Jetzt ist Hochsaison für Unfälle mit Leitern

Rund 85 Prozent der Verletzten sind Männer – rund 75 Prozent mehr als drei Tage im Krankenstand

Wien (OTS) - Ein Sturz von der Leiter: davon sind im Arbeitsleben vor allem Männer zwischen 41 und 60 Jahren bei Bauarbeiten betroffen. Aber Hand aufs Herz, hatte nicht schon jeder einmal ein ungutes Gefühl auf einer Leiter? Sträucher und Bäume schneiden, Dachrinnen säubern, Glühlampe auswechseln, Vorhänge aufhängen oder Fenster putzen: dafür brauchen wir eine Leiter - keinesfalls unsichere Stühle, wackelige Hocker oder zusammenbrechende Kisten. Gerade bei der Arbeit auf der Leiter ist ein Unfall rasch passiert. Zu den größten Fehlern zählen für den Verwendungszweck falsch ausgewählte Leitern, zu kurze Leitern, mangelnde Standsicherheit, Verlust des Gleichgewichts bei seitlichem Hinauslehen, Abrutschen durch falsches Schuhwerk oder zu große Last in den Händen. "Damit wir jederzeit sicher auf der Leiter sind, müssen wir die Arbeit gut vorbereiten", rät Ing. Bernd Toplak von der Präventionsberatung der AUVA-Landesstelle Wien.

Das Verwenden von Leitern birgt ein hohes Gefahrenpotenzial. Jährlich passieren dabei rund 2.000 Arbeitsunfälle. Rund 75 Prozent führen zu schweren Verletzungen mit oft deutlich mehr als drei Tagen Krankenstand. Zu 85 Prozent sind laut AUVA-Statistik Männer betroffen und zwar besonders im Alter zwischen 41 und 60 Jahren. Rund 50 Prozent davon arbeiten am Bau oder im Baunebengewerbe. Typische Verletzungen nach Unfällen mit Leitern sind Wunden und oberflächliche Verletzungen, Frakturen, Dislokationen, Verstauchungen und Zerrungen, die zu rund 66 Prozent Arme und Beine betreffen.

"Ein als vergleichsweise "harmlos" angesehenes Arbeitsmittel stellt sich bei näherer Betrachtung als ziemlich gefährlich heraus. Wichtig ist das "Gewusst wie" und die richtige Vorbereitung:

  • Welche Leiter ist für meine Arbeit am besten geeignet?
  • Benötige ich eine Aufstiegshilfe oder eine Arbeitsplattform?
  • Wie lang muss sie sein? Wo ist der sicherste Standplatz?
  • Habe ich geeignetes Schuhwerk?", sagt Ing. Bernd Toplak, stellvertretender Leiter des Unfallverhütungsdienstes der AUVA-Landesstelle Wien.

Unfalluntersuchungen zeigen deutlich, dass die größte Gefahr durch falsche Benutzung entsteht. Relativ selten werden technische Mängel (z.B. Brechen einer Sprosse oder eines Holmes) als Unfallursache festgestellt. Die häufigsten Fehler sind der Einsatz von ungeeigneten Leitern, keine Standsicherheit, Verlust des Gleichgewichts, falsches Schuhwerk (z.B. Abrutschen mit "Schlapfen").

Grundregeln zur richtigen Verwendung von Leitern

Das Einhalten weniger, einfacher Grundregeln schützt vor folgenschweren Unfällen:

  • Ein sicheres Arbeiten beginnt bei der Auswahl der richtigen Leiter. Je nach Tätigkeit (Umfang der Arbeit, Höhe, Dauer) kann eine Anlegeleiter, Stehleiter oder Mehrzweckleiter sinnvoll sein. Es könnten aber auch ein Gerüst oder eine Arbeitsbühne nötig sein.
  • Damit die Leiter sicher steht, gilt es den geeigneten Aufstellort zu finden. Dieser muss sauber und rutschsicher, eben, fest und tragfähig sein.
  • Bei Arbeiten auf der Leiter bitte nie seitlich hinauslehnen. Das System "Mensch - Leiter" ist stabil, wenn der Schwerpunkt des Benutzers zwischen den Holmen liegt.
  • Immer geeignetes Schuhwerk tragen, z.B. Sicherheitsschuhe oder festes geschlossenes Schuhwerk, nie Schuhe mit glatten Sohlen.
  • Leitern dürfen - wenn überhaupt - nur von fachkundigen Personen repariert werden. Nagelungen und das Verlängern der Holme sind verboten!

Tipps zur richtigen Verwendung von Anlegeleitern

Anlegeleitern dienen in erster Linie als Aufstiegshilfen für leicht greifbare Arbeiten von kurzer Dauer und geringem Umfang. Der richtigen Anstellwinkel ist einfach mit der "Ellenbogenmethode" zu überprüfen. Bitte beachten:

  • Leitern im richtigen Winkel (65 bis 75 Grad) anlegen. Die Schrägstellung darf nicht flacher als 3:1 und nicht steiler als 4:1 sein.
  • Anlegeleitern müssen mindestens einen Meter höher als die Aus-bzw. Einstiegsstelle sein, wenn Standplätze überstiegen werden.
  • Es muss immer eine Hand "an der Leiter" sein. Bitte immer nur so viel Werkzeug oder Material mitnehmen, damit das gewährleistet ist.
  • Bei schlechtem Wetter, wie Sturm, Regen, etc. sollten Leitern nicht verwendet werden. Ist die Verwendung trotzdem erforderlich, sind geeignete Maßnahmen gegen Umfallen, Wegrutschen, Abrutschen, etc. vorzusehen.

Tipps zur richtigen Verwendung von Stehleitern

Stehleitern helfen, Arbeiten mit geringem Kraftaufwand durchzuführen. Es dürfen keine Standplätze überstiegen werden, d.h. eine Stehleiter darf niemals als Aufstiegshilfe verwendet werden:

  • Die Spreizsicherungen (Ketten, Gurt) müssen immer vorhanden und gespannt sein.
  • Bei Arbeiten auf Stehleitern ist die dritte Sprosse von oben die höchste zulässige Standsprosse (Ausnahmen - siehe Betriebsanleitung)
  • Die Leiterholme dürfen am oberen Ende keine Widerlager haben.
  • Ist der Standplatz in mehr als drei Meter Höhe, so dürfen nur mehr kurzfristige Arbeiten im Greifraum durchgeführt werden.

Weitere Information zur Prävention geben

  • das AUVA-Merkblatt M 023 Tragbare Leitern
  • die AUVA-Checkliste "Verhütung von Sturzunfällen"
  • die AUVA-Checkliste "Leitern" (!Gib Acht - BABA UND FALL NET!)
  • Aufkleber zur besseren Feststellung des richtigen Anstellwinkels
  • Experten unter sichereswissen@auva.at.

Fotolink:
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PIN-Code: 0O7K5

Über die AUVA:

Bei der AUVA sind rund 4,8 Millionen Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 2,9 Millionen unselbständig Erwerbstätige, 0,5 Millionen selbständig Erwerbstätige sowie 1,4 Millionen in Ausbildung Stehende vom Kindergarten bis zum Studienabschluss. Die Landesstelle Wien betreut in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland 42 Prozent der AUVA-Versicherten. Pro Jahr erhalten rund 150.000 Verletzte in den Wiener AUVA-Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler sowie rund 1.900 Patienten in den Rehabilitationszentren Wien-Meidling und Weißer Hof, Klosterneuburg, die bestmögliche Behandlung. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung fast zur Gänze aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Prävention ist dabei die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, denn die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten senken die Kosten für die drei weiteren Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten.

Rückfragen & Kontakt:

Ing. Bernd Toplak
Stv. Abteilungsleiter Unfallverhütungsdienst
AUVA-Landesstelle Wien
Telefon mobil: 0676/83395-1026
E-Mail: bernd.toplak@auva.at
Internet: www.auva.at/wien

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