Industrie zu IMD-Ranking: Gelbe Karte für die Standortpolitik

IV-GS Neumayer: Geschwindigkeit der Standortverschlechterung weiter beschleunigt – Größte Kritikpunkte bleiben fehlende Reformen, mangelnde Flexibilität, hohe Arbeitskosten

Wien (OTS/PdI) - Als "alarmierend" bezeichnete der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, das Ergebnis des jüngsten "World Competitiveness Scoreboard 2014" des renommierten Schweizer Instituts IMD, das mehrheitlich auf harten Fakten beruht. "Der regelrechte Absturz Österreichs im IMD-Ranking von Platz 11 im Jahr 2007 auf nunmehr Rang 26 kann einfach nicht mehr ignoriert werden und ist die gelbe Karte für Österreich. Die Politik muss den Warnruf erstnehmen und eine standortpolitische Trendumkehr herbeiführen. Zumal die kontinuierliche Verschlechterung der Standortattraktivität mittlerweile in der wirtschaftspolitischen Realität angekommen ist: Österreich zählt beim Wirtschaftswachstum zu den Schlusslichtern Europas und das Investitionsniveau ist sehr gering, gleichzeitig erreicht die Arbeitslosigkeit Rekordhöhen. Diese Daten lassen sich nicht mehr schönreden oder anzweifeln", so Neumayer. "Wie schlecht muss es um den Standort bestellt sein, wie stark muss die Arbeitslosigkeit ansteigen, bis die Politik Reformen angeht und versteht, dass Österreich so keine Zukunft im Wohlstand hat? Wann wird endlich verstanden, dass Diskussionen um Arbeitszeitverkürzung, Überstunden-Euro und sonstige Verteuerungen des Faktors Arbeit schwere Themenverfehlungen angesichts der Standortsituation sind? Die Vogelstraußpolitik muss enden und wir müssen die Probleme sachlich angehen, dann sind sie auch lösbar." Das IMD-Ranking zeige einmal mehr, wo es anzusetzen gelte.

Auffällig sei, dass Österreich vor allem im Bereich "Effizienz der Regierung" schlecht beurteilt werde - angesichts der aktuell sechsthöchsten Steuer- und Abgabenbelastung in der EU bei einer gleichzeitigen Staatschuldenquote jenseits der 85 Prozent des BIP würden die "Hard Facts" die Einschätzung leider eindrucksvoll bestätigen. Im Ranking spiegeln sich die Rerformversäumnisse der vergangenen Jahre etwa mit Rang 44 bei den öffentlichen Finanzen und gar nur Rang 59 bei der Fiskalpolitik unter insgesamt 61 untersuchten Staaten wider. Ebenfalls kritisch werden die Bereiche der unternehmensbezogenen Gesetzgebung ("Business Legislation") sowie Arbeitsmarkt gesehen. "Bei der durchschnittlichen Anzahl der Arbeitsstunden liegt Österreich deutlich unter dem Durchschnitt der untersuchten Länder. Das zeigt, dass Diskussionen über Arbeitszeitverkürzungen in die völlig falsche Richtung gehen", so Neumayer. Lichtblicke biete hingegen wiederum nur die Performance der Wirtschaft selbst, so Neumayer: "Das IMD-Ranking bestätigt, dass die Ausrichtung Österreichs als weltoffenes, exportorientiertes Industrieland prinzipiell absolut richtig ist." Ebenfalls positiv sei in diesem Zusammenhang die duale Ausbildung: "Die duale Ausbildung ist sicherlich ein Asset und ist mit ein Grund, dass Österreich bei der Jugendarbeitslosigkeit noch halbwegs gut liegt", wie Neumayer betonte. Bedenklich seien aber "Bewertungen wie ein Rang 46 bei der Performance im Bereich der höheren Bildung oder ein Rang 45 in der Kategorie "Naturwissenschaften in den Schulen".

"Österreichs Standortqualität hat mittlerweile bestenfalls Mittelmaß erreicht. Das negieren der Ergebnisse von seriösen internationalen Untersuchungen wird sicher nicht für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt sorgen. Arbeitsplätze können nur dann entstehen, wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass Unternehmerinnen und Unternehmer wirtschaften können und damit neue Arbeitsplätze schaffen", so Neumayer. Österreich benötige daher endlich Impulse für Arbeitsplätze, wie eine substanzielle Reduktion der Lohnnebenkosten oder eine Modernisierung der Arbeitszeit. So warte die Industrie weiterhin auf die im Regierungsprogramm angekündigte Ausweitung der Tageshöchstarbeitszeit. Neben der Staats- und Verwaltungsreform müsse die Politik - statt ständig neuer Belastungen - die Unternehmensbürokratie abbauen. Von Erleichterungen im Anlagenrecht über Verbesserungen bei Umweltprüfungsverfahren bis zur Streichung von Bagatellsteuern benötigten die Unternehmen endlich konkrete Signale der Unterstützung und Erleichterung.

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
+43 (1) 711 35-2306
info@iv-newsroom.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0003