„Wenn Sie eine Vision in einem Satz wollen, dann ist es eine neue Gründerzeit in Österreich“

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im GEWINN-extra-Interview über Konjunktur, eine neue Gründervision und die pessimistische Stimmung in Österreich

Wien (OTS) - "Ich habe Österreich immer positiv gesehen und war immer Optimist, mittlerweile bringen aber die Grunddaten den Reformbedarf, der in den Rankings sozusagen als Orientierung und als Mahnung gekommen ist, relativ deckungsgleich zum Ausdruck. Daher würde ich sagen, es ist Zeit, Österreich einen Schritt nach vorn zu bringen in Richtung internationaler Spuren und Weichenstellungen", erklärt der Vizekanzler im GEWINN extra Interview,

Neben objektiven Fakten wie die schleppend verlaufende wirtschaftliche Entwicklung, die für die Zunahme eines schleichenden Pessimismus in Österreich sorgt, findet Mitterlehner, dass "auch die Jammerkultur bei uns zugenommen hat, was zur Problemlösung gar nichts beiträgt, aber langsam zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird". Österreich habe Aufholbedarf, es sei aber en vogue, negativ zu sein.

Er setzt "vor allem sehr stark auf Wissen und Forschung und ich finde, dass wir dabei nicht unerfolgreich sind". Als Beispiel nennt er die F&A-Quote von 3,01 Prozent: "Da liegen wir an vierter Stelle unter 28 EU-Ländern." Mitterlehner will auch die Umsetzung von Grundlagenforschung in Richtung anwendbarer Produkte durch verstärkte Kooperation mit Unternehmen forcieren: "Da haben wir immensen Nachholbedarf und daher zum Beispiel Wissenstransferzentren eingerichtet. Wir sollten irgendwann einmal dorthin, wo Harvard oder Cambridge schon sind." Man habe sich lange Jahre bemüht, die Kultur der Venture-Capital-Unternehmer, der neuen Gründer, zu erzeugen. "Sie kommt jetzt langsam. Wenn Sie eine Vision in einem Satz wollen, dann ist es eine neue Gründerzeit in Österreich. Wir erleichtern daher Crowdfunding, wir erhöhen die Forschungsprämie von zehn auf zwölf Prozent, da ändert sich langsam wirklich die Kultur. Die Erzählung, die dahinterliegt, heißt "unternehmen statt unterlassen" und es geht darum, Veränderungen anzugehen."

Größtes Hindernis: Bürokratie und Überorganisation

Als größtes Problem auf diesen vorgezeichneten Weg sieht der Wirtschaftsminister "die Bürokratie, die sich in diesem Land entwickelt hat". Er führt weiter fort: "Und die zweitgrößten Probleme, weil die Sozialpartner immer noch im Kontext von: "Alles muss reguliert sein, alles muss bei den Arbeitsbedingungen gleichförmig sein" agieren. Man geht noch davon aus, dass wie im Produktionsprozess des letzten Jahrhunderts alles industriell gefertigt wird, alles organisierbar, alles kontrollierbar ist - aber in Wirklichkeit gehen wir schon in Richtung anderer Formen. Wenn Sie Jungunternehmer der heutigen Generation fragen, sind ihnen die Arbeitszeit und sonstige Richtlinien egal, die wollen einfach etwas machen."

Mitterlehner sieht Österreich als "da und dort schon überorganisiert" an, glaubt aber an einen durchs Land gehenden Wandel: "Ich glaube, die Reformgesinnung in Österreich ist im Zunehmen begriffen. Es dämmert fast jedem schon, dass es mit der bisherigen Einstellung nicht weitergehen kann."

Mehr dazu im neuen GEWINN extra (Erscheinungstermin 20. Mai 2015)

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