Macht ohne Wissen? Vom Kollaps der wissensbasierten Demokratie

Überforderte Politiker und Berater, ausgegrenzte Experten? Eine Tagung des Forschungsinstituts für Freie Berufe der Wirtschaftsuniversität Wien am 28. April 2015

Wien (OTS) - Österreich liegt in Sachen Innovation im letzten Drittel der OECD-Staaten, das Wirtschaftswachstum ist deutlich unter dem Schnitt der EU- und Euro-Staaten, die heimischen Universitäten fallen in den internationalen Rankings laufend zurück, der intellektuelle und wissenschaftliche Brain Drain ist alarmierend hoch.

Die Einrichtungen der Demokratie und ihre Instrumentarien drohen zu verkommen: Das Parlament als Abstimmungsmaschine von Abgeordneten, die kaum mehr in der Lage sind, komplexe Themen zu durchblicken, Regierungsmitglieder, die ihre Materie nur am Rand beherrschen und auch keine fundierte Managementausbildung haben, zunehmende Aversion der Politik gegen Experten.

Und: Zunehmende Beschneidung der Freien Berufe, der "vierten Gewalt" in ihrer Autonomie.

"Macht braucht Wissen" ist das provokante Schlagwort einer Tagung des Forschungsinstitutes für freie Berufe an der Wirtschaftsuniversität Wien, die sich - mit hochkarätigen Diskussionsteilnehmern - dem Thema Wissensmanagement und Kompetenz in der Politik und dem drohenden "Systemversagen der politischen Klasse" beschäftigt.

Was können freie Berufe - Wirtschaftstreuhänder, Juristen, Mediziner oder Notare - beitragen, um mehr Kompetenz und Sachwissen in politische Vorbereitungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen? Wie kann zeitgemäß Informations- und Wissensmanagement eine neue Dialogebene Politik und Zivilgesellschaft herstellen?

Dr. Griss über Hypo
Die Keynote kommt von Dr. Irmgard Griss zum Thema "Die Hypo-Causa:
Welche Lehren lassen sich ziehen?" Das Thema hat angesichts der aktuellen Turbulenzen im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss besondere Brisanz. Welchen Anspruch auf Wissen und Informationsoffenheit hat die Zivilgesellschaft, wo liegen die Grenzen zwischen Vertraulichkeiten, Geheimhaltung und Verschweigen durch Inkompetenz?

Dr. Biegelbauer über das Elend der Wissensvermittlung
Weitere Diskussionsteilnehmer der Tagung unter der Leitung des Institutsvorstandes Dr. Leo W. Chini: Dr. Peter Biegelbauer vom AIT, Lazarsfeld-Preisträger 2011 und einer der renommiertesten Politik-und Informationswissenschaftler Europas, DDr. Heinz Mayer, Verfassungsjurist und ehemaliger Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, der sich immer wieder kritisch gegen Verfassungsinkonformitäten von Gesetzesvorlagen und Regierungsbeschlüssen geäußert hat.

Szekeres und Wolff über Freie Berufe und Zivilgesellschaft
Weitere Diskutanten sind Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, der sich vehement in Fragen wie Sterbehilfe, Datenschutz und Patientenschutz sowie Autonomie der Ärzte einbringt und Dr. Rupert Wolff, Präsident des Rechtsanwaltkammertages, der immer wieder vor einer Beschneidung und sukzessiven Aushöhlung der Befugnisse und des Autonomiestatus der freien Berufe warnt.

"Wissenstransfer und Wissensmanagement als Prävention gegen ein Systemversagen der herrschenden politischen Strukturen und handelnden Personen. Das ist ein brisantes, auch gesellschaftspolitisches Thema. Gerade in einer globalisierten digitalisierten Welt, die sich vernetzt und komplex ist. Wenn lokale Entscheidungsträger überfordert sind, trifft das breite Bevölkerungskreise und wirtschaftliche und wissensbasierte Grundfesten einer Gesellschaft", so der Organisator und Vorstand des Forschungsinstituts für Freie Berufe, Dr. Leo W. Chini.

Anmeldung
Die Tagung findet am 28. April 2015 ab 14:00 Uhr im Festsaal der WU Wien am Welthandelsplatz 1 am neuen Campus statt.

Festsaal der Wirtschaftsuniversität Wien
1020 Wien, Welthandelsplatz 1

Anmeldung unter: freieberufe@wu.ac.at

"Multiorganversagen": Wissen als Prävention?

Datum: 28.4.2015, um 14:00 Uhr

Ort:
Wirtschaftsuniversität Wien Library & Learning Center,
Festsaal 2
Welthandelsplatz 1, 1020 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Forschungsinstitut für Freie Berufe
WU (Wirtschaftsuniversität Wien)
Gebäude D1, 3. OG
Welthandelsplatz 1
1020 Wien
T: +43/1/31336-4592 oder 4492
Email: freieberufe@wu.ac.at

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