WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Eine Steuer ohne wirtschaftlichen Verstand" - von Andreas Wolf

Wien (OTS) - Als sich im Frühjahr 2009 infolge der Finanzkrise die wichtigsten Industriestaaten in London zu einem Finanzgipfel trafen, sollte das Fundament für eine neue weltweit geltende Finanzordnung gelegt werden. Alle Teilnehmer versprachen daher, die Finanzmärkte stärker zu kontrollieren. Sechs Jahre danach gibt es zwar in allen Ländern stärkere Regulierungen, deren praktische Anwendung wird hingegen sehr unterschiedlich ausgelegt.

Während Asien und die USA längst wieder zum Status vor der Finanzkrise zurückgekehrt sind und die Auswirkungen regulativer Eingriffe auf ihre Finanzmärkte auf ein Minimum beschränken, versucht sich ein Großteil Europas, mit Ausnahme Großbritanniens, in neuen regulierenden Eingriffen.

Die Finanztransaktionssteuer, nur von einem Teil der EU-Staaten überhaupt beschlossen, soll als weiterer "Schutzwall" vor übermäßiger Spekulationswut dienen. Dabei finden sich gerade auf dem europäischen Kontinent im Vergleich zu Asien und den USA mittlerweile die wenigsten Aktienbesitzer, geschweige denn Spekulanten. Der Versuch, diese nach ihrem Erfinder, dem US-Wirtschaftswissenschaftler James Tobin, benannte Steuer international Anfang der 1970er-Jahre gesellschaftsfähig zu machen, scheiterte kläglich.

Das hindert einen harten Kern europäischer Staaten allerdings nicht daran, ihr wenig sinnvolles Ziel weiter zu verfolgen. Denn nur wenn es diese Steuer global gäbe, wäre auch ein Steuerungseffekt möglich. Kehrt nicht doch noch wirtschaftlicher Sachverstand bei den Europäern ein, werden vor allem Amerikaner und Asiaten die größten Profiteure einer solchen Steuer sein.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001