Brennpunkt Niedrigeinkommen: 260.000 verdienen trotz Vollzeit weniger als 1500 Euro pro Monat

Linz (OTS) - Der Anteil der Vollzeit-Niedrigeinkommen ist bundes- und oberösterreichweit noch immer hoch, obwohl die Gewerkschaften in den letzten Jahren deutliche Lohn- und Gehaltserhöhungen erkämpft haben. Um weitere Fortschritte zu erreichen, sind sowohl sozial- als auch wirtschaftspolitische Maßnahmen notwendig. "1500 Euro Mindestlohn bei Vollzeit in jeder Branche ist unser Ziel. Und die Einhaltung des Lohn- und Sozialdumping-Gesetzes muss wesentlich stärker als bisher kontrolliert werden", fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Fast 260.000 Arbeitnehmer/-innen in Österreich erhielten 2013 für ihre Vollzeitarbeit monatlich weniger als 1500 Euro brutto. Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen (53 Prozent) sind Frauen. Österreichweit verdienten knapp zwölf Prozent der Vollzeitbeschäftigten unter 1500 Euro brutto. Oberösterreich liegt etwa im Bundesschnitt.

Niedrigeinkommen bei Frauen häufiger
Frauen sind häufiger als Männer von niedrigen Vollzeiteinkommen betroffen. Während weniger als neun Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer unter 1500 Euro verdienen, sind es bei den Frauen doppelt so viele (etwa 18 Prozent). In Oberösterreich liegt der Männeranteil mit acht Prozent etwas unter dem Durchschnitt, der Frauenanteil aber mit mehr als einem Fünftel deutlich darüber.

Für 58 Prozent ist es schwer, mit dem Einkommen auszukommen
Kein Wunder, dass viele mit ihrem gesamten Einkommen (Lohn, Sozialleistungen usw.) nicht auskommen: Laut dem Österreichischen Arbeitsklima Index der AK OÖ kommen 58 Prozent gerade noch (48 Prozent) oder gar nicht (10 Prozent) mit ihrem Einkommen aus. Besonders hoch ist der Anteil bei den Arbeitern/-innen, wo dies auf mehr als zwei Drittel zutrifft. "Unter den Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeitern sind es sogar mehr als drei Viertel", betont AK-Präsident Kalliauer.

Aufgrund lohnpolitischer Verhandlungserfolge der Gewerkschaften sind Jahr für Jahr immer weniger von niedriger Entlohnung betroffen. In einigen Branchen konnten deutliche Fortschritte erzielt werden -etwa im Handel, der 2013 noch absolut größten Niedriglohnbranche. Dort wurde von der Gewerkschaft ein ab heuer geltendes Vollzeit-Mindestgehalt von 1500 Euro brutto erreicht.

Forderungen der AK Oberösterreich
"Für eine wirksame und nachhaltige Anhebung von Niedrigeinkommen ist ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig", stellt der AK-Präsident fest. Er fordert:

  • Anhebung aller KV-Mindestlöhne und -gehälter auf 1500 Euro
  • Faire Lohn- und Gehaltserhöhungen zur Stärkung der Kaufkraft
  • Gleicher Lohn für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit für Frauen und Männer
  • Korrekte Einstufungen laut Kollektivvertrag
  • Korrekte Bezahlung der Über- und Mehrarbeitsstunden
  • Informationspflicht bei Unterbezahlung (durch Gebietskrankenkasse und Finanzamt nach Kontrollen) sowie Abschaffung kurzer Verfallsfristen
  • Wirksame Umsetzung des Lohn- und Sozialdumping-Gesetzes durch verstärkte Kontrollen mit entsprechender Personalausstattung
  • Modernisierung des Arbeitsrechts: Erweiterung des Arbeitnehmerbegriffs - für sogenannte "Scheinselbständige" muss der kollektivvertragliche Schutz gelten.

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