• 08.05.2015, 16:19:24
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AK Tirol: Beschämend niedrige Einkommen haben mit verfehlter Standortpolitik zu tun

AK Präsident Zangerl in der Vollversammlung: Tirol braucht mehr Wachstum und Beschäftigung in Tirol

Utl.: AK Präsident Zangerl in der Vollversammlung: Tirol braucht
mehr Wachstum und Beschäftigung in Tirol =

Innsbruck (OTS) - Die Tirolerinnen und Tiroler verdienen am wenigsten
und die realen Einkommen gehen stärker zurück als im
Österreich-Vergleich. Mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von
1.331 Euro haben die Tiroler Arbeitnehmer zehn Prozent pro Monat
weniger auf dem Gehaltskonto. Aufs Jahr gerechnet haben die Tiroler
Beschäftigten mehr als 2.000 Euro netto weniger zur Verfügung. Das
unterstreicht der jüngste Einkommensbericht, den AK Präsident Erwin
Zangerl der Vollversammlung vorlegte.

Zangerl: "Tirol ist seit Jahren konstant Schlusslicht bei den
Einkommen in Österreich - und das bei höchsten Lebenshaltungskosten.
Der Einkommensnachteil ist auch nicht durch die Saisonarbeit bedingt,
sondern tritt auf vielen Ebenen auf: In Branchen, Regionen, in
Vollzeit und Teilzeit, bei Männern und Frauen. Ein Aufholprozess bei
den Tiroler Einkommen ist nicht sichtbar."

Landeck ganz hinten

Fünf Tiroler Bezirke - Imst, Kitzbühel, Landeck, Lienz und Schwaz -
liegen um deutlich mehr als 10 % hinter dem österreichischen
Durchschnittseinkommen zurück. Landeck ist mit einem Rückstand von 22
% seit Jahren sogar der einkommensschwächste Bezirk Österreichs.

Selbst bei ganzjähriger Vollzeitarbeit verdienten die Tiroler
Beschäftigten um 5,7 % weniger als im österreichischen Durchschnitt.
Auf ein Jahr gerechnet erzielten die Tiroler Vollzeitbeschäftigten um
1.684 Euro weniger Nettoeinkommen als im österreichischen
Durchschnitt.

Zangerl: "Die Probleme, die wir in Tirol haben, sind seit langem
bekannt, doch die Politik scheint nicht gewillt, etwas daran zu
ändern. Die laufend weiter sinkenden Einkommen haben auch mit einer
verfehlten Standortpolitik zu tun. Dazu kommen noch die höchsten
Preise für Leben und Wohnen."

Löhne müssen kräftig steigen

"Tirol wird zum Niedriglohn- und Hochpreisland. Die schlechten
Einkommen spiegeln aber auch die Veränderung der Tiroler
Beschäftigungsstruktur wider. Ursachen sind die Zunahme "atypischer"
Beschäftigungsformen. Auch die Problematik der Saisonbeschäftigung in
den tourismusintensiven Bezirken zeigt sich deutlich. Verantwortlich
ist aber auch das Entlohnungsverhalten mancher Firmen. Sie bezahlen
viele Überstunden nicht oder stufen zu niedrig ein", so der AK
Präsident.

Zangerl: "AK und ÖGB werden nicht müde, die Ungerechtigkeiten und
Ungleichheiten aufzuzeigen und dagegen vorzugehen. Mit Kontrollen bei
Einstufungen und auf die richtige KV-Zugehörigkeit und, ebenso bei
Lohnabrechnung und bei Nicht-Bezahlung der geleisteten Überstunden.
Doch leider sind Wirtschaft und Politik kaum ernsthaft gewillt, an
dieser Situation etwas zu verändern.

Einen Umschwung wird es nur geben, wenn wir in Tirol neue Betriebe
vor allem im Gewerbe und in der Industrie ansiedeln und die
bestehenden guten Unternehmen fördern: Es raucht eine ausreichende
Zahl an Firmen, die Vollzeitarbeit anbieten, diese auch fair
entlohnen, und damit auch anerkennen, welche Leistung die Tiroler
Beschäftigten täglich erbringen".

Arbeit mit Qualitätssiegel

Zangerl. "Die Arbeiterkammer Tirol fordert nicht nur Qualität bei den
heimischen Produkten, sondern auch ein Qualitätssiegel für Tirols
Arbeitsplätze. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen in einem
ausreichenden Maß, ist die Qualität der Arbeitsplätze eine
eigenständige Zielsetzung. Arbeit muss eine gedeihliche
Existenzsicherung ermöglichen und berufliche sowie persönliche
Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten, soll sie minimalen
Qualitätskriterien entsprechen."

"Wichtig", so Zangerl, "ist auch eine regional fokussierte
Standortentwicklung: Vor allem in den stark touristisch geprägten
Regionen fehlen ganzjährige Beschäftigungsalternativen." Daneben
braucht es auch den Ausbau sozialer Dienstleistungen wie Kindergärten
und -horte, Ganztagesschulen und Pflegeeinrichtungen. Denn auch das
betrifft massiv die Einkommenslage, weil dadurch die Arbeitszeiten
erhöht werden können. Vor allem im ländlichen Raum muss das Netz
sozialer Dienstleistungen dichter werden.

Gezielte Wirtschaftsförderung

Festzuhalten ist, dass pro Jahr rund 170 Millionen Euro an
Landesmitteln in die Förderung von Wirtschaft, Landwirtschaft und
Tourismus fließen. Allein der Tourismus erhält pro Jahr mehr als 65
Millionen Euro. Im Bereich Wirtschaftsförderung wird oft nach wenig
nachvollziehbaren und höchst intransparenten Kriterien vorgegangen.
Hier müssen die Gelder gezielter eingesetzt werden, wobei vor allem
jenen Betrieben der Vorzug zu geben ist, die damit tatsächlich neue
Arbeitsplätze schaffen, vor allem mit dem Schwerpunkt auf ganzjährige
Vollzeitbeschäftigung.

Betriebsansiedlungspolitik überprüfen

Die 170 Millionen Euro an Wirtschaftsförderung des Landes müssen
zielgerichteter eingesetzt und transparenter gemacht werden. Wir
verlangen, dass mit diesen Mittel in erster Linie Betriebe
unterstützt werden, die zusätzlich vor allem ganzjährige
Vollzeitarbeitsplätze schaffen. Als zentrales Instrument der Tiroler
Standortpolitik muss auch die Standortagentur Tirol einer kritischen
Überprüfung unterzogen werden: Wie viele der Arbeitsplätze der von
der Standortagentur nach Tirol geholten Unternehmen konnten
tatsächlich dauerhaft realisiert werden? Wie viele dieser
Arbeitsplätze sind Ganzjahresarbeitsplätze? Hier handelt es sich
immerhin um ein
7- Mio.-Euro-Budget mit 33 Vollzeitstellen.

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