Wirtschaftsblatt-Leitartikel: "Dieses Pferd lahmt gewaltig" - von Manfred Haider

Auf den Kapitalmärkten steigen die Zweifel, ob die Versicherungsgesellschaften das Zinstief langfristig wirklich so locker durchhalten.

Wien (OTS) - Wir würden es locker durchhalten, wenn die Zinsen 30 Jahre lang so niedrig bleiben", versicherte der eine Versicherungsvorstand unlängst. "Wir sind fest überzeugt, dass wir gut durch dieses Zinstal kommen", tönte der andere. Und nicht nur das: Die Lebensversicherungskunden scheinen ihnen das auch zu glauben. Im Vorjahr ist das Prämienvolumen in der Sparte österreichweit um 3,9 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen.

Auf den Kapitalmärkten hingegen steigen die Zweifel, ob die Versicherungsgesellschaften das von der EZB bewusst herbeigeführte Zinstief langfristig wirklich so locker durchhalten (s. Seite 17). Und auch die Geschäftsberichte lesen sich heute nicht mehr ganz so entspannt wie früher: "Die niedrigen Zinsen werden auch 2015 für kräftigen Gegenwind sorgen", schrieb zuletzt etwa der deutsche Allianz-Konzern. Und: "Neben einer stärkeren Konzentration auf das Risikovorsorgegeschäft dürften neue und flexiblere Garantiekonzepte bei Sparprodukten in den Vordergrund treten."

Mit Uniqa und der zum selben Konzern gehörenden Raiffeisen-Versicherung haben bereits Ende 2014 auch in Österreich die ersten Anbieter begonnen, klassische Polizzen ohne den werbewirksamen Garantiezins anzubieten. Aber das betrifft nur Neuverträge. Genauso wie der maximale Garantiezins von 1,5 Prozent, den die Anbieter in Österreich aktuell noch versprechen dürfen, nur für Neukunden gilt.

Für Altverträge haben sie teils deutlich höhere Zusagen gemacht, die sie mit in der Vergangenheit gekauften, höher rentierenden Staatsanleihen unterlegt haben. Doch die laufen sukzessive aus, und Besserung ist nicht in Sicht. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen rentieren nur noch mit 0,15 Prozent, österreichische mit 0,27 Prozent.

Zum Glück für die Anbieter gilt der versprochene Garantiezinssatz nur für den Sparanteil, sprich, jenen Teil der Prämie, der nach Abzug von Versicherungssteuer, Gebühren und Provisionen übrig bleibt. Aber für Kunden und Anbieter wird es sukzessive enger.

Ein Sprichwort besagt: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab." Das Bittere für die Kunden ist aber, dass sie aus ihren Verträgen oft nur mit Verlust herauskommen. Neueinsteiger sollten sich jedenfalls gut überlegen, dieses Pferd noch zu besteigen. Risikoversicherungen haben weiter ihre volle Berechtigung. Aber Geld anlegen sollte man woanders.

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