• 26.03.2015, 18:30:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Mehr dürfen, weniger müssen" - von Michael Vorauer

Wien (OTS) - Einmal mehr entzünden sich die (vor allem politischen)
Gemüter an der Einführung von Tourismuszonen in Wien. In diesen ist
die Sonntagsöffnung im Handel erlaubt. Das lädt das Thema emotional
auf. Dabei geht es nur um drei relativ kleine Bereiche Wiens, wie die
City. Kleine Bereiche mit Sonntagsöffnung, die aber einen großen
wirtschaftlichen Effekt auslösen würden.

Die Wirtschaftskammer Wien geht gestützt auf eine Untersuchung der
KMU Forschung Austria von einem zusätzlichen Umsatz von 140 Millionen
Euro im Jahr und 800 neuen Arbeitsplätzen aus. Die Gewerkschaft
GPA-djp bezweifelt die Zahlen. Aber: Selbst wenn es nur die Hälfte
wäre, wer will auf 70 Millionen Euro Umsatz und 400 Jobs verzichten?
Oder auf Gehaltszuschläge und Ersatzruhe bei den Beschäftigten?

Bei Tourismuszonen geht es nicht um die Einführung genereller
Sonntagsarbeit, wie es die Gewerkschaft derzeit suggeriert und damit
emotionalisiert. Es geht um klar abgegrenzte Bereiche mit hohem
Touristenaufkommen und die Möglichkeit, dort am Sonntag etwas zu
verkaufen. Rund 500 dieser Zonen gibt es bereits außerhalb der Wiener
Landesgrenzen, die problemlos funktionieren. Und bei denen sich
Arbeitgeber und Arbeitnehmer geeinigt haben. Warum also nicht auch in
Wien? Der Verdacht, dass vor der Gemeinderatswahl politisches
Kleingeld gemacht wird, liegt nah.

Was die Debatte um eine simple Maßnahme wie die Einführung von
Tourismuszonen auch aufwirft: Entwickelt sich das Land und speziell
seine Bundeshauptstadt Wien zu einer Verunmöglichungsgesellschaft? In
Österreich ist immer mehr von Müssen und weniger von Dürfen die Rede.
Verbote, Reglementierungen und Vergesetzlichung, wohin das Auge
blickt. Am Sonntag müssen die Geschäfte geschlossen bleiben, selbst
wenn viele Touristen (und in Wien werden es praktisch täglich mehr)
einkaufen wollen.

Am Ende des Tages geht es darum, es Unternehmern zu erleichtern,
Geschäfte zu machen, wenn sie die Möglichkeit dazu sehen - im Rahmen
von Tourismuszonen eben am Sonntag. Aufsperren zu dürfen bedeutet ja
nicht, aufsperren zu müssen. Genauso wenig wie am Sonntag arbeiten zu
müssen, sondern zu dürfen, wenn man das will.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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