„Am Schauplatz“-Reportage über „Das Rätsel um die Nazi-Stollen“

Am 21. Mai um 21.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Seit das ZDF für eine Doku über Hitlers Atomprogramm auch die oberösterreichische Gemeinde St. Georgen an der Gusen ins Visier genommen hat, ist die Diskussion über die Geschehnisse dort neu entflammt. Der Filmemacher Andreas Sulzer hat über vier Jahre recherchiert und auch graben lassen. Er vermutet weitere Stollen rund um die geheime unterirdische Nazi-Rüstungsfabrik "Bergkristall" und dass dort kernphysikalische Forschung betrieben wurde. Die österreichischen Behörden weisen das vehement zurück. Eine eigens gebildete Expertenrunde unter der Leitung der zuständigen Bezirkshauptmannschaft gab nach einigen Bohrungen und Untersuchungen Entwarnung: Man habe alles geprüft: Es gebe keine Hinweise auf Atomforschung oder darauf, dass der Stollenkomplex größer sei als bisher angenommen. Für die in HD produzierte "Am Schauplatz"-Reportage "Das Rätsel um die Nazi-Stollen" - zu sehen am Donnerstag, dem 21. Mai 2015, um 21.05 Uhr in ORF 2 - haben sich Christine Grabner und Rainer Keplinger auf Spurensuche begeben. Und erlebten schon bei der Recherche so manche seltsame Überraschung.

Die Nazis haben in der geheimen unterirdischen Rüstungsanlage "Bergkristall" Flugzeuge gebaut. Tausende Häftlinge aus dem KZ Gusen kamen dabei ums Leben. Heute stehen auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Wohnhäuser. Wie mit diesem Erbe umgehen? Diese Frage beschäftigt die Menschen hier seit Langem. Die einen wollen endlich vergessen, die anderen kämpfen darum, dass alle Geschehnisse aufgearbeitet werden.

Die geplante Doku des ZDF hat in der Region eine weitere Frage aufgeworfen: die um ihre Sicherheit. Was, wenn die Stollenanlage tatsächlich größer war als angenommen und irgendeiner dieser ungesicherten Hohlräume einbricht? Was, wenn in noch unbekannten Gängen giftige Chemikalien lagern? Die Strahlenbelastung ist auch im bekannten Stollen "Bergkristall" ungewöhnlich hoch. Die Behörden beruhigen: Es gäbe nur die bereits bekannten Stollen. Und die Strahlung sei natürlichen Ursprungs. Das Land Oberösterreich untersucht jetzt trotzdem das Trinkwasser genauer. Ein wichtiger Brunnen steht nämlich genau neben dem Eingang zu "Bergkristall". Grenzwerte seien derzeit keine überschritten, heißt es. Aktuelle Proben werden aber derzeit noch ausgewertet.

Der Grazer Historiker Stefan Karner, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, möchte gern ein neues Forschungsprojekt anstoßen. Es seien längst nicht alle Fragen rund um den Stollenkomplex geklärt. Die von den Behörden beauftragten Wissenschafter halten das für überflüssig. Das erklärte Bertrand Perz, stellvertretender Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Uni Wien, bereits vergangenen Herbst in einem Zeitungsinterview. Alles Wichtige sei bekannt. Neue Grabungen dienten nur der "weit verbreiteten Sensationshistorie von Nazi-Geheimnissen".

Filmemacher Sulzer sagt hingegen: "Den Behörden geht es nicht um die Sache und nicht um die Sicherheit der Bevölkerung vor Ort." Für ihn ist das Rätsel um die Nazi-Stollen noch lange nicht geklärt. Während die Expertinnen und Experten der anderen Seite darauf beharren, dass es gar kein Rätsel gäbe. Wem darf man glauben?

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