• 02.06.2015, 09:00:18
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GLOBAL 2000 und Südwind: Soziales Elend und Überfischung in Thunfisch-Dosen europäischer Supermärkte

Grafik - Entwicklung des weltweiten Thunfisch-Fangs seit 1950

Thailand / Österreich (OTS) - am 2. Juni 2015: Ein heute
veröffentlichter Bericht von Finnwatch zeigt die sozialen und
ökologischen Missstände bei der Herstellung von Thunfisch auf, der
bei uns in Dosen in Supermärkten verkauft wird. Unter anderem
herrschen in thailändischen Fabriken, in denen Dosen-Thunfisch der
Marke "Vier Diamanten" für heimische Supermarktketten verpackt wird,
menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Der Bericht ist Teil des
europaweiten Supply Cha!nge-Projekts von Südwind und GLOBAL 2000.

Menge des gefangenen Thunfisches seit 1950 verzwölffacht

Es ist bekannt, dass Thunfische eine der am meisten überfischten
Fisch-Familien ist. Die Zahlen erschrecken jedoch trotzdem: Wurden
1950 weltweit an die 400.000 Tonnen Thunfisch gefangen, so waren es
laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) im
Jahr 2012 schon fast fünf Millionen Tonnen - die Menge hat sich mehr
als verzwölffacht (siehe bitte auch Grafik zur Entwicklung). Die
meisten der neun als Thunfisch gehandelten Arten sind aufgrund von
Überfischung schon stark dezimiert - einige, wie der
Blauflossen-Thunfisch, sogar fast ausgestorben. "KonsumentInnen
sollten daher - wenn sie nicht ganz auf Thunfisch verzichten möchten
- beim Einkauf darauf achten, nur Thunfisch der Skipjack-Art zu
kaufen, der mit Rute und Haken in bestimmten Gebieten gefangen
wurde", erklärt Martin Wildenberg, Projektleiter Supply Cha!nge bei
der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. "Andere
Fangmethoden als diese verursachen massenweise den unnötigen,
qualvollen Tod anderer Meerestiere - wie Delfinen, Schildkröten,
Meeresvögel oder Haien. `Delphin-freundlich´-Labels sind hingegen
meist Eigen-Kreationen der Industrie, werden nicht unabhängig
kontrolliert und sagen oft nichts aus." Die derzeit für Skipjack noch
unproblematischen Fanggebiete sind Western & Central Pacific - WCPO
(FAO 61,71,77), Eastern Pacific - EPO (FAO 77,87,81) und Indian Ocean
(FAO 51,57). "Steigt unsere Nachfrage nach Thunfisch weiter wie
bisher", so Wildenberg, "werden aber auch diese Fanggebiete bald
erschöpft sein."

Skipjack-Thunfisch mit Rute und Haken gefangen aus bestimmten
Fanggebieten

Thunfische stehen außerdem am Ende der Nahrungskette - dadurch
reichern sich in ihnen im erhöhten Ausmaß Kadmium und Blei an - das
deutsche Umweltministerium empfahl Risikogruppen wie Schwangeren oder
Stillenden daher erst im März diesen Jahres, den Thunfisch-Genuss zu
vermeiden.* Die Skipjack-Thunfischart ist jedoch in der Regel weniger
belastet als größere Arten, die oft als Steak oder Sushi auf unseren
Tellern landen. "Unsere Meere stehen unter massivem Druck -
einerseits durch Überfischung, anderseits durch Verschmutzung aus
unserer industriellen Produktion. Über die Nahrungskette vergiften
wir uns so schlussendlich selbst", so Wildenberg.

ArbeiterInnen zahlen hunderte Euros, damit sie in
Thunfisch-Fabriken arbeiten dürfen

Weiters wurden thailändische Thunfisch-Fabriken auf soziale
Missstände untersucht. Häufig müssen ArbeiterInnen, die vor allem aus
Myanmar einwandern, Rekrutierungsgebühren von hunderten Euros zahlen,
um in den thailändischen Thunfisch-Fabriken arbeiten zu dürfen. "Die
Anliegen der Wanderarbeiterinnen und -arbeiter werden kaum gehört.
Die Beschwerdemechanismen und so genannte 'Arbeitskomittees'
funktionieren nicht. Die Arbeitnehmerschaft kann mit den Vorgesetzten
nicht über ihre Arbeitsbedingungen verhandeln", sagt Stefan
Grasgruber-Kerl, Projektleiter Supply Cha!nge bei Südwind.

Dosenthunfisch-Marke "Vier Diamanten" produziert in den
betroffenen Fabriken

Die untersuchten Fabriken Thai Union Manufacturing und Unicord sind
Teil der Thai Union Group und der Sea Value Group, die
Eigenmarkenprodukte für Supermärkte in Belgien, UK, Litauen, Estland,
Lettland, Finnland und Slowenien produzieren. Auch drei
Thunfisch-Produkte der Marke "Vier Diamanten", die in Österreich z.B.
bei SPAR oder MERKUR erhältlich sind, kommen ebenfalls aus der
untersuchten Unicord Fabrik - darunter auch ein Produkt, dessen
Verpackung mit der Aufschrift "aus nachhaltiger Fischerei" auf
besonders faire Umstände hindeuten möchte: Vier Diamanten Pikant
(Thunfischart Skipjack, gefangen mit der Angel im Gebiet FAO 71),
Vier Diamanten naturell (Thunfischart Skipjack, gefangen mit
Ringwadennetz im Gebiet FAO 71) und Vier Diamanten in Olivenöl - aus
nachhaltiger Fischerei (MSC, Thunfischart Skipjack, gefangen mit der
Angel im Gebiet FAO 51).

Zwangsarbeit und Menschenhandel auf den schwimmenden
Fischfabriken

Während sich jedoch laut einem früheren Finnwatch-Bericht die
Arbeitsbedingungen - wie etwa die Sicherheitsvorkehrungen am
Arbeitsplatz - in den Fabriken an Land zumindest geringfügig
verbessert haben, ist die Situation für die ArbeiterInnen auf den
Schiffen immer noch menschenunwürdig. "Auf den schwimmenden
Fischfabriken gibt es nach wie vor Zwangsarbeit und Menschenhandel.
Die EU hat zwar erste Schritte unternommen, um illegales und
unreguliertes Fischen in Thailand zu verbieten, der jetzige Bericht
zeigt aber auf, dass die Überprüfung der Zulieferkette gerade erst in
der Anfangsphase ist und nicht flächendeckend durchgeführt wird",
erklärt Stefan Grasgruber-Kerl.

"Die Thunfisch-Industrie muss Zwangsarbeit und Menschenhandel auf den
Schiffen beenden, die Rekrutierungsgebühren verbieten und
Beschwerdemechanismen verbessern. Zwangsarbeit, Menschenhandel und
soziales Elend dürfen keinen Platz in Thunfisch-Dosen europäischer
Supermärkte haben. Auch österreichische Supermärkte müssen hier klare
Bestimmungen in ihre Verträge aufnehmen und mit ihren Auftragnehmern
und lokalen Gewerkschaften zusammenarbeiten", fordert
Grasgruber-Kerl. Um gegen diese Menschenrechtsverletzungen
vorzugehen, braucht es Zusammenarbeit zwischen den einzelnen
Fabriken, den Vertriebsunternehmen, die deren Waren kaufen und den
Organisationen, die die ArbeiterInnen angemessen vertreten.

Generell ist noch mehr Transparenz und Sorgfalt im
Lieferketten-Management von Seiten des Handels nötig, damit
KonsumentInnen sich für einen bewussten Genuss entscheiden können,
der weder Natur noch Menschen ausbeutet. Alternativen Fischgenuss
bieten bio-zertifizierte Aquakulturen und Wildfang aus heimischen
Gewässern.

Report:

siehe bitte anbei - bzw. ist dieser auch downloadbar unter
www.global2000.at/presse

*Link zur Empfehlung des deutschen Umweltministeriums:

http://www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien/gesundheit-und-
umwelt/lebensmittelsicherheit/verbrauchertipps/#c11251

Grafik zum immer stärker werdenden Hunger der Welt auf
Thunfisch (Credit: Martin Wildenberg / GLOBAL 2000):

siehe bitte anbei

Bild der "Vier Diamanten"-Produkte, die in den betroffenen
Fabriken produziert werden (Credit: GLOBAL 2000, Abdruck zu
PR-Zwecken natürlich honorarfrei):

siehe bitte anbei

Bilder zu den sozialen Bedingungen in den thailändischen
Fabriken (Credit: Finnwatch, Abdruck zu PR-Zwecken natürlich
honorarfrei):

Fabrik Thai Union Manufacturing:
https://www.flickr.com/photos/finnwatch/10693364355/in/album-72157637
349041785/
Unterkunft der Arbeiter in Samut Sakhon:
https://www.flickr.com/photos/finnwatch/10693449584/in/album-72157637
349041785/

Mehr über das Projekt "Supply Cha!nge - Make Supermarkets
Fair!"

Das europaweite Projekt "Supply Cha!nge - Make Supermarkets Fair"
setzt sich für faire und nachhaltige Eigenmarken der europäischen
Supermarktketten ein. In Österreich wird es von Südwind und GLOBAL
2000 durchgeführt. Nähere Informationen unter: www.supplychainge.org

Das Projekt "Supply Cha!nge - Make Supermarkets Fair!" wird mit
finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission durchgeführt.
Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht von Südwind und
GLOBAL 2000 wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle
Meinung der Europäischen Union dar.

Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft: Unter dem Motto des
Europäischen Jahres für Entwicklung macht 2015 auch Österreich auf
die vielseitigen Effekte von Entwicklungszusammenarbeit aufmerksam.
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit informiert gemeinsam
mit ihren Partnern - unterstützt durch die Europäische Kommission -
über Entwicklungspolitik und fordert zum Mitmachen auf. Auch Sie
können etwas beitragen! http://www.entwicklung.at/eyd2015

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