- 20.04.2015, 18:30:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Alte Männer im Sandkasten" - von Hans-Jörg Bruckberger
Warum zu große Egos, wie jetzt im Fall VW, Unternehmen schaden.
Utl.: Warum zu große Egos, wie jetzt im Fall VW, Unternehmen
schaden. =
Wien (OTS) - Die Niederlage des Patriachen", "Piëch droht
Entmachtung" oder gar "Der Alte muss weg" (was ein VW-Aufsichtsrat
gesagt haben soll) - Medien neigen in ihrer Berichterstattung über
die "Führungskrise" bei Volkswagen zur Übertreibung und überholen
sich dabei gewissermaßen selbst. Denn noch während sie diese
Schlagzeilen texteten, bekam der Aufsichtsratschef bereits
Rückendeckung aus dem Konzern. Unmittelbar davor hatten die Gazetten
den von Piëch kritisierten CEO, Martin Winterkorn, praktisch schon
verabschiedet. Tatsächlich bleiben aber beide Männer zumindest
vorerst im Sattel.
Abgesehen von spektakulären Schlagzeilen ist de facto nicht viel
passiert. Außer, dass der CEO doch angezählt, jedenfalls nicht
mächtiger geworden ist. Vielleicht wollte Piëch genau das - darauf
aufmerksam machen, dass nicht alles eitel Wonne ist und sich die
VW-Manager nicht gegenseitig auf die Schulter klopfen sollen. Ähnlich
wie das beim FC Bayern München Sportvorstand Matthias Sammer immer
wieder tut.
Der Konzern steht zwar gut da, es gibt aber auch Probleme, allen
voran bei der Kernmarke VW und auf dem wichtigen US-Markt, auf dem
die Wolfsburger nicht in die Gänge kommen. Daran, wie solche
Baustellen angegangen werden, wird Winterkorn fortan gemessen. Die
Schlacht ist also noch lang nicht geschlagen. Derweil stimmt die
Causa nachdenklich. Sollten nicht Familienunternehmen, wie
letztendlich auch VW aufgrund der Stimmrechte eines ist, mit
Stabilität punkten? Und ein mächtiger Betriebsrat oder gar eine am
Unternehmen beteiligte öffentliche Hand (beides ist ebenfalls bei VW
der Fall) diesem nicht eher schaden? Bei VW war es zuletzt umgekehrt.
Während die Familienclans Piëch und Porsche auf Konfrontationskurs
gingen, sorgten ausgerechnet die vom Kapitalmarkt wenig geliebten
Vertreter von Land und Belegschaft für Stabilität. Sie stärkten Piëch
und Winterkorn den Rücken und beteuerten, dass man den erfolgreichen
Weg mit beiden weitergehen möchte. Eines haben aber auch die
Vertreter von IG Metall und Niedersachsen mit den Piëchs und Porsches
gemeinsam: Hinter allen stehen große Egos. Da weiß man eine voll
privatisierte, reine Streubesitz-Company wie Wienerberger glatt zu
schätzen. Diese hat ruhig und sachlich eine wirklich schwere Krise
gemeistert.
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