- 22.05.2015, 10:11:15
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E-Control und FEEI: Mehr Intelligenz für die Energieversorgung
Stromversorgung wandelt sich, Stromnetze müssen intelligent werden – Struktur der Stromnetzentgelte muss sich Veränderungen anpassen – Meilensteine für Smart Grids in Österreich

Utl.: Stromversorgung wandelt sich, Stromnetze müssen intelligent
werden – Struktur der Stromnetzentgelte muss sich
Veränderungen anpassen – Meilensteine für Smart Grids in
Österreich =
Wien (OTS) - Die Elektrizitätsversorgung befindet sich im Wandel.
Weil immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind
produziert wird, müssen die Stromnetze entsprechend angepasst werden.
"Derzeit ist die Stromversorgung hauptsächlich eine Einbahnstraße",
sagte Martin Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control,
gestern, auf einem Pressegespräch gemeinsam mit dem FEEI -
Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Der Strom wird
überwiegend in zentralen Großkraftwerken produziert und gelangt von
dort wie auf einer Einbahn zu den Haushalten und Unternehmen. "Auf
der Straße herrscht nun aber zunehmend Gegenverkehr", betonte Graf.
Denn Verbraucher werden immer öfter selbst zu Stromproduzenten, zu
sogenannten "Prosumern". Das sind Haushalte, die nicht nur Strom
verbrauchen, sondern auch selbst Strom etwa mit der eigenen
Photovoltaikanlage im Garten erzeugen und in das Netz einspeisen.
"Die Stromversorgung wird dezentraler, vielfältiger und flexibler. Es
ist immer mehr Strom in die andere Richtung unterwegs. Dies erfordert
vor allem im Mittel- und Niederspannungsbereich eine aktivere und
dynamischere Steuerung auf Basis der Kommunikationstechnologien",
erklärte Brigitte Ederer, Obfrau FEEI. "Die technologische Lösung für
den grundlegenden Umbau der Energieversorgung, von einer zentral
gesteuerten hin zu einer dezentralen Steuerung, sind die Smart Grids,
die intelligenten Stromnetze. Sie erweitern das bestehende Stromnetz
mit intelligenten Netzkomponenten, die den gegenseitigen
Datenaustausch auf Basis der Kommunikationstechnologien ermöglichen",
so Ederer weiter.
Struktur der Stromnetzentgelte an Herausforderungen der
Zukunft anpassen
Die veränderte Energiewelt erfordert auch neue Rahmenbedingungen.
"Die Struktur der Stromnetzentgelte muss an die Herausforderungen der
Zukunft angepasst werden", so Graf. Die Stromnetzkosten machen für
einen Haushalt rund ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus und
gehen an den Netzbetreiber, der unter anderem für Betrieb und
Instandhaltung des Stromnetzes verantwortlich ist. Die Höhe der zu
bezahlenden Netzkosten hängt überwiegend vom jeweiligen
Stromverbrauch ab - wer weniger Strom verbraucht, zahlt auch weniger
Netzkosten. Rund 80 Prozent der Netzentgelte für Haushaltskunden sind
je verbrauchter Kilowattstunden zu bezahlen, der Rest wird über eine
fixe Pauschale abgedeckt. Haushalte, die selbst Strom produzieren,
sparen sich einen Großteil der Netzkosten. "Das wirft Probleme auf",
sagte Graf. "Denn die Kosten für das Stromnetz bleiben grosso modo
dieselben. Wenn aber immer mehr Hausbesitzer mit Photovoltaikanlagen
keine Netzgebühren mehr bezahlen, müssen die anderen Stromkunden für
die entstehende Kostenlücke einspringen und selbst tiefer in die
Tasche greifen", erläuterte Graf die Auswirkungen des derzeitigen
Tarifsystems. Bis Jahresende will daher der Regulator mit der
E-Wirtschaft, mit Sozialpartnern und anderen interessierten Gruppen
diskutieren, wie die künftige Struktur der Stromnetzentgelte aussehen
könnte.
Klassische Netzinvestitionen weiter erforderlich
Neben Investitionen in smarte Technologien sind auch zukünftig
Investitionen in klassische Netzelemente nötig. "Das Rückgrat der
Stromnetze wird weiter aus Kupfer, Eisen und Aluminium bestehen. Es
braucht weiter Stromkabel und Trafostationen - auch in einer smarten
Energiewelt", betonte Martin Graf. Smarte Technologien sorgen vor
allem dafür, dass die Netze effizienter und besser miteinander
vernetzt sind.
Smart-Grids-Technologien aus Österreich: Entwicklung eines
Leitmarktes
Österreich befindet sich in der Entwicklung von
Smart-Grids-Technologien in einer Vorreiterrolle. Die
österreichischen Forschungsschwerpunkte befassen sich zum Beispiel
mit der intelligenten Netzintegration von Kunden, Gebäuden, kleinen
PV-Anlagen, Elektroautos und der Integration von
Kleinwasserkraftwerken. Die Modellregion Salzburg wurde 2013 sogar in
der European Electricity Grid Initiative mit dem Core-Label
ausgezeichnet, wodurch sie als europäisches Vorzeigeprojekt anerkannt
wurde. Die unterschiedlichen Themen zeigen das breite Spektrum von
Smart-Grids-Technologien auf. "Ein Patentrezept gibt es nicht, weil
sich die Anforderungen und Voraussetzungen in unterschiedlichen
Gebieten stark unterscheiden. Die Einführung von Smart Grids wird
deshalb einigen Engineering-Aufwand benötigen, um die im Einzelfall
jeweils beste Lösung zu finden. Dafür muss man die Komponenten und
ihr Zusammenspiel als System kennen. Österreichische Unternehmen
haben im Bereich der Systemkomponenten viel geforscht und entwickelt.
Hier verfügt Österreich über eine sehr hohe Kompetenz", erklärte
Ederer. Die Realisierung einer intelligenten Energieinfrastruktur
wird einen hohen Investitionsbedarf, aber auch ein großes
Wachstumspotenzial für den Wirtschaftsstandort mit sich bringen. "Die
Investitionen müssen so gestaltet werden, dass die Wertschöpfung im
Inland steigt, Arbeitsplätze gesichert und heimische Unternehmen im
internationalen Wettbewerb gestärkt werden", so Ederer. Wenn
Österreich es schafft, durchgängige integrierte Smart-Grids-Lösungen
zu implementieren, kann sich Österreich als Leitmarkt für Smart Grids
positionieren. Dieser dient den österreichischen Unternehmen als
international sichtbare Referenz für ihre erworbene Systemkompetenz.
Meilensteine für die Umsetzung von Smart Grids in Österreich
Die Technologieplattform Smart Grids Austria hat im Rahmen des
Strategieprozesses Smart Grids 2.0 im Auftrag des bmvit letztes Jahr
die Technologieroadmap Smart Grids Austria ausgearbeitet. Die
Meilensteine für die Umsetzung in Österreich betreffen die weitere
Technologieentwicklung, regulatorische und legistische Maßnahmen,
großflächige Smart-Grids-Projekte und die Implementierungsphase. Nun
müssen, basierend auf den bisherigen Einzelprojekterfahrungen, die
Anforderungen an technische und organisatorische Rahmenbedingungen
und die unterschiedlichen möglichen Rollen und Verantwortlichkeiten
in breit anwendbaren Smart-Grid-Lösungen definiert werden. "Es sind
nun alle relevanten Akteure - sowohl öffentliche Stellen,
Netzbetreiber, Technologieanbieter als auch Forschungseinrichtungen
gefordert, an der Realisierung von Smart Grids zu arbeiten", so
Ederer abschließend.
Die aktuelle Technologieroadmap der Smart Grids Austria zum Download:
http://www.smartgrids.at/roadmap/
Audiostatements von dem Pressegespräch stehen auf www.o-ton.at zur
Verfügung.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
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