- 15.04.2015, 18:30:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Konjunkturelles Unbehagen" - von André Kühnlenz
Wien (OTS) - Von Alarmstimmung in der Weltwirtschaft ist derzeit
nichts zu spüren. Wer sich die jüngste Prognose des Internationalen
Währungsfonds (IWF) anschaut, dürfte dafür auch wenig Grund finden.
Das globale Wachstum werde 2015 mit 3,5 Prozent etwas stärker
ausfallen als im Vorjahr, heißt es. Makroökonomische Risken, wie die
Rezession im Euroland und die Deflationsgefahr, seien zuletzt
geschwunden, sagt IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard.
Und doch lösen die jüngsten Konjunkturdaten Unbehagen aus - ein
Unbehagen, aus dem schneller echte Bauchschmerzen werden können, als
uns lieb ist.
In Peking haben die Statistiker die Wachstumsrate für das erste
Quartal bereits offiziell verkündet. Wird sie auf ein Jahr
hochgerechnet, ist Chinas Volkswirtschaft nur noch um 5,3 Prozent
gewachsen. Sollte die Regierung diesen Trend nicht aufhalten, steht
dem Land also eine empfindliche Abkühlung bevor. In den USA wiederum
legen monatliche Konjunkturdaten nahe, dass die Wirtschaft Anfang
dieses Jahres gerade einmal mit einer annualisierten Rate von knapp
mehr als einem Prozent gewachsen sei, wie Schätzungen von Barclays
und Moody's Analytics zeigen.
Sicher: Derzeit führen viele Ökonomen die aktuelle Schwäche der
amerikanischen Volkswirtschaft auf Sondereinflüsse zurück - wie den
strengen Winter oder Streiks in den Häfen der Westküste. Trotz des
zuletzt langsameren Jobaufbaus bleibe die Binnennachfrage robust, was
die Unternehmen animieren sollte, ihren Kapitalstock wieder
auszuweiten, heißt es dann oft.
Doch werden die Amerikaner dafür wieder mehr Geld ausgeben? Ohne
Wohnungsbau zeichnet sich schon jetzt ab, dass im ersten Quartal die
Investitionen gesunken sind. Und diese richten sich nicht nur nach
der erwarteten Marktnachfrage, sondern vor allem nach der
Profitabilität. Die operativen Gewinnmargen liegen in den USA aber
bereits auf historisch hohem Niveau. Das Verhältnis von
Betriebsüberschuss zur Lohnsumme in der Privatwirtschaft war 2014 so
groß, wie es zuletzt Mitte der 1960er-Jahre gesehen wurde.
Oft zeichnet sich aber eine nahende Rezession dann ab, wenn diese
Quote zu drehen und die Profitabilität zu sinken beginnt. So weit
sind wir wohl noch nicht. Doch Jahre dürfte es kaum noch dauern, bis
der Trend dreht. Im Jänner und Februar sanken die Gewinne in Chinas
Großunternehmen übrigens bereits um 4,2 Prozent.
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