Kinder schützen – eine große Herausforderung im Gesundheitswesen

Auf Einladung des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin diskutierten ExpertInnen und Betroffene über rechtliche, ethische und medizinische Aspekte des „Opferschutzes“

Wien (OTS) - Als Geschäftsführerin des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin (http://ierm.univie.ac.at/) und der Plattform Patientensicherheit konnte Dr.in Maria Kletečka-Pulker zahlreiche international renommierte ReferentInnen und knapp 100 TeilnehmerInnen begrüßen, die den Seminarraum des Instituts bis auf den letzten Platz füllten.

Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, bedankte sich bei Gastgeberin Kletečka-Pulker ausdrücklich für deren Initiative. "Ich halte die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema Opferschutz in der Medizin für enorm wichtig, vor allem, weil mehrheitlich Kinder und Jugendliche zu Gewaltopfern werden, die sich selbst nicht wehren können", sagte Szekeres in seiner Eröffnungsrede. In vielen Fällen seien MedizinerInnen die ersten Ansprechpersonen der Opfer, hätten daher eine entsprechende Verantwortung zu tragen. Eine ganz besondere Rolle komme den HausärztInnen zu, führte Szekeres aus, weil sie meist auch das soziale Umfeld sehr genau kennen - dort, wo Gewalt überwiegend stattfindet. ÄrztInnen müssten dabei möglichst frühzeitig physische und psychische Anzeichen von Gewalt erkennen und die richtigen Schritte einleiten. Das sei nicht nur medizinisch schwierig, weil Spuren oft nicht klar erkennbar oder zuordenbar sind, sondern auch besonders sensibel. "Die Entscheidung, mögliche Gewaltanwendung bei den zuständigen Stellen zu melden, ist mit weitreichenden Folgen für die Opfer wie die mutmaßlichen TäterInnen verbunden. Da braucht es neben Erfahrung viel Fingerspitzengefühl", sagte Szekeres.

Zwei aktuelle Opferschutz-Projekte zur Optimierung der Beweissicherung nach Gewalttaten standen anschließend im Mittelpunkt der Tagung. Eines davon arbeitet seit vergangenen September daran, die derzeit mangelnde "Nachweisbarkeitsdauer der sogenannten K.-o.-Tropfen" signifikant zu erhöhen. Dazu soll in enger Kooperation zwischen medizinischer Forschung und Industrie in einem zweijährigen Projekt eine völlig neuartige massenspektrometrische Untersuchungsmethode entwickelt werden.

Das zweite, von den Wiener Kinderschutzgruppen initiierte Projekt widmet sich dem Aufbau einer "forensischen Untersuchungsstelle für Wien" unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof.in Dr.in Susanne Greber-Platzer, MBA. ExpertInnen dieser Untersuchungsstelle sollen ÄrztInnen und Behörden bei der korrekten Dokumentation und Beweissicherung nach Gewalttaten unterstützen. Auch dieses Projekt ist vorerst auf zwei Jahre beschränkt. Kletečka-Pulker ortet jedoch ein "wachsendes Problembewusstsein der Gesundheitspolitik", das sich nicht zuletzt im aktuellen Regierungsprogramm widerspiegeln würde, wo eine österreichweit flächendeckende Versorgung mit solchen forensischen Untersuchungsstellen explizit festgeschrieben wurde.

Fotos zur Veranstaltung auf http://ierm.univie.ac.at/

Rückfragen & Kontakt:

Dr.in Maria Kletečka-Pulker
maria.kletecka@univie.ac.at
0664/6027722202

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0007