• 02.04.2015, 20:51:38
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Nachlassende Dynamik, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Was für ein Quartal: Der gerade abgelaufene
Dreimonatszeitraum ist für den Dax der beste seit zwölf Jahren
gewesen. Der deutsche Leitindex verzeichnete ein enormes Plus von
rund 23% und ließ damit die meisten anderen europäischen Indizes und
auch die Wall Street weit hinter sich. Zu verdanken hat das der Markt
in erster Linie der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem
Bondkaufprogramm zwar erneut kaum die Realwirtschaft, aber dafür umso
stärker die Finanzmärkte beflügelt. Der Aktienmarkt hat sich somit
weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt. Dies ist freilich ein
Zustand, der auf Dauer nicht haltbar ist.

Was das neue Quartal betrifft, so dürfte der EZB-Effekt eine weniger
prominente Rolle spielen, da er nach Ansicht vieler Beobachter im
Kursniveau bereits weitgehend eingepreist ist. Dementsprechend
rechnen viele Analysten mit Stagnation der Kurse: So sehen etwa die
Aktienstrategen von 19 Instituten, die am ZEW-Prognosetest
teilnehmen, den Dax per Ende Juni im Durchschnitt bei gerade einmal
11818 Punkten. Und selbst die besonders optimistischen Häuser glauben
nicht, dass der Dax auf Sicht von sechs Monaten die nächste
Tausendermarke von 13000 Zählern erreichen wird.

Banken zu pessimistisch

Allerdings zeigt der Rückblick, dass die am ZEW-Prognosetest
teilnehmenden Häuser bislang zu pessimistisch waren. Sie hatten den
EZB-Effekt deutlich unterschätzt und Ende Dezember prognostiziert,
dass der Dax per Ende März dieses Jahres bei lediglich 9953 Punkten
stehen würde.

Aktuell wird somit der EZB-Effekt wiederum die große Unbekannte sein.
Ob die Marktpsychologie weiterhin von der Notenbank getragen wird und
in welchem Umfang die von der EZB bereitgestellte Liquidität den Weg
in den Aktienmarkt findet, lässt sich derzeit nur schwer voraussagen.

Zur Beantwortung der Frage, ob die Rally weitergeht, ist auch zu
berücksichtigen, dass Investoren aus Übersee ein wichtiger Faktor am
europäischen und deutschen Aktienmarkt sind. An der Wall Street hat
die Kursentwicklung zuletzt stagniert, so dass Europa aus Sicht
vieler US-Anleger sehr attraktiv geworden ist - wozu auch der
schwache Euro beigetragen hat. Da sich der Niedergang der
Gemeinschaftswährung zuletzt stark verlangsamt hat, müssen
US-Investoren auch längst nicht mehr so stark fürchten, dass ihre
Engagements auf dieser Seite des Atlantiks durch die
Währungsverschiebungen rasant an Wert verlieren. Das Interesse am
deutschen Aktienmarkt aus den USA wird also hoch bleiben, zumal die
Perspektive der Zinsanhebungen durch die Fed auf dem US-Aktienmarkt
lastet. Dem Interesse an Dividendentiteln förderlich ist zudem die
Tatsache, dass die Renditen von Anleihen immer kleiner werden,
weshalb Anleger um Aktien kaum noch herumkommen.

Es gibt aber - neben dem EZB-Effekt - noch eine weitere große
Unbekannte: die Konjunkturentwicklung in der Eurozone und ihre
Translation in Unternehmensgewinne. Dabei sieht es nicht mehr so
schlecht aus wie noch vor ein paar Monaten. Wie die Ökonomen der
Essener National-Bank anmerken, haben die Indikatoren aus dem
Euroraum in den vergangenen Wochen regelmäßig überrascht. "Es sieht
ganz danach aus, als ob die Konjunktur hierzulande den Tiefpunkt
hinter sich gelassen hat", meinen sie.

Allerdings erscheinen die Gewinnschätzungen und damit die Bewertungen
am europäischen und deutschen Aktienmarkt ambitioniert. Die
Erwartungen der Analysten sind zuletzt, wohl um den rasanten Anstieg
des Kursniveaus zu rechtfertigen, noch weiter angehoben worden. Auch
wenn der schwache Euro die Gewinne der exportorientierten Unternehmen
weiter stärkt: Es ist nicht zu erwarten, dass die Unternehmen in den
kommenden beiden Quartalen in der Lage sind, die bereits sehr
optimistischen Analysten hinsichtlich der Ertragslage positiv zu
überraschen - was eine wesentliche Voraussetzung für die Fortsetzung
der Rally wäre. Die Dynamik am Aktienmarkt wird daher deutlich
nachlassen.

Grexit rückt näher

Bleibt noch ein Unsicherheitsfaktor: der immer näher rückende Grexit.
Er könnte den Aktienmarkt zumindest kurzfristig unter Druck setzen,
auch wenn die Finanzmärkte genügend Zeit hatten, sich auf das
Ereignis vorzubereiten. Die Auswirkungen dürften sich - abgesehen von
kurzfristig möglicherweise ausgeprägteren Kursschwankungen-wegen der
weitgehenden Übertragung der Griechenland-Risiken der privaten Banken
auf die öffentlichen Haushalte aber wohl in Grenzen halten.

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