• 08.04.2015, 18:30:16
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Fusionszwang nimmt zu" - von Andreas Wolf

Wien (OTS) - Jahrelang haben vor allem die wenig risikofreudigen
europäischen Unternehmen wegen der Finanzkrise ihre Spar- konten
aufgefüllt. Die anfangs notwendigen Sparmaßnahmen wurden später noch
verlängert, um die eigene Effizienz zu steigern. Das führte zwar
nicht zu höheren Umsätzen, durchaus aber zu steigenden Gewinnen.
Natürlich lässt sich so noch eine Zeit lang aus Managementsicht gut
leben, allerdings ist der positive Effekt daraus für das Unternehmen
limitiert. Entweder greift dann eine neue Wachstumsstrategie oder es
beginnt der Zukauf von Wachstum, auch als Übernahme oder Fusion
bekannt.

Ersteres wäre dann notwendig, wenn man nur über klamme Kassen verfügt
und seine Kreativität einsetzen muss. Fall zwei ist hingegen gerade
in Europa zu beobachten. Die Übernahme der BG Group durch Shell im
Volumen von 70 Milliarden US-$ resultiert ganz einfach aus mangelnden
Handlungsalternativen, denn das Geld konservativ anzulegen,
erwirtschaftet nicht genügend Rendite. Also versucht ein großes
Unternehmen seine Marktmacht weiter auszubauen und gleichzeitig
wieder mehr Wachstum zu generieren.

Diese Vorgehensweise war bereits in den vergangenen zwei Jahren in
den USA zu beobachten, wo die Mega-Deals genau aus diesem Grund
zugenommen haben. In der Endphase des Internethypes war dies ein
Warnsignal für eine bevorstehende Marktbereinigung.

Die aktuelle Situation ist aber eine andere, denn die wenigsten Deals
sind wie damals vollständig kreditfinanziert. Eine Korrektur an den
Börsen ist deshalb nicht zu befürchten, vielmehr dürfte es jetzt zu
verstärkten Übernahmeaktivitäten auch in anderen Sektoren kommen.
Dass speziell in der Ölbranche weitere Fusionen zu erwarten sind,
dürfte aus dem Druck durch den niedrigen Ölpreis resultieren.

Andere Sektoren, wie die Pharmaindustrie, befinden sich bereits seit
2010 in einem Konzentrationsprozess. Weitere Kandidaten der näheren
Zukunft sind die Finanzindustrie sowie der Telekom-Sektor. Für die
Banken dürften die hohen Kosten in Sachen Regulierungen den
Fusionszwang erhöhen, bei den Telekom-Unternehmen der teure Ausbau
der Netze wegen der Schaffung internationaler Standards. Die Anzahl
der sogenannten Mega-Deals dürfte also in den kommenden Jahren noch
steigen und Aktienmärkte wie Anleger weiter in Atem halten.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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