Ökonom Sedlacek: Kein endgültiges Glück in dieser Welt

Tschechischer Wirtschaftswissenschaftler hielt Eröffnungsvortrag bei Symposium "Wirtschaft-Gemeinwohl-Glück" an der Universität Wien - "Einsamkeit des Kapitalismus" als Ergebnis der Flucht des Menschen zu einem "Immer mehr" -Wiener Sozialethikerin Gabriel: Kirche soll zwischen Wirtschaft und Ethik vermitteln

Wien, 10.4.2015 (KAP) Die Menschheit kann in dieser Welt nach Ansicht des renommierten tschechischen Ökonomen Tomas Sedlacek ("Die Ökonomie von Gut und Böse") nie voll und ganz glücklich sein. "Wenn ein Mensch einige Wünsche erfüllt hat, strebt er nach mehr. Er wird immer neue Wünsche haben", so Sedlacek am Donnerstagabend im Eröffnungsvortrag zum Internationalen Symposium "Wirtschaft - Gemeinwohl - Glück" an der Universität Wien.

Die Ausführungen des Professors an der Prager Karlsuniversität standen unter dem fragenden Motto "Kann die Menschheit glücklich sein?". Seine verneinende Position untermauerte er u.a. auch mit der Bibel, wonach der Mensch schon im Garten Eden "nicht wirklich glücklich" geworden sei, sondern sich nach immer mehr gesehnt habe.

Es gebe keine perfekte Welt, so der Ökonom. Er sprach von der "Einsamkeit des Kapitalismus", wohin sich Menschen mit ihrem Streben nach "immer mehr" flüchten. Das sei keine neue Entwicklung. Schon Adam habe laut des Buches Genesis dieses Gefühl der Einsamkeit in einer somit "nicht perfekten Welt" verspürt.

Sedlaceks Erklärungskonzepte wirtschaftlicher Vorgänger sind viel beachtet und viel diskutiert. Er hebt sich bei seinen Untersuchungen von Fachkollegen ab, indem er Wirtschaftssysteme anhand der Bibel oder literarischer und filmischer Werken erläutert. Er gab zu, dass seine Ansätze und Vergleiche manchmal "fern der Realität" seien. Trotzdem wolle er sich seine Herangehensweise behalten:
"Ich lasse es mir nicht nehmen, ein Visionär zu sein."

Die direkte Beziehung zwischen Wirtschaft und Ethik liegt für Sedlacek auf der Hand: "Die Ökonomie selbst ist eine starke moralische Schule." Für ihn gebe es aber in der Wirtschaft nicht lediglich "ein ethisches Vakuum in der Mitte"; die Ökonomie hat "eine starke Ethik in sich selbst".

Gabriel: Würde des Menschen wesentlich

Für ein intensiveres Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Ethik könne die Kirche ein Forum bieten, um bestimmte Fragen in die Öffentlichkeit zu tragen und verschiedene Akteure zusammenzubringen. Davon zeigte sich die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel im Gespräch mit "Kathpress" am Rande des Symposions überzeugt.

Die Kirche dürfe sich laut Gabriel in der Vermittlung zwischen Wirtschaft und Ethik nicht "von Interessen vereinnahmen" lassen und müsse Stellung beziehen:
"Aus unserer Sicht ist die Würde des Menschen wesentlich." Diese werde verletzt, wenn Menschen in Armut leben, so die Sozialethikerin: "Gegenwärtige Wirtschaftsformen führen zu einer derartigen Exklusion."

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(forts. mgl.) gpu/fam/

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