• 12.05.2015, 11:45:01
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  • OTS0123 OTW0123

Mailath präsentiert Studie über kulturelle Beteiligung in Wien

Hohe kulturelle Teilhabe, Jüngere partizipieren stärker als Ältere

Utl.: Hohe kulturelle Teilhabe, Jüngere partizipieren stärker als
Ältere =

Wien (OTS) - "Die durchgeführte Untersuchung liefert neue
Erkenntnisse, die unsere Sicht auf die kulturelle Teilhabe in der
Stadt verändern. Besonders erfreulich ist dabei, dass die zweite
Generation der Eingewanderten überdurchschnittlich kulturaktiv ist,
insgesamt sogar stärker als Personen ohne Migrationshintergrund. Dies
ist einerseits auf das vielfältige Kulturangebot zurückzuführen, das
sich speziell an die zugezogenen Wienerinnen und Wiener richtet. Es
reicht von Angeboten in unseren Theatern bis hin zu inklusiven
Projekten wie der Brunnenpassage oder der Förderung von über 200
interkulturellen Initiativen. Das Ergebnis der Studie zeigt aber
weiters, dass unsere jahrelangen, intensiven, kulturpolitischen
Bemühungen, über Vermittlungsinitiativen und kostenlose
Kulturangebote den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern,
erfolgreich sind", so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

"Kultur ist für Wien ein essentielles Standortmerkmal, das für die
Lebensqualität ebenso von Bedeutung ist, wie für die Wirtschaft und
den Tourismus. Die kulturelle Teilhabe betrifft aber auch zentrale
politische Fragen wie Chancengerechtigkeit oder demokratische
Inklusion. Sie ist der Gradmesser dafür, wie demokratisch eine
Gesellschaft ist. Die vorliegende Studie zeigt, dass das
Kulturangebot in Wien auf hohe Zufriedenheit stößt und sehr stark
genützt wird. Unsere Stadt hat kulturelle Angebote für alle
Altersschichten und ist damit ein best practice Beispiel für die
sozialdemokratische Grundidee, dass Kunst und Kultur für alle
zugänglich sein muss", so Wiens Bürgermeister Michael Häupl.

Die vorliegende, im Auftrag der MA 7 - Kulturabteilung der Stadt Wien
durchgeführte Studie zur kulturellen Beteiligung in Wien, liefert
erstmals einen Überblick über die Nutzung des kulturellen Angebots
der Bundeshauptstadt sowie eine detaillierte Analyse
gruppenspezifischer Unterschiede in der kulturellen Teilhabe.

Die wissenschaftliche Arbeit verlief von Dezember 2014 bis März 2015
in drei Forschungsschritten. In einer Literaturrecherche wurden
zunächst themenrelevante Studien und Publikationen aufgearbeitet. Im
Anschluss daran erfolgte eine Auswertung der 2013 durchgeführten
"Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie II" (Magistratsabteilung
18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung), bei der mehr als 4.000 in
Wien lebende Personen ab 15 Jahren telefonisch u.a. zu ihren
kulturellen Aktivitäten befragt wurden. In einem dritten Schritt
wurden schließlich zwei Fokusgruppen mit kulturinteressierten
Wiener/-innen ohne Matura durchgeführt, die weiteren Aufschluss über
förderliche und hemmende Faktoren für die kulturelle Teilhabe
lieferten.

Die Studie im Überblick

 Sehr hohe kulturelle Teilhabe. 94 Prozent der WienerInnen besuchen
zumindest einmal im Jahr eine Kulturveranstaltung. Rund 1,4 Mio.
WienerInnen nutzen die kulturelle Vielfalt der Stadt regelmäßig.

 Sehr hohe Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot. Rund 95
Prozent der WienerInnen stellen dem Angebot an Ausstellungen,
Theatern, Museen, Kinos usw. in Wien ein gutes Zeugnis aus, davon 70
Prozent die Bestnote und ein weiteres Viertel die Bewertung "Gut".

 Junge WienerInnen und Höherqualifizierte sind besonders
kulturaktiv. Die jüngere Generation nimmt stärker am Kulturleben
teil, als die ältere.

 Migranten der zweiten Generation zählen zu den kulturaktivsten
Gruppen. Die Durchmischung des Kulturpublikums in Richtung
"Interkulturalität" hat längst stattgefunden.

 Kulturelle Bildung in der Schule eröffnet potentiell Zugänge und
Baut Barrieren ab.

 Kulturelle Beteiligung erhöht die generelle Bereitschaft, sich
gesellschaftlich zu engagieren. Wer sich kulturell beteiligt, ist
auch häufiger in Vereinen, Parteien usw. aktiv.

 Kulturelle Beteiligung ist ein Indikator für die
Lebenszufriedenheit. Wer sich kulturell beteiligt, ist mit seinem
Leben, der finanziellen Situation und seinen Sozialkontakten
zufriedener.

Die wichtigsten Aussagen im Detail

Die vom SORA-Institut im Auftrag der Kulturabteilung der Stadt Wien
durchgeführte Studie zur kulturellen Beteiligung in Wien liefert
erstmals einen Überblick über die konkrete Nutzung des kulturellen
Angebots der Bundeshauptstadt sowie eine detaillierte Analyse
gruppenspezifischer Unterschiede in der kulturellen Teilhabe.

Die Studie verlief von Dezember 2014 bis März 2015 in drei
Forschungsschritten. In einer Literaturrecherche wurden zunächst
themenrelevante Studien und Publikationen aufgearbeitet. Im Anschluss
daran erfolgte eine Auswertung der 2013 durchgeführten
"Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie II", bei der mehr als
4.000 in Wien lebende Personen ab 15 Jahren telefonisch u.a. zu ihren
kulturellen Aktivitäten befragt wurden. In einem dritten Schritt
wurden schließlich zwei Fokusgruppen mit kulturinteressierten
Wiener/-innen ohne Matura durchgeführt, die weiteren Aufschluss über
förderliche und hemmende Faktoren für die kulturelle Teilhabe
lieferten.

• Hohe kulturelle Beteiligung Wien

Nur 6% der Wiener/-innen haben in den vergangenen zwölf Monaten
keines der abgefragten kulturellen Angebote besucht. Hochgerechnet
nehmen damit rund 1.4 Mio. WienerInnen ab 15 in einem Jahr an
mindestens einer der abgefragten kulturellen Aktivitäten teil, seien
es Kinobesuche, Theaterabende, Ausstellungen, Lesungen oder Feste
bzw. Festivals. Ein Viertel aller WienerInnen besucht zwei oder drei
Angebote, mehr als die Hälfte zwischen vier und sechs und 7% nehmen
sogar an allen abgefragten Veranstaltungsangeboten teil.
Musikveranstaltungen und Kinos werden von mehr als 70% der
WienerInnen mindestens ein Mal im Jahr besucht, Theater und
Ausstellungen von rund 60%, Veranstaltungen wie z.B. Film- oder
Musikfestivals von rund der Hälfte.

Bezirksfeste und Lesungen werden am seltensten, aber immerhin auch
noch von rund 40% der Wiener/-innen zumindest ein Mal im Jahr
besucht. Auch die in den Fokusgruppen diskutierten Kulturangebote
spiegeln in ihrer Breite und Vielfalt das hohe und vielseitige
kulturelle Interesse der WienerInnen wider. Lediglich die Oper wurde
von den Diskutanten ohne Matura mehrmals als Beispiel für eine Art
von Kultur genannt, zu der man eine gewisse ästhetische und soziale
Distanz empfindet.

• Hohe Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot

Kultur ist ein wesentlicher Faktor für die eigene Lebensqualität, und
das breite kulturelle Angebot der Stadt Wien wird entsprechend
positiv bewertet. 70% der WienerInnen vergeben dem Angebot an
Ausstellungen, Museen, Theatern und Konzerten die Bestnote, ein
weiteres Viertel die Note "Gut". Kaum jemand ist mit diesen Angeboten
explizit unzufrieden. Auch das Kinoangebot wird von den WienerInnen
zu 60% uneingeschränkt positiv bewertet. 54% sind zudem mit dem
Angebot an Veranstaltungen wie z.B. Donauinselfest, Stadtfest oder
den Festen auf dem Rathausplatz sehr zufrieden.

• Junge WienerInnen und Höherqualifizierte besonders kulturaktiv

Deutliche Unterschiede in der kulturellen Beteiligung zeigen sich
auch nach Alter: So sind Unter-30-Jährige überdurchschnittlich
kulturaktiv, nur 1% hat keine einzige kulturelle Veranstaltung,
jede/r Zehnte hingegen alle sieben abgefragten Angebote in den
vergangenen zwölf Monaten besucht. Das Ausmaß der Kulturnutzung
schränkt sich mit zunehmendem Alter ein: 13% der über 59-jährigen
haben kein einziges kulturelles Angebot besucht - vor allem Kinos und
Film-/Musik- oder Theaterfestivals werden von älteren WienerInnen
seltener besucht als von jüngeren.

Neben dem Alter erweist sich der Bildungshintergrund als wichtiger
Einflussfaktor: Personen mit Matura oder Studienabschluss haben zu
rund 10% an allen, zu rund zwei Drittel an mindestens vier
kulturellen Angeboten teilgenommen, kaum einer zählt zu den
NichtnutzerInnen. Demgegenüber fallen Menschen mit maximal
Pflichtschul- oder Lehrabschluss durch eine geringere kulturelle
Teilhabe auf. Dass sie jedoch vollständig ‚kulturfern‘ sind, kann
nicht bestätigt werden: 89% der Personen mit maximal
Pflichtschulabschluss haben mindestens ein kulturelles Angebot im
letzten Jahr besucht, Personen mit Lehrabschluss sogar zu 93%.

• MigrantInnen der zweiten Generation besonders kulturaktiv

MigrantInnen der ersten Generation nehmen etwas seltener an
kulturellen Veranstaltungen teil als Befragte, deren Eltern zwar noch
im Ausland, die selbst aber schon in Österreich geboren wurden.
Deutlich werden die generationsbedingten Unterschiede z.B. bei
Theaterbesuchen: Während zwei Drittel der Befragten ohne
Migrationsgeschichte und rund 60% der migrantischen Befragten in
zweiter Generation in den vergangenen 12 Monaten zumindest ein Mal im
Theater waren, trifft das nur auf 49% der MigrantInnen der ersten
Generation zu. Auffallend ist, dass MigrantInnen der zweiten
Generation insgesamt sogar etwas kulturaktiver sind als Personen ohne
Migrationshintergrund, nur 3% waren in den letzten 12 Monaten in
keiner kulturellen Einrichtung, rund zwei Drittel waren in mehr als
vier. Dabei haben die Fokusgruppen gezeigt, dass kulturelle Teilhabe
gerade für kulturinteressierte Personen mit Migrationshintergrund eng
an andere Teilhabeformen und Möglichkeiten der (informellen)
Weiterbildung geknüpft ist. Der Besuch von kulturellen Angeboten wie
z.B. Ausstellungen oder Theaterabenden wird von MigrantInnen als
Möglichkeit, Neues kennenzulernen, den eigenen Horizont zu erweitern
oder auch zur Integration im Sinne der Teilhabe an der
österreichischen Kultur gesehen und genutzt.

• Soziale Herkunft entscheidet über kulturelle Beteiligung

Die soziale Herkunft (im Sinn des höchsten Bildungsabschlusses der
Eltern) erweist sich als starker Prädiktor für Art und Ausmaß der
späteren kulturellen Beteiligung. Dies bestätigt den Ansatz einer
sozialdemokratischen Kulturpolitik, die auf Zugang, starke
Vermittlungsprogramme, ein breites Kulturangebot und öffentliche
Förderung setzt.
Ob jemand sehr kulturaktiv ist, ist in hohem Maße bereits durch die
soziale Herkunft determiniert. Haben die Eltern beide keine Matura
und gelingt kein Bildungsaufstieg, dann verringern sich die Chancen
auf kulturelle Teilhabe deutlich. Umgekehrt sind Befragte, die aus
einem bildungsnahen Elternhaus stammen, und jene, denen ein
Bildungsaufstieg gelingt, später grundsätzlich kulturaktiver.

Hierfür gibt es in Wien zahlreiche Vermittlungsprogramme, die
praktisch alle Kulturinstitutionen anbieten (Wienmuseum über
Kunsthalle, bis Theater der Jugend und brut). Auch von der Stadt Wien
geförderte Vermittlungsprogramme wie Hunger auf Kunst und Kultur, der
Kulturpass, Cash for Culture, Go for Culture oder die KulturlotsInnen
überwinden Hemmschwellen beim Zugang zu Kultur.

Die gesamte Studie steht zum Download zur Verfügung:
http://www.wien.gv.at/kultur-freizeit/studie-kulturelle-beteiligung.h
tml

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

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