• 19.05.2015, 12:23:53
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„Wenn Sie eine Vision in einem Satz wollen, dann ist es eine neue Gründerzeit in Österreich“

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im GEWINN-extra-Interview über Konjunktur, eine neue Gründervision und die pessimistische Stimmung in Österreich

Utl.: Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im
GEWINN-extra-Interview über Konjunktur, eine neue
Gründervision und die pessimistische Stimmung in Österreich =

Wien (OTS) - "Ich habe Österreich immer positiv gesehen und war immer
Optimist, mittlerweile bringen aber die Grunddaten den Reformbedarf,
der in den Rankings sozusagen als Orientierung und als Mahnung
gekommen ist, relativ deckungsgleich zum Ausdruck. Daher würde ich
sagen, es ist Zeit, Österreich einen Schritt nach vorn zu bringen in
Richtung internationaler Spuren und Weichenstellungen", erklärt der
Vizekanzler im GEWINN extra Interview,

Neben objektiven Fakten wie die schleppend verlaufende
wirtschaftliche Entwicklung, die für die Zunahme eines schleichenden
Pessimismus in Österreich sorgt, findet Mitterlehner, dass "auch die
Jammerkultur bei uns zugenommen hat, was zur Problemlösung gar nichts
beiträgt, aber langsam zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird".
Österreich habe Aufholbedarf, es sei aber en vogue, negativ zu sein.

Er setzt "vor allem sehr stark auf Wissen und Forschung und ich
finde, dass wir dabei nicht unerfolgreich sind". Als Beispiel nennt
er die F&A-Quote von 3,01 Prozent: "Da liegen wir an vierter Stelle
unter 28 EU-Ländern." Mitterlehner will auch die Umsetzung von
Grundlagenforschung in Richtung anwendbarer Produkte durch verstärkte
Kooperation mit Unternehmen forcieren: "Da haben wir immensen
Nachholbedarf und daher zum Beispiel Wissenstransferzentren
eingerichtet. Wir sollten irgendwann einmal dorthin, wo Harvard oder
Cambridge schon sind." Man habe sich lange Jahre bemüht, die Kultur
der Venture-Capital-Unternehmer, der neuen Gründer, zu erzeugen. "Sie
kommt jetzt langsam. Wenn Sie eine Vision in einem Satz wollen, dann
ist es eine neue Gründerzeit in Österreich. Wir erleichtern daher
Crowdfunding, wir erhöhen die Forschungsprämie von zehn auf zwölf
Prozent, da ändert sich langsam wirklich die Kultur. Die Erzählung,
die dahinterliegt, heißt "unternehmen statt unterlassen" und es geht
darum, Veränderungen anzugehen."

Größtes Hindernis: Bürokratie und Überorganisation

Als größtes Problem auf diesen vorgezeichneten Weg sieht der
Wirtschaftsminister "die Bürokratie, die sich in diesem Land
entwickelt hat". Er führt weiter fort: "Und die zweitgrößten
Probleme, weil die Sozialpartner immer noch im Kontext von: "Alles
muss reguliert sein, alles muss bei den Arbeitsbedingungen
gleichförmig sein" agieren. Man geht noch davon aus, dass wie im
Produktionsprozess des letzten Jahrhunderts alles industriell
gefertigt wird, alles organisierbar, alles kontrollierbar ist - aber
in Wirklichkeit gehen wir schon in Richtung anderer Formen. Wenn Sie
Jungunternehmer der heutigen Generation fragen, sind ihnen die
Arbeitszeit und sonstige Richtlinien egal, die wollen einfach etwas
machen."

Mitterlehner sieht Österreich als "da und dort schon überorganisiert"
an, glaubt aber an einen durchs Land gehenden Wandel: "Ich glaube,
die Reformgesinnung in Österreich ist im Zunehmen begriffen. Es
dämmert fast jedem schon, dass es mit der bisherigen Einstellung
nicht weitergehen kann."

Mehr dazu im neuen GEWINN extra (Erscheinungstermin 20. Mai 2015)

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