Bischof Bünker in Mauthausen: "Niemals Schlussstrich ziehen"

Ökumenischer Gottesdienst zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen

Wien (OTS) - "Das Gedenken gebietet, die Opfer niemals zu vergessen und niemals einen Schlussstrich zu ziehen", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker beim ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen am 10. Mai. Heuer jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers und seiner Außenlager zum 70. Mal. Am 5. Mai 1945 wurde das Lager durch die US-Armee befreit.

"Bei meinem ersten Besuch konnte ich mir kaum den Lärm vorstellen, der im Steinbruch 'Wiener Graben' zwischen 1938 und 1945 geherrscht haben muss. Arbeitslärm und Geschrei, Schüsse und Hundegebell. Und ganz unvorstellbar die Qualen der erschöpften Häftlinge", so Bischof Bünker in seiner Predigt beim Gedenkgottesdienst, den er gemeinsam mit Caritas-Präsident Michael Landau und Metropolit Arsenios Kardamakis gestaltete. Die Zwangsarbeit im Steinbruch von Mauthausen erinnere an die Zwangsarbeit der versklavten Israeliten in Ägypten. Deren Auszug aus Ägypten bilde den Kern der biblischen Befreiungserfahrungen, der heute noch in Judentum wie Christentum präsent sein.

"Dieses vergegenwärtigende Erinnern, das biblische Gedenken, ist immer eine Verpflichtung für heute", betont Bünker. "Heute heißt das, gegen jede Form von Zwangsarbeit einzutreten, etwa gegen die Zustände in den Textilfabriken Asiens oder die Kinderarbeit in den Ländern des Südens oder den Frauenhandel und die Prostitution bei uns. Heute heißt das auch, allen Kräften zu widerstehen, die solche steinerne Verhältnisse, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus in Kauf nehmen oder bewusst herstellen." Die nachkommenden Generationen hätten die Aufgabe und Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Opfer nie vergessen werden. Ein Schlussstrich unter diese Geschichte dürfe niemals gezogen werden. Bünker: "Die Botschaft der Freiheit, der Menschenwürde und der Menschenrechte kann und darf nicht zum Schweigen gebracht werden. Sie setzt sich durch. Unwiderstehlich. Dafür stehen wir, das ist unser Auftrag."

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