- 08.04.2015, 10:25:56
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Einkaufstest: HobbygärtnerInnen werden nicht über Krebsrisiko von Glyphosat informiert
GLOBAL 2000 fordert: Verkauf an Private stoppen und EU-Verbot für krebserregende Pestizide.
Utl.: GLOBAL 2000 fordert: Verkauf an Private stoppen und EU-Verbot
für krebserregende Pestizide. =
Wien (OTS) - am 8. April 2015: Die WHO-Einstufung des von
HobbygärtnerInnen am häufigsten verwendeten Pestizids als
"wahrscheinlich krebserregend" veranlasste die österreichische
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zu einem spontanen Einkaufstest
in insgesamt 13 Gartencentern, Baumärkten, Gärtnereien und
Lagerhäusern im Raum Wien. Das Ergebnis: In 9 von 13 Fällen wurden
glyphosathältige Präparate als erste Wahl zur Unkrautvernichtung nahe
gelegt. Darüber, dass der Wirkstoff Glyphosat nun als "wahrscheinlich
krebserregend" eingestuft ist, wurden die TesteinkäuferInnen in
keinem einzigen Fall - auch nicht auf Nachfrage - informiert. DI Dr.
Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: "Zwischen der
Einstufung von Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend und unserem
Einkaufstest lagen rund zwei Wochen. Trotzdem schienen die
VerkaufsberaterInnen keine Informationen über die Einstufung des
meistverkauften Pestizids als krebserregend zu haben. So werden
HobbygärtnerInnen weiterhin im Glauben gelassen, Glyphosat wäre
gesundheitlich völlig unbedenklich."
Gesundheitsrisiko Lymphdrüsenkrebs
Die Einstufung von Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" durch
die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der
Weltgesundheitsorganisation WHO wurde am 20. März publiziert, nachdem
ein internationales Gremium aus 17 unabhängigen Wissenschaftern und
Experten sich zuvor rund ein Jahr eingehend mit den zur Verfügung
stehenden wissenschaftlichen Publikationen zu Glyphosat auseinander
gesetzt hatte. Doz. Dr. Hanns Moshammer, Umweltmediziner an der Med
Uni Wien und Vorsitzender ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, erklärt:
"Die WissenschafterInnen kamen zum Schluss, dass die krebserzeugende
Wirkung von Glyphosat beim Tier ausreichend belegt ist. Für den
Menschen fanden sie unter anderem in drei unabhängigen
epidemiologischen Studien aus den USA, Kanada und Schweden Hinweise
für ein erhöhtes Risiko am Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, einer
weit verbreiteten Form von Lymphdrüsenkrebs. Da hierzu auch
widersprüchliche Studien vorliegen, erfolgte die Einstufung als
'wahrscheinlich' krebserregend (Kategorie 2A). Die IARC ist dafür
bekannt, bei der Einstufung von Chemikalien als 'krebserregend' eher
zurückhaltend und in jedem Fall sorgfältig zu agieren. Daher ist die
Einstufung von Glyphosat als 'wahrscheinlich krebserregend' sehr
ernst zu nehmen und Maßnahmen zur Reduktion des Risiko für
AnwenderInnen dringend notwendig." In Ländern, allen voran
Argentinien, wo mit der Einführung von Gen-Soja und Gen-Mais ein
starker Anstieg des Glyphosat-Einsatzes einhergeht, wird schon seit
Jahren neben der Zunahme von Fehlgeburten und Missbildungen auch über
eine signifikante Zunahme bestimmter Krebsarten, allen voran des
Lymphknotenkrebses (Non-Hodgkin-Lymphoms) in landwirtschaftlichen
Regionen berichtet.
EU muss rasch reagieren
In Europa hingegen ist Glyphosat offiziell leider derzeit noch immer
als gesundheitlich weitgehend unbedenklich eingestuft. So fand das
für die EU-weite Bewertung von Glyphosat zuständige deutsche
"Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) - nach eigener Aussage -
trotz Prüfung von über tausend wissenschaftlichen Studien "keinerlei
Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder
fruchtschädigende Wirkung" durch Glyphosat. Burtscher dazu: "Dass das
Expertengremium der WHO anhand der gleichen Studien zu ganz anderen
Schlussfolgerungen kommt und eigentlich ausreichend Evidenz für die
Einstufung als ’wahrscheinlich krebserregend’ vorfand, stellt die
europäische Risikobewertung für Pestizide in ein zweifelhaftes Licht.
Sie muss ihre Bewertung nun raschest möglich dem Erkenntnisstand der
WHO anpassen und die europaweite Zulassung von Glyphosat
zurückziehen."
Alternativen für KonsumentInnen: Biologische Unkrautvernichter oder
Jäten
Empfohlen wird für KonsumentInnen inzwischen der Umstieg auf
natürliche Unkrautvernichtungsmittel wie z.B. auf Produkte auf
Essigsäurebasis - oder ganz einfach mechanisch das Jäten des
Unkrauts. Bereits alle glyphosathältigen Präparate aus all seinen 26
Filialen verbannt hat Österreichs größtes Gartencenter für den
privaten Bereich, bellaflora. Dieses wagte 2013 den Ausstieg aus
sämtlichen chemisch-synthetischen Pestiziden und setzt seither
ausschließlich auf biologischen Pflanzenschutz. Mag. Isabella
Hollerer, Leitung Nachhaltige Entwicklung bellaflora: "Die
zahlreichen wissenschaftlichen Studien über das Gefährdungspotential
von Pestiziden, darunter auch Glyphosat, haben uns sehr beunruhigt.
Deshalb haben wir beschlossen zu handeln, freiwillig, ohne auf den
Gesetzgeber zu warten. Wir nahmen ein großes wirtschaftliches Risiko
auf uns - jedoch sind die KonsumentInnen den Weg zu nachhaltigem
Pflanzenschutz mit uns gegangen. Denn für die meisten Pestizide gibt
es biologische Alternativen. Unternehmen, die jetzt auch diesen
Schritt setzen wollen, können also auch mit wirtschaftlichem Erfolg
rechnen - die Kunden begrüßen dieses Engagement."
Appell an Politik und Handel: Es geht auch anders!
GLOBAL 2000 fordert nun:
1. den freiwilligen Verzicht auf Glyphosat-hältige
Unkrautvernichtungsmittel durch Baumärkte, Gartencenter, Gärtnereien
und Lagerhäuser
2. dass Österreich innerhalb der EU mit gutem Beispiel voraus geht:
Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter kann über ein "Verbot des
Inverkehrbringens" handeln, aber auch die Bundesländer oder Gemeinden
können ein "Anwendungsverbot" aussprechen bzw. Gemeinden auf das
Ausbringen im öffentlichen Raum verzichten.
3. ein generelles EU-weites Verbot des Wirkstoffs Glyphosat zum
Schutz von HobbygärtnerInnen, KonsumentInnen und LandwirtInnen.
Der Schutz der menschlichen Gesundheit muss Vorrang haben!
Fotos der PK:
Bilder werden etwa um 12.00 Uhr online auf dem GLOBAL 2000 Flickr
Account downloadbar sein - unter
https://www.flickr.com/photos/global2000 (Fotocredit GLOBAL 2000 /
Katharina Schiffl).
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