• 15.04.2015, 19:30:01
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Wiener Zeitung – Leitartikel von Reinhard Göweil: „Google, hupf!“

Ausgabe vom 16. April 2015

Utl.: Ausgabe vom 16. April 2015 =

Wien (OTS) - Google droht eine EU-Kartellstrafe in der Höhe von bis
zu sechs Milliarden Euro wegen unfairer Geschäftspraktiken. Microsoft
hat schon zweimal eine EU-Strafe ausgefasst, insgesamt knapp mehr als
eine Milliarde Euro. Auch dabei ging es um das schamlose Ausnutzen
der Marktmacht.

Gut so, mag man einwenden. Endlich zeigt Europa, dass es sich nicht
alles gefallen lässt von global agierenden Konzernen, denen Profite
lieber sind als die Gleichbehandlung im Netz.

Die Strafen sind schon in Ordnung, das Versagen Europas beginnt aber
viel früher. Die digitalen Großkonzerne kommen aus den USA, ihre
Nachfolger aus China und Südkorea.

Es gibt keine europäischen Konzerne wie Apple, Microsoft, Google,
Samsung. Ein industriepolitisches Versagen der Sonderklasse. Dass
sich Europa auch noch die mobile Technologie wegnehmen hat lassen,
obwohl Ericsson und Nokia hier lange führend waren, ist sozusagen das
Tüpfelchen auf dem i.

Ohne Microsoft und Apple würde in Europa kein Computer funktionieren,
ohne Google und Facebook wären die Online-Zugriffszahlen europäischer
Verlags- und Handelshäuser deutlich niedriger.

Google soll nun hupfen und die Reihung in der Suchmaschine nicht mehr
nach kommerziellen Kriterien vornehmen. Das Google gehörende
Android-System soll nicht zu stark werden in Europa. Die
EU-Geldstrafe soll das bewirken.

Es wird nichts dergleichen passieren. Google wird zahlen, im
schlimmsten Fall ist die Strafe so hoch wie ein Quartalsgewinn des
Unternehmens. Schon Microsoft bezahlte die Strafe locker.

Doch was kommt danach? Europa wird seine technologische Abhängigkeit
von Amerika und Asien trotzdem beibehalten.

Dass sich nun Rest-Nokia und Alcatel zusammenschließen, ist ein
Pflänzchen - doch es muss von der EU auch gegossen werden. Nur mit
technologischen Schwergewichten lässt sich eine Szene aufbauen wie im
Silicon Valley. Es sind die US-Multis, die dort kleine Start-ups mit
Geld versorgen und einfach machen lassen. Es wird schon etwas
herauskommen dabei, lautet deren Tenor. Und es kommt etwas heraus
dabei. Die digitale Kluft wird dadurch noch größer.

Die EU sollte daher schleunigst trachten, in Europa ebenfalls solche
Bedingungen zu schaffen. Denn ein erheblicher Teil der Erfinder im
Silicon Valley stammt eigentlich aus Europa...

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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