Einkaufstest: HobbygärtnerInnen werden nicht über Krebsrisiko von Glyphosat informiert

GLOBAL 2000 fordert: Verkauf an Private stoppen und EU-Verbot für krebserregende Pestizide.

Wien (OTS) - am 8. April 2015: Die WHO-Einstufung des von HobbygärtnerInnen am häufigsten verwendeten Pestizids als "wahrscheinlich krebserregend" veranlasste die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zu einem spontanen Einkaufstest in insgesamt 13 Gartencentern, Baumärkten, Gärtnereien und Lagerhäusern im Raum Wien. Das Ergebnis: In 9 von 13 Fällen wurden glyphosathältige Präparate als erste Wahl zur Unkrautvernichtung nahe gelegt. Darüber, dass der Wirkstoff Glyphosat nun als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft ist, wurden die TesteinkäuferInnen in keinem einzigen Fall - auch nicht auf Nachfrage - informiert. DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: "Zwischen der Einstufung von Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend und unserem Einkaufstest lagen rund zwei Wochen. Trotzdem schienen die VerkaufsberaterInnen keine Informationen über die Einstufung des meistverkauften Pestizids als krebserregend zu haben. So werden HobbygärtnerInnen weiterhin im Glauben gelassen, Glyphosat wäre gesundheitlich völlig unbedenklich."

Gesundheitsrisiko Lymphdrüsenkrebs

Die Einstufung von Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde am 20. März publiziert, nachdem ein internationales Gremium aus 17 unabhängigen Wissenschaftern und Experten sich zuvor rund ein Jahr eingehend mit den zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Publikationen zu Glyphosat auseinander gesetzt hatte. Doz. Dr. Hanns Moshammer, Umweltmediziner an der Med Uni Wien und Vorsitzender ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, erklärt:
"Die WissenschafterInnen kamen zum Schluss, dass die krebserzeugende Wirkung von Glyphosat beim Tier ausreichend belegt ist. Für den Menschen fanden sie unter anderem in drei unabhängigen epidemiologischen Studien aus den USA, Kanada und Schweden Hinweise für ein erhöhtes Risiko am Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, einer weit verbreiteten Form von Lymphdrüsenkrebs. Da hierzu auch widersprüchliche Studien vorliegen, erfolgte die Einstufung als 'wahrscheinlich' krebserregend (Kategorie 2A). Die IARC ist dafür bekannt, bei der Einstufung von Chemikalien als 'krebserregend' eher zurückhaltend und in jedem Fall sorgfältig zu agieren. Daher ist die Einstufung von Glyphosat als 'wahrscheinlich krebserregend' sehr ernst zu nehmen und Maßnahmen zur Reduktion des Risiko für AnwenderInnen dringend notwendig." In Ländern, allen voran Argentinien, wo mit der Einführung von Gen-Soja und Gen-Mais ein starker Anstieg des Glyphosat-Einsatzes einhergeht, wird schon seit Jahren neben der Zunahme von Fehlgeburten und Missbildungen auch über eine signifikante Zunahme bestimmter Krebsarten, allen voran des Lymphknotenkrebses (Non-Hodgkin-Lymphoms) in landwirtschaftlichen Regionen berichtet.

EU muss rasch reagieren

In Europa hingegen ist Glyphosat offiziell leider derzeit noch immer als gesundheitlich weitgehend unbedenklich eingestuft. So fand das für die EU-weite Bewertung von Glyphosat zuständige deutsche "Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) - nach eigener Aussage -trotz Prüfung von über tausend wissenschaftlichen Studien "keinerlei Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung" durch Glyphosat. Burtscher dazu: "Dass das Expertengremium der WHO anhand der gleichen Studien zu ganz anderen Schlussfolgerungen kommt und eigentlich ausreichend Evidenz für die Einstufung als ’wahrscheinlich krebserregend’ vorfand, stellt die europäische Risikobewertung für Pestizide in ein zweifelhaftes Licht. Sie muss ihre Bewertung nun raschest möglich dem Erkenntnisstand der WHO anpassen und die europaweite Zulassung von Glyphosat zurückziehen."

Alternativen für KonsumentInnen: Biologische Unkrautvernichter oder Jäten

Empfohlen wird für KonsumentInnen inzwischen der Umstieg auf natürliche Unkrautvernichtungsmittel wie z.B. auf Produkte auf Essigsäurebasis - oder ganz einfach mechanisch das Jäten des Unkrauts. Bereits alle glyphosathältigen Präparate aus all seinen 26 Filialen verbannt hat Österreichs größtes Gartencenter für den privaten Bereich, bellaflora. Dieses wagte 2013 den Ausstieg aus sämtlichen chemisch-synthetischen Pestiziden und setzt seither ausschließlich auf biologischen Pflanzenschutz. Mag. Isabella Hollerer, Leitung Nachhaltige Entwicklung bellaflora: "Die zahlreichen wissenschaftlichen Studien über das Gefährdungspotential von Pestiziden, darunter auch Glyphosat, haben uns sehr beunruhigt. Deshalb haben wir beschlossen zu handeln, freiwillig, ohne auf den Gesetzgeber zu warten. Wir nahmen ein großes wirtschaftliches Risiko auf uns - jedoch sind die KonsumentInnen den Weg zu nachhaltigem Pflanzenschutz mit uns gegangen. Denn für die meisten Pestizide gibt es biologische Alternativen. Unternehmen, die jetzt auch diesen Schritt setzen wollen, können also auch mit wirtschaftlichem Erfolg rechnen - die Kunden begrüßen dieses Engagement."

Appell an Politik und Handel: Es geht auch anders!

GLOBAL 2000 fordert nun:
1. den freiwilligen Verzicht auf Glyphosat-hältige Unkrautvernichtungsmittel durch Baumärkte, Gartencenter, Gärtnereien und Lagerhäuser
2. dass Österreich innerhalb der EU mit gutem Beispiel voraus geht:
Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter kann über ein "Verbot des Inverkehrbringens" handeln, aber auch die Bundesländer oder Gemeinden können ein "Anwendungsverbot" aussprechen bzw. Gemeinden auf das Ausbringen im öffentlichen Raum verzichten.
3. ein generelles EU-weites Verbot des Wirkstoffs Glyphosat zum Schutz von HobbygärtnerInnen, KonsumentInnen und LandwirtInnen.

Der Schutz der menschlichen Gesundheit muss Vorrang haben!

Fotos der PK:
Bilder werden etwa um 12.00 Uhr online auf dem GLOBAL 2000 Flickr Account downloadbar sein - unter
https://www.flickr.com/photos/global2000 (Fotocredit GLOBAL 2000 /
Katharina Schiffl).

Rückfragen & Kontakt:

Mag. (FH) Karin Nakhai, Pressesprecherin GLOBAL 2000, 0699 142 000 20 oder presse@global2000.at
DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker GLOBAL 2000, 0699 142 000 34 oder helmut.burtscher@global2000.at
Doz. Dr. Hanns Moshammer, Institut für Umwelthygiene der Med Uni Wien und Vorsitzender von ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, 01 40160 34 935 oder hanns.moshammer@meduniwien.at
Mag. Isabella Hollerer, Leitung Nachhaltige Entwicklung bellaflora, 0664 264 17 95 oder hollerer@bellaflora.at

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