- 12.06.2015, 19:30:01
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Wiener Zeitung – Leitartikel von Reinhard Göweil: „Griechenland gewinnt“
Ausgabe vom 13. Juni 2015
Utl.: Ausgabe vom 13. Juni 2015 =
Wien (OTS) - Die Verhandlungen scheinen gescheitert, der
Internationale Währungsfonds hat die Gespräche mit Griechenland wegen
Sinnlosigkeit reduziert. Die Eurogruppe weiß auch nicht mehr weiter.
Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras spielt ein hartes Spiel
rund um die Rettung oder die Pleite Griechenlands.
Man kann Tspiras und seinen Finanzminister Gianis Varoufakis mögen
oder nicht, aber ihre harte Haltung verdenken kann man ihnen nicht.
Erstens sind die Auflagen zur Rettung Griechenlands vergleichbar mit
jenen Auflagen, die der Währungsfonds insolventen Staaten
vorzuschreiben pflegt. Warum also Vereinbarungen zustimmen, bei denen
die Schulden aufrecht bleiben?
Die europäischen Partner haben der neuen griechischen Regierung von
Beginn an keine Luft zum Atmen gelassen. Es sind nun Politiker am
Werk, die zur Misere Griechenlands nichts beigetragen haben.
Am schwersten wiegt: Ein "Grexit" würde Griechenlands wirtschaftliche
Probleme nicht lösen. Die Abwertung einer dann wieder nationalen
Währung bringt eine zeitliche Entspannung, aber keinerlei
Veränderung.
Nun, diese Zeit können die EU und der IWF dem Land auch geben, indem
die Zahlungsziele noch weiter nach hinten gestreckt werden.
Welche Auswirkungen dagegen ein "Grexit", also ein Austritt
Griechenlands aus der Währungsunion (nicht aus der EU), auf die
Eurozone hätte, traut sich niemand einzuschätzen. Die USA jedenfalls
warnen massiv davor, ebenso das EU-Parlament. Wenn einer beginnt,
könnten andere folgen, so die Argumentation.
Und ehrlich, die Weigerung Griechenlands, die Sparpolitik weiter zu
tragen und gegebenenfalls die Schulden einfach nicht mehr zu
bedienen, sollte gerade uns in Österreich nicht aufregen. Bei der
Hypo/Heta wurden ja auch Kärntner Landeshaftungen für null und
nichtig erklärt. Das ist auch nicht gerade ein Zeichen von
Verlässlichkeit den Gläubigern gegenüber.
Tsipras kann also ruhig den harten Hund spielen, denn das Risiko
liegt auch nach einem Grexit bei den anderen EU-Ländern.
Es wäre also klüger, Griechenland mit einem Aufbauprogramm unter die
Arme zu greifen und in die Wirtschaft dort so zu investieren, dass
die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Sonst tun es China, Russland oder
die USA. Was aber bleibt dann von der Europäischen Union?
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