzahl verursacht
weiterhin Flucht und Vertreibung. So konnten vergangenes Jahr nur
126.800 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren - die niedrigste
Anzahl seit 31 Jahren.

Jahrzehntelange Instabilität und Konflikte in Afghanistan, Somalia
und anderswo bedeuten, dass Millionen von Menschen weiterhin nicht
zurückkehren können und immer häufiger als Flüchtlinge und
Binnenvertriebene mit ungewisser Zukunft an den Rändern der
Gesellschaft leben müssen.
Aktuelle, weithin sichtbare Auswirkung der weltweiten Konflikte und
dem damit einhergehenden unfassbaren Leid ist die dramatisch
ansteigende und besonders gefährliche Flucht über das Meer, sei es
über das Mittelmeer, über den Golf von Aden und das Rote Meer oder in
südostasiatischen Gewässern.
Laut dem Global Trends Report wurden allein im Jahr 2014 insgesamt
13,9 Mil-lionen Menschen zu Flüchtlingen oder Binnenvertriebenen -
viermal so viele wie noch 2010.

Weltweit gab es im letzten Jahr insgesamt 19,5 Millionen Flüchtlinge
(2013: 16,7 Millionen), 38,2 Millionen Binnenvertriebene (2013: 33,3
Millionen) und 1,8 Millionen Asylsuchende, die noch auf den Ausgang
ihres Asylverfahrens warteten (2013: 1,2 Millionen). Besonders
alarmierend: Die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder.

"Riesige Defizite bei der Finanzierung und große Lücken im globalen
System zum Schutz von zivilen Kriegsopfern führen dazu, dass Menschen
im Stich gelassen werden, die Mitgefühl, Unterstützung und sichere
Zuflucht benötigen", so Guterres. "In einer Zeit der beispiellosen
Massenflucht und -vertreibung brauchen wir eine ebenso beispiellose
humanitäre Unterstützung und ein erneuertes globales Bekenntnis zu
Toleranz und Schutz für Menschen auf der Flucht vor Krieg und
Verfolgung."

Der Krieg in Syrien hat weltweit die meisten Menschen zur Flucht
gezwungen, sowohl innerhalb (7,6 Millionen Binnenvertriebene) als
auch außerhalb des eige-nen Landes (3,88 Millionen Flüchtlinge). Es
folgen Afghanistan (2,59 Millionen Flüchtlinge) und Somalia (1,1
Millionen Flüchtlinge).
Selbst in Zeiten stark ansteigender Zahlen sind Flüchtlinge global
sehr ungleich verteilt. Reichere Länder nehmen weit weniger
Flüchtlinge auf als weniger reiche. Knapp neun von zehn Flüchtlingen
(86 Prozent) befanden sich 2014 in Ländern, die als wirtschaftlich
weniger entwickelt gelten. Ein Viertel aller Flüchtlinge war in
Staaten, die auf der UN-Liste der am wenigsten entwickelten Länder zu
finden sind.

Europa (plus 51 Prozent)

Der Konflikt in der Ukraine, 219.000 Mittelmeerüberquerungen sowie
die sehr große Zahl von 1,59 Millionen syrischen Flüchtlingen in der
Türkei (Ende 2014) - die somit auch zum größten
Flüchtlingsaufnahmeland weltweit wurde - lenkte sowohl im positiven
als auch negativen Sinn verstärkt die Aufmerksamkeit auf
Flüchtlingsfragen. In der EU wurden die meisten Asylanträge in
Deutschland und Schweden gestellt. Insgesamt wurden in Europa mit
Ende des Jahres 6,7 Millionen Menschen gezählt, die zwangsweise ihre
eigentliche Heimat bzw. Heimatregion verlassen mussten: Ein Viertel
davon waren syrische Flüchtlinge in der Türkei. Zum Vergleich: 2013
waren es in Europa insgesamt 4,4 Millionen.

Naher Osten und Nordafrika (plus 19 Prozent)

Allein das massive Leid des Kriegs in Syrien mit 7,6 Millionen
Binnenvertriebenen und 3,88 Millionen Flüchtlingen in der
benachbarten Region machten den Nahen Osten zur größten
Herkunftsregion. Neben den alarmierenden Zahlen zu Syrien wurde auch
der Irak erneut zum Brennpunkt: 2,6 Millionen Menschen mussten im
letzten Jahr aus ihren Heimatorten fliehen. Insgesamt waren damit im
Irak 3,6 Mil-lionen Menschen innerhalb des Landes Binnenvertriebene.
Auch innerhalb Libyens mussten 309.000 Menschen fliehen.

Sub-Sahara Afrika (plus 17 Prozent, exkl. Nigeria)

Die zahlreichen Konflikte in Afrika - wie zum Beispiel in der
Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, in Somalia, Nigeria, der
Demokratischen Republik Kongo und anderswo werden häufig übersehen.
Gleichwohl haben sie insgesamt eine immense Zahl an Fluchtbewegungen
ausgelöst, die kaum niedriger ist als im Nahen Osten. Insgesamt gab
es in den Sub-Sahara-Ländern 3,7 Millionen Flüchtlinge und 11,4
Millionen Binnenvertriebene, von ihnen sind 4,5 Millionen Menschen
2014 zur Flucht gezwungen worden. Die aktuellen Zahlen weisen keine
Daten für Nigeria auf, weil dort 2014 die statistischen
Erhebungsmethoden für Binnenvertriebene geändert wurden. Äthiopien
hat Kenia an der Spitze der Aufnahmeländer in Afrika abgelöst und
befindet sich nun global auf Rang fünf.
Asien (plus 31 Prozent)

Die Zahl der Binnenvertriebenen und Flüchtlinge ist im letzten Jahr
in Asien um 31 Prozent gestiegen. Afghanistan, das weltweit die Liste
der Hauptherkunftsländer von Flüchtlingen anführte, hat diesen
traurigen Spitzenplatz an Syrien abgegeben. Fortdauernde
Fluchtbewegungen wurden in und aus Myanmar registriert, darunter
Rohingya aus dem westlichen Rakhine-Staat und aus den Kachin- und
nördlichen Shan-Regionen. Iran und Pakistan blieben unter den
führenden vier Aufnahmeländern von Flüchtlingen.

Amerika (plus 12 Prozent)

Der amerikanische Kontinent hat gleichfalls einen Anstieg an Flucht
und Vertreibung verzeichnet. Zwar ist die Zahl der kolumbianischen
Flüchtlinge um 36.300 auf 360.300 gefallen. Dies ist aber
hauptsächlich auf eine Zahlenberichtigung der venezolanischen
Behörden zurückzuführen. Kolumbien gehört weiterhin mit sechs
Millionen Binnenvertriebenen (137.000 kamen im letzten Jahr hinzu) zu
jenen Ländern, in denen weltweit die meisten Menschen innerhalb ihres
Heimatlandes auf der Flucht sind. In Zentralamerika sind Menschen
verstärkt vor Bandengewalt und anderen Formen der Verfolgung
geflohen. Dies hat zu einem Anstieg der Schutzsuchenden in den USA
geführt: 36.800 Asylanträge bedeuten ein Plus von 44 Prozent
gegenüber dem Vorjahr.

Den ganzen Bericht sowie Pressebegleitmaterial finden Sie unter:
http://unhcr.org/2014trends/

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