ORF-JournalistInnen fordern Transparenz bei Struktur-Reform

Beschlüsse des ORF-Redakteursausschusses

Wien (OTS) - Der ORF-Redakteursausschuss, das sind die RedakteurssprecherInnen aus allen ORF-Bereichen, hat bei seiner heutigen Sitzung folgende Resolution beschlossen:

"Seit Wochen kursieren über die geplante neue ORF-Struktur diverse Medienberichte. Heute wurden erstmals die ORF-Redakteurssprecherinnen und -sprecher von Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz über die Grundzüge einer neuen Führungsstruktur informiert. Doch diese Struktur wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

Nach den Plänen des Generaldirektors soll in der künftigen Geschäftsführung ein/e Informations-DirektorIn ("Head of Info") eingeführt werden. Diese Funktion soll die Berichterstattung in allen ORF-Medien verantworten: Radio, TV, Online und Teletext. Der "Head of Info" ist dann der direkte Vorgesetzte der Channel-Chefredakteure und der multi-medialen Ressortleiter. Diese Konstruktion widerspricht allerdings der notwendigen Trennung von Geschäftsführung und der tagesaktuellen Leitung von Redaktionen und wäre damit so etwas wie ein Über-Chefredakteur, mit direktem Zugriff auf die Berichterstattung auf allen Kanälen.

Unklar ist, wer in dem neuen Organigramm die Personal- und Budget-Hoheit hat: Ob diese Verantwortung bei den jeweiligen "Kanälen", also zum Beispiel ORF 1 und 2, Ö1, Ö3 oder FM4 usw. liegt, oder ob es eine zentrale Steuerung der Ressourcen gibt. Es darf jedenfalls nicht dazu kommen, dass einzelne Sender oder Sendungen personell und finanziell ausgehungert werden.

Die neue Struktur mit multimedialen RessortleiterInnen und Chef-RedakteurInnen soll eingeführt werden, bevor es den geplanten multimedialen Newsroom überhaupt gibt. Das halten wir für nicht praktikabel. Es funktioniert nicht, die operative Ebene auf einen multimedialen Newsroom auszurichten, den es aber zu dieser Zeit noch mehrere Jahre nicht geben wird. Gleichzeitig sind wichtige Funktionen in der aktuellen Struktur - wie die eines Ö1-Senderchefs - seit geraumer Zeit nicht regulär besetzt.

Es darf bei diesen Umstrukturierung keinesfalls darum gehen, rechtzeitig vor der nächsten GD-Wahl im Sommer 2016 den politischen Parteien ein entsprechendes "Personalpaket" anbieten zu können. Die ORF-Journalistinnen und -Journalisten lehnen jede Form von politischen Tauschgeschäften im Zuge der GD-Wahl ab. Bei der Besetzung von Führungsfunktionen dürfen ausschließlich fachliche und persönliche Eignung der BewerberInnen zählen.

Zu den medial kolportieren Überlegungen der ORF-Geschäftsführung über die Einführung von "Frühstücks-Fernsehen" in der Zeitzone zwischen 6 und 9 Uhr stellen wir fest: Nach dem jahrelangen Ausdünnen der Landesstudio-Redaktionen halten wir diesen Plan für problematisch. Ein vom ORF angebotenes Früh-TV Programm muss qualitativ hochwertig sein und den journalistischen Standards eines öffentlich-rechtlichen Senders entsprechen.

Die konkreten Forderungen der ORF-Journalistinnen und -Journalisten zur neuen Struktur:

  • Völlige Transparenz bei Struktur- und Personalfragen. Wir fordern eine genaue Stellenbeschreibung für jede einzelne der neuen Funktionen.
  • Keine parteipolitischen Bestellungen und Absprachen bei der Besetzung von Führungskräften.
  • Echte Mitsprache- und Mitbestimmungsrechte wie sie zwar im ORF-Gesetz und dem Redakteursstatut vorgesehen sind, in der Praxis aber von der Geschäftsführung ignoriert werden.
  • Als Grundsatz im multimedialen Newsroom: Eine Person darf nicht über alle wesentlichen Inhalte in der gesamten ORF-Berichterstattung bestimmen.

Rückfragen & Kontakt:

Dieter Bornemann
Vorsitzender des Redakteursrates
Tel.: 01/87878/12 457

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