WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Fusionszwang nimmt zu" - von Andreas Wolf

Wien (OTS) - Jahrelang haben vor allem die wenig risikofreudigen europäischen Unternehmen wegen der Finanzkrise ihre Spar- konten aufgefüllt. Die anfangs notwendigen Sparmaßnahmen wurden später noch verlängert, um die eigene Effizienz zu steigern. Das führte zwar nicht zu höheren Umsätzen, durchaus aber zu steigenden Gewinnen. Natürlich lässt sich so noch eine Zeit lang aus Managementsicht gut leben, allerdings ist der positive Effekt daraus für das Unternehmen limitiert. Entweder greift dann eine neue Wachstumsstrategie oder es beginnt der Zukauf von Wachstum, auch als Übernahme oder Fusion bekannt.

Ersteres wäre dann notwendig, wenn man nur über klamme Kassen verfügt und seine Kreativität einsetzen muss. Fall zwei ist hingegen gerade in Europa zu beobachten. Die Übernahme der BG Group durch Shell im Volumen von 70 Milliarden US-$ resultiert ganz einfach aus mangelnden Handlungsalternativen, denn das Geld konservativ anzulegen, erwirtschaftet nicht genügend Rendite. Also versucht ein großes Unternehmen seine Marktmacht weiter auszubauen und gleichzeitig wieder mehr Wachstum zu generieren.

Diese Vorgehensweise war bereits in den vergangenen zwei Jahren in den USA zu beobachten, wo die Mega-Deals genau aus diesem Grund zugenommen haben. In der Endphase des Internethypes war dies ein Warnsignal für eine bevorstehende Marktbereinigung.

Die aktuelle Situation ist aber eine andere, denn die wenigsten Deals sind wie damals vollständig kreditfinanziert. Eine Korrektur an den Börsen ist deshalb nicht zu befürchten, vielmehr dürfte es jetzt zu verstärkten Übernahmeaktivitäten auch in anderen Sektoren kommen. Dass speziell in der Ölbranche weitere Fusionen zu erwarten sind, dürfte aus dem Druck durch den niedrigen Ölpreis resultieren.

Andere Sektoren, wie die Pharmaindustrie, befinden sich bereits seit 2010 in einem Konzentrationsprozess. Weitere Kandidaten der näheren Zukunft sind die Finanzindustrie sowie der Telekom-Sektor. Für die Banken dürften die hohen Kosten in Sachen Regulierungen den Fusionszwang erhöhen, bei den Telekom-Unternehmen der teure Ausbau der Netze wegen der Schaffung internationaler Standards. Die Anzahl der sogenannten Mega-Deals dürfte also in den kommenden Jahren noch steigen und Aktienmärkte wie Anleger weiter in Atem halten.

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