- 16.06.2015, 08:41:46
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GLOBAL 2000 Untersuchung: Pestizidcocktails in österreichischen Ackerpfützen gefährden Bienen
Jeder vierte Pfützencocktail enthält bienengefährliche Kombinationen aus Thiacloprid und Azolfungiziden. Risiken müssen bei Pestizidzulassung berücksichtigt werden.
Utl.: Jeder vierte Pfützencocktail enthält bienengefährliche
Kombinationen aus Thiacloprid und Azolfungiziden. Risiken
müssen bei Pestizidzulassung berücksichtigt werden. =
Österreich (OTS) - am 16.6.2015: Die österreichische
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 nahm im Zeitraum zwischen 14.
und 30. Mai in Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland,
Steiermark und Kärnten insgesamt 32 Proben aus Wasserpfützen, die
sich infolge starker lokaler Regenfälle auf landwirtschaftlichen
Flächen gebildet hatten. Die Proben, die von Mais-, Raps-, Soja-,
Getreide-, Obst- Feldgemüse- und Weinbau-Flächen sowie von einem an
eine Ackerfläche angrenzenden privaten Hausgarten stammten, wurden an
der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) Klosterneuburg auf Pestizide
untersucht.
In Summe ließen sich in den 32 untersuchten Pfützen 58 verschiedene
Pestizide nachweisen, darunter zahlreiche Unkrautvernichtungsmittel
(Herbizide), Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide) und
Insektenvernichtungsmittel (Insektizide). "Wir fanden diese Pestizide
teilweise in hohen Konzentrationen, die auf eine kürzliche Anwendung
hindeuten, aber auch im Spurenbereich, was entweder aus länger
zurückliegenden Pestizidbehandlungen oder aus Altlasten im Boden
herrührt. So fanden wir in fast allen untersuchten Pfützen
Abbauprodukte von Atrazin, eines Pestizids, das aufgrund seiner
chemischen Langlebigkeit schon 1995 verboten wurde", so Helmut
Burtscher, Umweltchemiker der österreichischen
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.
Jede vierte Pfütze enthält fatalen Cocktail aus Thiacloprid
und Azolfungiziden
Im Durchschnitt wurden zehn Pestizide in einer Pfütze gefunden. Jeder
vierte Pfützencocktail enthielt dabei eine für Bienen fatale
Kombination aus dem bislang nicht verbotenen Neonicotinoid
Thiacloprid und einem Pilzbekämpfungsmittel aus der Gruppe der
Azolfungizide. Das Neonicotinoid Thiacloprid gilt bekanntlich als
bienenverträglich, da Bienen im Gegensatz zu den meisten anderen
Insekten über einen Mechanismus verfügen, um dieses Neonicotinoid zu
entgiften. "Pilzbekämpfungsmittel aus der Gruppe der Azolfungizide
sind aber in der Lage, genau diese Entgiftungsmechanismen zu
blockieren und erhöhen so die Bienengiftigkeit von Thiacloprid um das
100- bis 1000-fache, wie Laborversuche gezeigt haben. Dass wir in 8
von 32 Pfützen beide Insektizide in Kombination angetroffen haben,
ist beunruhigend", so Burtscher.
EFSA: Ackerpfützen als Hauptpfade der Pestizidexposition für
Bienen
Honigbienen sammeln Wasser - bei entsprechender Witterung bis zu
einem halben Liter pro Biene und Tag für einen Bienenstock. Pestizide
sind je nach Dosis für Bienen sofort tödlich oder schwächen die
Immunabwehr, das Orientierungsvermögen oder die
Kommunikationsfähigkeit. Deshalb hat die mit der europäischen
Pestizidzulassung befasste Behörde EFSA zeitgleich mit den
europaweiten Neonic-Verboten auch Leitlinien vorgegeben, wie
zukünftig im Rahmen der gesetzlichen Pestizidzulassung das Risiko
einer chronischen oder wiederholten Exposition für Bienen besser
berücksichtigt werden soll. Pfützen auf landwirtschaftlichen Flächen
werden dort erstmals als Hauptpfade der Pestizidexposition für Bienen
genannt und sollen daher in die Bewertung der Risiken miteinfließen.
Eine weitere in diesem EFSA-Vorschlag enthaltene substantielle
Verbesserung des Bienenschutzes ist, dass zukünftig bei der Zulassung
von Pestiziden auch das Risiko für Hummeln und Wildbienen
Berücksichtigung finden soll.
GLOBAL 2000 fordert, dass diese schon vor zwei Jahren präsentierten
Verbesserungsvorschläge des Zulassungsverfahrens für Pestizide
endlich in die Tat umgesetzt werden und unterstreicht diese Forderung
mit einer Petition an die EU-Kommission. "Weitere Verzögerungen oder
gar Verwässerungen gegenüber dem EFSA-Vorschlag können wir uns in
Anbetracht des Rückgangs an Wildbienen und der regelmäßig
wiederkehrenden Völkerverluste bei Honigbienen nicht leisten. Wir
müssen endlich zu handeln beginnen", so Burtscher abschließend.
Weitere Informationen:
Die Ergebnisse des GLOBAL 2000-Pfützentests finden Sie unter:
www.global2000.at
Die EFSA-Leitlinien für die Pestizidzulassung finden Sie unter:
http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/130704.htm
Die Petition von GLOBAL 2000 wird im Laufe des Tages online gehen:
www.global2000.at/rettenwirdiebienen
VIDEO: Download- und Einbindungsdetails:
http://www.ots-video.at/v/pestizidcocktails-in-sterreichischen-ackerpftzen-gefhrden-bienen/
Video(s) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalvideo-Service
sowie im OTS-Videoarchiv unter http://video.ots.at
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