- 17.04.2015, 15:19:36
- /
- OTS0190 OTW0190
ORF-JournalistInnen fordern Transparenz bei Struktur-Reform
Beschlüsse des ORF-Redakteursausschusses
Utl.: Beschlüsse des ORF-Redakteursausschusses =
Wien (OTS) - Der ORF-Redakteursausschuss, das sind die
RedakteurssprecherInnen aus allen ORF-Bereichen, hat bei seiner
heutigen Sitzung folgende Resolution beschlossen:
"Seit Wochen kursieren über die geplante neue ORF-Struktur diverse
Medienberichte. Heute wurden erstmals die ORF-Redakteurssprecherinnen
und -sprecher von Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz über die
Grundzüge einer neuen Führungsstruktur informiert. Doch diese
Struktur wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:
Nach den Plänen des Generaldirektors soll in der künftigen
Geschäftsführung ein/e Informations-DirektorIn ("Head of Info")
eingeführt werden. Diese Funktion soll die Berichterstattung in allen
ORF-Medien verantworten: Radio, TV, Online und Teletext. Der "Head of
Info" ist dann der direkte Vorgesetzte der Channel-Chefredakteure und
der multi-medialen Ressortleiter. Diese Konstruktion widerspricht
allerdings der notwendigen Trennung von Geschäftsführung und der
tagesaktuellen Leitung von Redaktionen und wäre damit so etwas wie
ein Über-Chefredakteur, mit direktem Zugriff auf die
Berichterstattung auf allen Kanälen.
Unklar ist, wer in dem neuen Organigramm die Personal- und
Budget-Hoheit hat: Ob diese Verantwortung bei den jeweiligen
"Kanälen", also zum Beispiel ORF 1 und 2, Ö1, Ö3 oder FM4 usw. liegt,
oder ob es eine zentrale Steuerung der Ressourcen gibt. Es darf
jedenfalls nicht dazu kommen, dass einzelne Sender oder Sendungen
personell und finanziell ausgehungert werden.
Die neue Struktur mit multimedialen RessortleiterInnen und
Chef-RedakteurInnen soll eingeführt werden, bevor es den geplanten
multimedialen Newsroom überhaupt gibt. Das halten wir für nicht
praktikabel. Es funktioniert nicht, die operative Ebene auf einen
multimedialen Newsroom auszurichten, den es aber zu dieser Zeit noch
mehrere Jahre nicht geben wird. Gleichzeitig sind wichtige Funktionen
in der aktuellen Struktur - wie die eines Ö1-Senderchefs - seit
geraumer Zeit nicht regulär besetzt.
Es darf bei diesen Umstrukturierung keinesfalls darum gehen,
rechtzeitig vor der nächsten GD-Wahl im Sommer 2016 den politischen
Parteien ein entsprechendes "Personalpaket" anbieten zu können. Die
ORF-Journalistinnen und -Journalisten lehnen jede Form von
politischen Tauschgeschäften im Zuge der GD-Wahl ab. Bei der
Besetzung von Führungsfunktionen dürfen ausschließlich fachliche und
persönliche Eignung der BewerberInnen zählen.
Zu den medial kolportieren Überlegungen der ORF-Geschäftsführung über
die Einführung von "Frühstücks-Fernsehen" in der Zeitzone zwischen 6
und 9 Uhr stellen wir fest: Nach dem jahrelangen Ausdünnen der
Landesstudio-Redaktionen halten wir diesen Plan für problematisch.
Ein vom ORF angebotenes Früh-TV Programm muss qualitativ hochwertig
sein und den journalistischen Standards eines öffentlich-rechtlichen
Senders entsprechen.
Die konkreten Forderungen der ORF-Journalistinnen und -Journalisten
zur neuen Struktur:
- Völlige Transparenz bei Struktur- und Personalfragen. Wir
fordern eine genaue Stellenbeschreibung für jede einzelne der
neuen Funktionen.
- Keine parteipolitischen Bestellungen und Absprachen bei der
Besetzung von Führungskräften.
- Echte Mitsprache- und Mitbestimmungsrechte wie sie zwar im
ORF-Gesetz und dem Redakteursstatut vorgesehen sind, in der
Praxis aber von der Geschäftsführung ignoriert werden.
- Als Grundsatz im multimedialen Newsroom: Eine Person darf nicht
über alle wesentlichen Inhalte in der gesamten
ORF-Berichterstattung bestimmen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF






