WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Alte Männer im Sandkasten" - von Hans-Jörg Bruckberger

Warum zu große Egos, wie jetzt im Fall VW, Unternehmen schaden.

Wien (OTS) - Die Niederlage des Patriachen", "Piëch droht Entmachtung" oder gar "Der Alte muss weg" (was ein VW-Aufsichtsrat gesagt haben soll) - Medien neigen in ihrer Berichterstattung über die "Führungskrise" bei Volkswagen zur Übertreibung und überholen sich dabei gewissermaßen selbst. Denn noch während sie diese Schlagzeilen texteten, bekam der Aufsichtsratschef bereits Rückendeckung aus dem Konzern. Unmittelbar davor hatten die Gazetten den von Piëch kritisierten CEO, Martin Winterkorn, praktisch schon verabschiedet. Tatsächlich bleiben aber beide Männer zumindest vorerst im Sattel.

Abgesehen von spektakulären Schlagzeilen ist de facto nicht viel passiert. Außer, dass der CEO doch angezählt, jedenfalls nicht mächtiger geworden ist. Vielleicht wollte Piëch genau das - darauf aufmerksam machen, dass nicht alles eitel Wonne ist und sich die VW-Manager nicht gegenseitig auf die Schulter klopfen sollen. Ähnlich wie das beim FC Bayern München Sportvorstand Matthias Sammer immer wieder tut.

Der Konzern steht zwar gut da, es gibt aber auch Probleme, allen voran bei der Kernmarke VW und auf dem wichtigen US-Markt, auf dem die Wolfsburger nicht in die Gänge kommen. Daran, wie solche Baustellen angegangen werden, wird Winterkorn fortan gemessen. Die Schlacht ist also noch lang nicht geschlagen. Derweil stimmt die Causa nachdenklich. Sollten nicht Familienunternehmen, wie letztendlich auch VW aufgrund der Stimmrechte eines ist, mit Stabilität punkten? Und ein mächtiger Betriebsrat oder gar eine am Unternehmen beteiligte öffentliche Hand (beides ist ebenfalls bei VW der Fall) diesem nicht eher schaden? Bei VW war es zuletzt umgekehrt.

Während die Familienclans Piëch und Porsche auf Konfrontationskurs gingen, sorgten ausgerechnet die vom Kapitalmarkt wenig geliebten Vertreter von Land und Belegschaft für Stabilität. Sie stärkten Piëch und Winterkorn den Rücken und beteuerten, dass man den erfolgreichen Weg mit beiden weitergehen möchte. Eines haben aber auch die Vertreter von IG Metall und Niedersachsen mit den Piëchs und Porsches gemeinsam: Hinter allen stehen große Egos. Da weiß man eine voll privatisierte, reine Streubesitz-Company wie Wienerberger glatt zu schätzen. Diese hat ruhig und sachlich eine wirklich schwere Krise gemeistert.

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