- 20.05.2015, 13:08:21
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OÖGKK, Land OÖ und Ärztekammer einig bei PHC
Gesundheitsreform wird sichtbar: Erste Primärversorgungszentren für OÖ
Utl.: Gesundheitsreform wird sichtbar: Erste
Primärversorgungszentren für OÖ =
Linz (OTS) - Primary Health Care - kurz PHC - ist ein international
anerkanntes Modell zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Durch
die Gesundheitsreform kommt dieses Modell auch nach Österreich: Die
ersten Primärversorgungszentren in Oberösterreich sollen 2016 als
Pilotprojekte in Enns und in Haslach/Mkr. starten - Land OÖ und die
OÖGKK haben sich auf eine gemeinsame Finanzierung der Mehrkosten
geeinigt! "Primärversorgungszentren sind ein Meilenstein in der
Weiterentwicklung der heimischen Gesundheitsversorgung", freut sich
OÖGKK-Obmann Maringer über Unterstützung durch die
Gesundheits-Systempartner anlässlich der Präsentation der "Piloten".
Hausärzte, Spitäler, Therapeuten, Institute, Rehabilitation,
Beratungsstellen: Die Gesundheitsversorgung in Oberösterreich ist
sehr vielschichtig und dicht. Doch nicht immer ist es für die
Patientinnen und den Patienten einfach, sich "im System" zu
orientieren - gerade in längeren Genesungsprozessen. Besser wäre es,
wenn sich das System an den Patientinnen und Patienten orientiert.
Hier setzt der Kerngedanke von PHC an: Regionale
Primärversorgungszentren sollen der Bevölkerung eine bedarfsgenau
abgestimmte Betreuung ermöglichen - indem vor Ort Ärzte,
Krankenschwestern, Therapeuten und weitere Gesundheitsberufe Hand in
Hand zusammenarbeiten. So aufgestellt, kann ein PHC-Team eine enorme
Bandbreite an Gesundheitsanliegen stets im richtigen Ausmaß
erledigen:
Von der raschen Abklärung akuter Krankheitssymptome bis zur
dauerhaften Begleitung auf langwierigen Genesungswegen. Das erspart
den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen nicht zuletzt
belastende Spitalskontakte oder die umständliche Organisation einer
Folgetherapie, etwa beim Physiotherapeuten. Dazu werden auch
Leistungen aus dem Sozialbereich integriert.
Primärversorgung konkret: Das Ennser Pilotprojekt
Bis Ende 2016 soll unter Projektleitung durch die OÖGKK in enger
Zusammenarbeit mit dem Land OÖ in der Kathreinstraße 19 in Enns
(ehem. Hallenbadgelände) das erste Primärversorgungszentrum in OÖ
entstehen. Im 800 m2 großen Neubau werden als Team zusammenarbeiten:
Vier Allgemeinmediziner, zwei Diplomkrankenschwestern, vier
Ordinationsassistenten, ein Psychologe, zwei Physiotherapeuten sowie
ein Zentrumsmanager. Ergänzt wird das Team durch Teilzeitstellen für
die Berufsgruppen der Diätologie, Ergotherapie, Logopädie,
Geburtshilfe und Sozialarbeit.
Die Bevölkerung in Enns wird von erweiterten Öffnungszeiten und
vergrößertem Leistungsangebot profitieren. So ist das Zentrum von
Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr und zusätzlich an zwei Tagen bis
21 Uhr geöffnet. Weiters ist die Ordination jeden dritten
Samstagvormittag durch die Teilnahme am Hausärztlichen Notdienst
besetzt.
Das Pilotprojekt in Enns ist vorläufig mit einer Dauer von 5 Jahren
festgesetzt. Das Projekt wird laufend evaluiert sodass zeitgerecht
erforderliche Adaptierungen und Verbesserungen vorgenommen werden
können. Sobald der Neubau fertig ist, wird das Projekt
voraussichtlich Ende 2016 in Betrieb gehen.
Einigung bei Finanzierung
PHC-Zentren sind in Österreich etwas völlig Neues. Ihr
Leistungsspektrum umfasst neben der bekannten hausärztlichen
Betreuung Bereiche und Aufgaben, die sowohl in die Zuständigkeiten
der Krankenversicherungsträger als auch des Landes fallen.
Entsprechend mussten Finanzierung und die rechtliche
Rahmenbedingungen im Vorfeld grundlegend geregelt werden. Dabei wird
Enns - wie jedes PHC Zentrum - nach verschiedenen Kostenpositionen
beurteilt: etwas ob es sich um einmalige Kosten handelt, die durch
die Financiers gestützt werden (z.B. Umzugskosten, EDV) oder um
laufende Betriebskosten oder um Zusatzkosten.
Weil PHC-Zentren immer individuell - nach regionalen Erfordernissen -
ausgestattet sind und unterschiedliche Leistungsbereiche
(Berufsgruppen) miteinschließen können, ist die Finanzierung für
jedes Zentrum - auf Basis des nun vereinbarten Rechenmodells - stets
individuell zu bewerten.
Das Primärversorgungszentrum Enns wird als eine Ärzte GmbH geführt
sein. Die Einbindung des erweiterten Primärversorgungsteams
(nicht-ärztliche Gesundheitsberufe) erfolgt über ein
Anstellungsverhältnis oder über Zukauf der Leistung durch die Ärzte
GmbH.
Zufriedenheit bei allen System-Partnern
Ob er nun "Bürgerin und Bürger", "Versicherte und Versicherter" oder
"Patientin und Patient" heißt: Der gut versorgte Mensch steht
gleichermaßen für die OÖGKK (namens der Sozialversicherung), das Land
OÖ, sowie die Ärztekammer im Zentrum des jeweiligen Bemühens. Auch
wenn die Verhandlungen zu PHC zum Teil sehr hart verliefen: Die
System-Partner ziehen aus ihrer jeweiligen Sicht ein positives
Fazit zum Primärversorgungs-Piloten:
OÖGKK
• OÖGKK-Obmann Albert Maringer: "Der Leistungsanspruch der OÖGKK
lautet: Unsere Versichertengemeinschaft muss zur richtigen Zeit, am
richtigen Ort vom richtigen Behandler, in der richtigen Qualität
versorgt werden - und zwar lückenlos und überschneidungsfrei.
Primärversorgungszentren ermöglichen eine flexible, rasche, sichere
und bedarfsgenaue Versorgung."
• OÖGKK-Direktorin Mag. Dr. Andrea Wesenauer: "Eine durchgängige
Betreuung - aus einem Guss - erspart Patienten und Angehörigen Umwege
- und fördert eine rasche Genesung. Und wo Umwege wegfallen, freut
sich nicht nur der einzelne Versicherte, sondern die ganze
Gemeinschaft: Weil automatisch auch kostenbewusst versorgt wird."
Gesundheitsreferent Landeshautpmann Dr. Josef Pühringer:
"Die bewährte Versorgung bleibt durch ein PHC in der Region erhalten.
Die medizinische Versorgung erfolgt dort, wo auch die Patientin bzw.
der Patient zu Hause ist. Ein PHC bietet neben der Regionalisierung
einen großen Vorteil: neue zeitgemäße Angebote kommen hinzu. Diese
Doppelstrategie aus Tradition und Moderne sichert nachhaltig unser
hohes Versorgungsniveau in Oberösterreich. Unsere Maßnahmen zu den
einzelnen PHC-Standorten sichern die medizinische Versorgung in den
Regionen und gleichzeitig stehen sie für die ständige
Weiterentwicklung im Gesundheitswesen.
Auch moderne Ansätze wie PHC bedürfen genauer Planung: wir haben PHC
in OÖ intensiv vorbereitet. Das hat viele Fragen aufgeworfen und Zeit
gebraucht. Wir sind unter den Ersten mit PHC-Modellen in Österreich -
und ich bin sicher auch unter den Nachhaltigsten in der Umsetzung."
Ärztekammer für Oberösterreich
• "Der Hausarzt, die Hausärztin bildet auch im PHC-Zentrum den Dreh-
und Angelpunkt für die Patientinnen und Patienten - das ist uns
besonders wichtig", sagt MR Dr. Wolfgang Ziegler, Kurienobmann-Stv.
der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für OÖ. "Die gewünschte
verbesserte strukturierte Zusammenarbeit mit den anderen
Gesundheitsberufen speziell in den ländlichen Regionen kann aber nur
in einem Netzwerk besser organisiert werden", sagt Dr. Ziegler.
• Dr. Wolfgang Hockl, Präsident der OBGAM, Fachgesellschaft für
Allgemein- und Familienmedizin: "Ich freue mich auf die
Verwirklichung eines Modells, das international schon vielfach
umgesetzt ist. Die OBGAM hat dies auch für Österreich schon lange
propagiert. Persönlich sehe ich mich nun nach fünf Jahren am Ziel
einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, bei dem alle
Stakeholder gemeinsam ein Modell ausgearbeitet haben, das wir
umsetzen wollen. Aufgrund der Größe des Projektes ist die Umsetzung
eine Herausforderung: Gesundheitsvorsorge und Prävention, Betreuung
akut und chronisch Kranker sowie Teamarbeit. Ich bin mir aber sicher,
dass wir mit unserem sehr ambitionierten Team die Umsetzung und
Herausforderungen bewältigen. Unser Vorteil in Enns ist, dass wir
gemeinsam an einem Strang ziehen.
Nicht zuletzt ist mir die Einbindung von Kolleginnen und Kollegen in
den Praxen wichtig, die entsprechende "work-life-balance", mit der
wir hoffen, auch wieder mehr junge Kollegen und Kolleginnen für die
Allgemeinmedizin interessieren zu können - denn nur mit verbesserten
Strukturen und Rahmenbedingungen werden wir uns weiterentwickeln.
Dies gilt auch für alle am Projekt Beteiligten, vor allem aber die
Freude an der Teamarbeit und der Vernetzung sind große Anliegen."
Weiteres PHC-Zentrum als Pilotprojekt in Haslach im Mühlkreis
Mit Enns vergleichbar, soll voraussichtlich Mitte 2016 ein
PHC-Zentrum in Haslach im Mühlkreis als
Primärversorgungs-Pilotprojekt realisiert werden. Die fachliche
Zusammensetzung des Haslacher Teams wird ähnlich vielschichtig sein
wie in Enns. Details zu Leistungsspektrum, Organisation, Standort und
Personal sind derzeit noch in Ausarbeitung. Hier sind auch noch
Gespräche mit der Ärztekammer zu führen.
An diesem Beispiel zeigt sich, dass Primärversorgungszentren nicht
"von der Stange" geplant werden können, sondern stets auf die
regionalen Bedürfnisse individuell zugeschnitten werden müssen. Zwei
wichtige Schlüsselkriterien zur "passenden" Ausgestaltung eines
PHC-Zentrums sind die Einwohneranzahl der Umgebung sowie die bereits
bestehende regionale Versorgungsinfrastruktur. So muss für das
PHC-Zentrum in Haslach unter anderem die Nähe zum Krankenhaus
Rohrbach mitgedacht werden, damit Synergien genutzt werden können und
sich beide Einrichtungen ergänzen können. Der Evaluierungszeitraum
beträgt auch hier fünf Jahre.
Ausblick: Primärversorgung als Sprungbrett für weitere
Versorgungs-Innovationen
Die Pläne zu Enns und Haslach zeigen eine grundsätzliche
Gemeinsamkeit: Der PHC-Kerngedanke eröffnet innovative Wege der
Gesundheitsversorgung. Die Schlagworte lauten "Vernetzung" und
"Bündelung" von Kompetenzen. So gibt es international etwa auch
PHC-Modelle, die an ein Spital gekoppelt sind. Das Land OÖ und die
OÖGKK haben sich daher auch darauf geeinigt, dass in Oberösterreich
auch PHC-Pilotmodelle an einem Krankenhausstandort entwickelt werden
sollen.
Wo und wie ein solches Modell konkret ausgestaltet sein soll, wird
von den Systempartnern - Land OÖ, OÖGKK und Ärztekammer - noch
gemeinsam geprüft.
Fest steht: OÖGKK, Land OÖ und Ärztekammer haben als Organisatoren,
Planer, Finanziers und Erbringer der Gesundheitsversorgung jeweils
viel Expertise in ihrem Bereich aufgebaut. Im Rahmen der
Gesundheitsreform wird diese Expertise in gemeinsamen Projekten
zusammengeführt, die den Patientinnen und Patienten eine
zukunftssichere, moderne Gesundheitsversorgung bringen.
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