• 31.03.2015, 18:30:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Eine Steuer ohne wirtschaftlichen Verstand" - von Andreas Wolf

Wien (OTS) - Als sich im Frühjahr 2009 infolge der Finanzkrise die
wichtigsten Industriestaaten in London zu einem Finanzgipfel trafen,
sollte das Fundament für eine neue weltweit geltende Finanzordnung
gelegt werden. Alle Teilnehmer versprachen daher, die Finanzmärkte
stärker zu kontrollieren. Sechs Jahre danach gibt es zwar in allen
Ländern stärkere Regulierungen, deren praktische Anwendung wird
hingegen sehr unterschiedlich ausgelegt.

Während Asien und die USA längst wieder zum Status vor der
Finanzkrise zurückgekehrt sind und die Auswirkungen regulativer
Eingriffe auf ihre Finanzmärkte auf ein Minimum beschränken, versucht
sich ein Großteil Europas, mit Ausnahme Großbritanniens, in neuen
regulierenden Eingriffen.

Die Finanztransaktionssteuer, nur von einem Teil der EU-Staaten
überhaupt beschlossen, soll als weiterer "Schutzwall" vor übermäßiger
Spekulationswut dienen. Dabei finden sich gerade auf dem europäischen
Kontinent im Vergleich zu Asien und den USA mittlerweile die
wenigsten Aktienbesitzer, geschweige denn Spekulanten. Der Versuch,
diese nach ihrem Erfinder, dem US-Wirtschaftswissenschaftler James
Tobin, benannte Steuer international Anfang der 1970er-Jahre
gesellschaftsfähig zu machen, scheiterte kläglich.

Das hindert einen harten Kern europäischer Staaten allerdings nicht
daran, ihr wenig sinnvolles Ziel weiter zu verfolgen. Denn nur wenn
es diese Steuer global gäbe, wäre auch ein Steuerungseffekt möglich.
Kehrt nicht doch noch wirtschaftlicher Sachverstand bei den Europäern
ein, werden vor allem Amerikaner und Asiaten die größten Profiteure
einer solchen Steuer sein.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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