- 09.06.2015, 13:03:01
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„Aktuelle Wettbewerbsrankings zeigen: Österreich hat dringenden Aufholbedarf bei seiner Innovationsdynamik“
Forschungsrat (RFTE) legte seinen jährlichen „Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs“ vor und mahnt dringend Reformen ein
Utl.: Forschungsrat (RFTE) legte seinen jährlichen „Bericht zur
wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit
Österreichs“ vor und mahnt dringend Reformen ein =
Wien (OTS) - Die Aufholdynamik in Sachen Leistungsfähigkeit des
österreichischen Innovationssystems ist derzeit unzureichend. Das ist
das Ergebnis des Innovationsmonitorings des Rates für Forschung und
Technologieentwicklung, das der Rat in seinem aktuellen Bericht zur
wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs
heute veröffentlicht hat. Zwar gibt es in einigen Bereichen des
Innovationssystems Aufwärtstrends zu verzeichnen, diese bleiben aber
deutlich hinter den Entwicklungen der führenden Innovationsnationen
zurück, weshalb der Abstand zur Gruppe der Innovation Leader nicht
kleiner, sondern größer wird.
"Seit 2007 fällt Österreich in der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich zurück, wie jüngst die Daten des
Innovation Union Scoreboard (IUS) 2015 der EU-Kommission und das
World Competitiveness Scoreboard 2014 des renommierten Schweizer
Instituts IMD deutlich gezeigt haben", so der Vorsitzende des Rates
für Forschung und Technologieentwicklung, Hannes Androsch. "Eine
Fortschreibung der bisherigen Politik ist daher keine wünschenswerte
Option. Besonders hoch ist der Aufholbedarf bei der
Innovationsperformance, denn der Leistungsrückstand gegenüber den
führenden Innovationsnationen wird immer größer. Folglich kann das in
der Forschungsstrategie ausgerufene Ziel, bis 2020 in die Gruppe der
Innovation Leader vorzustoßen, aus heutiger Sicht nur noch mit sehr
großen Anstrengungen erreicht werden."
Peter Skalicky, stellvertretender Ratsvorsitzender, ergänzt:
"Unterbleibt die Fokussierung auf die Schlüsselthemen Bildung,
Forschung, Technologie und Innovation, so wird nach unserer
Einschätzung das Ziel, Österreich bis 2020 als eine der führenden
Innovationsnationen zu etablieren, klar verfehlt."
Die Ergebnisse des Innovationsmonitorings im Detail
Bildungssystem (ohne Tertiärbereich): Ziele trotz positiver
Entwicklungstrends nicht erreichbar
Die Entwicklungen im primären und sekundären Bildungssystem verliefen
im Zeitraum 2010 bis 2015 konstant positiv, in Relation zu den
führenden Ländern allerdings weniger dynamisch. Das bedeutet, dass
trotz des Trends in die richtige Richtung die Dynamik aus heutiger
Sicht nicht ausreicht, um zu den Innovation Leaders vorzustoßen.
Die Performance des österreichischen Bildungssystems ist in einigen
Bereichen wie etwa der überdurchschnittlich hohen Betreuungsrelation
im Sekundarbereich oder der niedrigen Anzahl früher
SchulabgängerInnen sehr gut. In anderen Bereichen wie etwa der
Qualität schulischer Leistungen oder der sozialen Selektivität des
Bildungssystems hingegen bleibt die österreichische Performance klar
hinter den Innovation Leaders zurück. Die PISA-Ergebnisse 2012
brachten zwar Fortschritte, aber in vielen Bereichen keine mit den
führenden Nationen vergleichbare Leistung.
Für Länder an der technologischen Grenze mit dem Ziel, zu den
führenden Innovationsnationen aufzuschließen, sind nicht so sehr
quantitative, sondern viel mehr qualitative Aspekte im Bildungssystem
ausschlaggebend. Die Ergebnisse des Mid-Term-Reviews lassen daher
darauf schließen, dass die Erreichbarkeit der Zielsetzung der
FTI-Strategie, die Leistungsfähigkeit im Bildungssystem zu
verbessern, ohne zusätzliche Anstrengungen bis zum Jahr 2020
gefährdet ist.
Tertiäres Bildungssystem: Performance klar unzureichend
Im tertiären Bildungssystem muss die Performance Österreichs als klar
unzureichend eingestuft werden. Mit Ausnahme der weiterhin steigenden
Zahl an HochschulabsolventInnen, die sich seit 2010 kontinuierlich
über den Zielhorizont hinaus bewegt hat, konnte kein Indikator seinen
Zielabstand in den vergangenen fünf Jahren in nennenswertem Ausmaß
verbessern oder gar die jeweilige Zielsetzung erreichen.
Zwar gibt es in einigen Bereichen positive Entwicklungen wie
beispielsweise bei der Anzahl der Frauen in MINT-Studien oder bei der
Immigration Hochqualifizierter. Diese reichen allerdings nicht aus,
um bis 2020 die Ziele zu erreichen. Der Großteil der Indikatoren
weist sogar eine rückläufige Tendenz auf. Davon sind besonders
Bereiche wie die Anzahl der (Doktorats-)Absolventen in MINT-Fächern
oder die Höhe der Hochschulausgaben pro Studierenden betroffen, deren
Entwicklungsdynamik seit 2010 kontinuierlich unter jene der
Innovation Leaders gesunken ist.
Aus heutiger Perspektive werden voraussichtlich lediglich vier der
insgesamt 15 Indikatoren, die für den tertiären Bildungsbereich zur
Verfügung stehen, im Jahr 2020 den Zielwert der führenden
Innovationsnationen bzw. die selbst gesetzten Ziele erreicht haben.
Das ist nach Ansicht des Rates deutlich zu wenig, um in die Gruppe
der Innovation Leaders vorzustoßen.
Universitäten und Grundlagenforschung: Schwächen bei
Rahmenbedingungen gefährden überdurchschnittliche Forschungsleistung
Die Forschungsleistung österreichischer Universitäten und
akademischer Forschungseinrichtungen ist seit 2010 kontinuierlich
gestiegen. Das zeigt sich vor allem an der überdurchschnittlich hohen
Anzahl erfolgreicher Projektanträge beim European Research Council
sowie an verbesserten Platzierungen einzelner Universitäten in
internationalen Rankings.
Diese positive Entwicklung ist durch die Schwächen bei wesentlichen
Rahmen-bedingungen für die Forschungsqualität wie die kompetitive
Finanzierung der Grund-lagenforschung oder die Umstellung auf moderne
Doktoratsstudien gefährdet. In beiden Bereichen liegt Österreich weit
unter dem Niveau der führenden Länder. Das wird sich aufgrund der
mangelnden Entwicklungsdynamik bis 2020 auch nicht ändern, weshalb
eine Zielerreichung aus heutiger Sicht unwahrscheinlich ist. Es ist
daher derzeit fraglich, ob Österreich bei gleichbleibender
Performance die Zielsetzung, im Bereich Universitäten und
Grundlagenforschung in die Gruppe der führenden Länder zu gelangen,
erreichen wird können.
Forschung und Innovation im Unternehmenssektor:
Leistungsvorsprung in zentralen Bereichen droht verloren zu gehen
Bei der Forschung und Innovation im Unternehmenssektor droht der
bisherige Leistungsvorsprung Österreichs in einigen zentralen
Bereichen verloren zu gehen. Zwar ist nach wie vor bei einem Drittel
der Indikatoren das für 2020 gesetzte Ziel derzeit erreicht und bei
etlichen anderen der Zielabstand zu den Innovation Leaders gering.
Dies betrifft z.B. die positive Performance der Unternehmen im Export
oder die relativ intensive Kooperation von Wissenschaft und
Wirtschaft. Viele der Bereiche, in denen Österreich heute vor den
führenden Ländern liegt wie z.B. bei der Standortattraktivität,
weisen jedoch seit 2010 eine kontinuierlich rückläufige Tendenz auf,
was vor allem an der verbesserten Performance der Innovation Leaders
liegt.
Zudem wurden bei der Mehrzahl der Indikatoren die Ziele noch nicht
erreicht und die Entwicklungsdynamik fiel bei einigen Indikatoren zu
gering oder sogar negativ aus, um die Ziele der FTI-Strategie bis
2020 zu erreichen. Das gilt vor allem für die bereits in den letzten
Jahren festgestellten und bekannten Schwächen im Bereich
Unternehmensgründungen, bei der Risikokapitalintensität, der
Forschungs- und Entwicklungsintensität der österreichischen
Wirtschaft und in Hinblick auf die Radikalität der
Innovationstätigkeit.
Als Ergebnis seines Mid-Term-Reviews stellt der Rat zusammenfassend
fest, dass die Entwicklungsdynamik und die Verbesserungen im Bereich
Forschung und Innovation im Unternehmenssektor nicht ausreichen, um
bis 2020 zur Gruppe der führenden Innovationsnationen zu zählen.
F&E-Finanzierung: Rückläufige Tendenz in Relation zu den
Innovation Leaders
Beide Schlüsselindikatoren für die F&E-Finanzierung (die F&E-Quote
und der private Finanzierungsanteil von F&E) stagnieren seit Jahren -
ohne Aussicht auf Veränderung. In Hinblick auf das Zieljahr 2020 der
FTI-Strategie ist im Vergleich zu den führenden Ländern sogar eine
rücklaufende Dynamik zu erwarten. Die Maßnahmen der FTI-Strategie,
die diesem Rückfall entgegensteuern könnten, sind bislang mit zu
wenig Nachdruck oder - wie etwa das Forschungsfinanzierungsgesetz -
gar nicht umgesetzt worden.
Für ein Land mit dem Anspruch, Innovation Leader werden zu wollen,
ist diese Entwicklungstendenz aus Sicht des Rates jedenfalls nicht
ausreichend. Ein Vergleich der aktuellen F&E-Ausgaben mit dem
"Soll"-Niveau, das sich aus einer gleichmäßigen Steigerung der
Ausgaben seit 2011 zur Zielerreichung im Jahr 2020 ergibt, zeigt
jedenfalls, dass das Quotenziel von 3,76 Prozent des BIP bis 2020 mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden kann.
Prioritäre Handlungsfelder und Empfehlungen
Aufgrund der Analyseergebnisse ist der Rat der Ansicht, dass es
vorrangig in folgenden Bereichen verstärkter Anstrengungen bedarf, um
die Leistungsfähigkeit des österreichischen Innovationssystems
insgesamt zu erhöhen. Der Rat empfiehlt daher:
* eine Intensivierung der Reformen im Bildungssystem,
* eine Erhöhung der Mittel für die kompetitive Finanzierung der
Grundlagenforschung,
* die weitere Optimierung der rechtlichen und finanziellen
Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen und -wachstum,
* eine Verbesserung der Governance-Strukturen zur Umsetzung der
FTI-Strategie,
* und die Forcierung der Maßnahmen zur Erhöhung des privaten Anteils
der F&E-Finanzierung.
Hintergrund
Im März 2011 wurde vom Ministerrat die "Strategie für Forschung,
Technologie und Innovation" (FTI-Strategie) der Bundesregierung
verabschiedet und der Rat für Forschung und Technologieentwicklung
mit dem Umsetzungsmonitoring beauftragt. Seit 2012 legt der Rat daher
seinen "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen
Leistungsfähigkeit" vor. Inhaltlicher Schwerpunkt des Berichts ist
die Frage, ob die Ziele der FTI-Strategie, die auch im aktuellen
Regierungsprogramm als wesentlicher Orientierungsrahmen für die
FTI-Politik der Bundesregierung angeführt wird, erreicht werden
können.
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