- 27.04.2015, 18:30:01
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Wirtschaftsblatt-Leitartikel: "Dieses Pferd lahmt gewaltig" - von Manfred Haider
Auf den Kapitalmärkten steigen die Zweifel, ob die Versicherungsgesellschaften das Zinstief langfristig wirklich so locker durchhalten.
Utl.: Auf den Kapitalmärkten steigen die Zweifel, ob die
Versicherungsgesellschaften das Zinstief langfristig wirklich
so locker durchhalten. =
Wien (OTS) - Wir würden es locker durchhalten, wenn die Zinsen 30
Jahre lang so niedrig bleiben", versicherte der eine
Versicherungsvorstand unlängst. "Wir sind fest überzeugt, dass wir
gut durch dieses Zinstal kommen", tönte der andere. Und nicht nur
das: Die Lebensversicherungskunden scheinen ihnen das auch zu
glauben. Im Vorjahr ist das Prämienvolumen in der Sparte
österreichweit um 3,9 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen.
Auf den Kapitalmärkten hingegen steigen die Zweifel, ob die
Versicherungsgesellschaften das von der EZB bewusst herbeigeführte
Zinstief langfristig wirklich so locker durchhalten (s. Seite 17).
Und auch die Geschäftsberichte lesen sich heute nicht mehr ganz so
entspannt wie früher: "Die niedrigen Zinsen werden auch 2015 für
kräftigen Gegenwind sorgen", schrieb zuletzt etwa der deutsche
Allianz-Konzern. Und: "Neben einer stärkeren Konzentration auf das
Risikovorsorgegeschäft dürften neue und flexiblere Garantiekonzepte
bei Sparprodukten in den Vordergrund treten."
Mit Uniqa und der zum selben Konzern gehörenden
Raiffeisen-Versicherung haben bereits Ende 2014 auch in Österreich
die ersten Anbieter begonnen, klassische Polizzen ohne den
werbewirksamen Garantiezins anzubieten. Aber das betrifft nur
Neuverträge. Genauso wie der maximale Garantiezins von 1,5 Prozent,
den die Anbieter in Österreich aktuell noch versprechen dürfen, nur
für Neukunden gilt.
Für Altverträge haben sie teils deutlich höhere Zusagen gemacht, die
sie mit in der Vergangenheit gekauften, höher rentierenden
Staatsanleihen unterlegt haben. Doch die laufen sukzessive aus, und
Besserung ist nicht in Sicht. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen
rentieren nur noch mit 0,15 Prozent, österreichische mit 0,27
Prozent.
Zum Glück für die Anbieter gilt der versprochene Garantiezinssatz nur
für den Sparanteil, sprich, jenen Teil der Prämie, der nach Abzug von
Versicherungssteuer, Gebühren und Provisionen übrig bleibt. Aber für
Kunden und Anbieter wird es sukzessive enger.
Ein Sprichwort besagt: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd
reitest, steig ab." Das Bittere für die Kunden ist aber, dass sie aus
ihren Verträgen oft nur mit Verlust herauskommen. Neueinsteiger
sollten sich jedenfalls gut überlegen, dieses Pferd noch zu
besteigen. Risikoversicherungen haben weiter ihre volle Berechtigung.
Aber Geld anlegen sollte man woanders.
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