- 22.04.2015, 10:00:05
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Morgen vor 70 Jahren: 23. April 1945
Wien (OTS/RK) - Im Gedenken an die Geschehnisse der letzten Tage des
Zweiten Weltkriegs - vom erstmaligen Betreten Wiener Bodens durch die
sowjetische Truppen bis zur Gründung der Zweiten Republik Österreich
im Roten Salon des Wiener Rathauses - erinnert die
Rathauskorrespondenz bis 29. April täglich an wichtige Vorkommnisse
dieser Tage vor 70 Jahren.
Montag, der 23. April 1945
o Es gibt wieder eine Tageszeitung. Sie heißt "Neues Österreich" und
wird von den drei Parteien als "Organ der demokratischen Einigung"
herausgeben. Herausgeber sind Univ.-Prof. Dr. Leopold Arzt als
Vertreter der Wissenschaft, Generaldirektor Ing. Ernst Czeija als
Vertreter der Wirtschaft, Ing. Leopold Figl für die ÖVP, Ernst
Fischer für die KPÖ, Paul Hörbiger für die Künstler, Ing. Franz
Schumy für den ehemaligen Landbund (dessen Wiedergründung erwartet
wird, aber nicht erfolgt) und Stadtrat Paul Speiser für die SPÖ.
Chefredakteur ist Ernst Fischer (KPÖ), Stellvertreter sind Paul
Deutsch (SPÖ) und Dr. Leopold Husinsky (ÖVP).
o Die Zeitung wird mit sowjetischen Armee-Lastwagen in ganz Wien
verteilt. Die Wiener erfahren aus ihr, dass es bereits eine
provisorische Stadtverwaltung gibt. Sie werden außerdem über die
Kriegslage und über die letzten Verbrechen der Nationalsozialisten in
Wien informiert, vor allem über die Judenmorde in der Förstergasse.
o Hauptgesprächsthema in Wien ist allerdings das Verhalten der
sowjetischen Soldaten. Geschichten über besonders freundliche
Soldaten, die vor allem den Kindern Lebensmittel schenken, stehen
Berichte über Plünderungen, Vergewaltigungen und andere Gewalttaten,
sogar Morde gegenüber. Manchmal schreiten Offiziere oder
Militärpolizei gegen die Gewalttäter ein; es kommt sogar vor, dass
Soldaten an Ort und Stelle wegen solcher Taten erschossen werden.
Andere Offiziere kümmern sich nicht um die Vorgänge oder nehmen sogar
selbst daran teil.
(Schluss) red
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