- 25.03.2015, 18:30:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Die Ruhe vor dem Sturm" - von Oliver Jaindl
Wien (OTS) - Nein, nicht nur Bad News are Good News: Die heimische
Wirtschaft scheint derzeit laut den letzten Insolvenzzahlen des
KSV1870 so gut dazustehen wie schon lange nicht mehr. Die Zahl der
Pleiten und die Höhe der Zahlungsausfälle sind deutlich
zurückgegangen. Und: Laut Insolvenzexperten dürften Österreichs
Unternehmen in den nächsten Quartalen weiter in ruhigeren Gewässern
segeln. Eine Ursache dafür sind die niedrigen Zinsen und nicht die
Konjunktur, denn das Wachstum in Österreich ist - wie in großen
Teilen der EU - derzeit mickrig.
Wagen wir einmal ein Gedankenexperiment: Die EZB lässt die Zinsen
weiter wie angekündigt niedrig und pumpt wie versprochen fleißig
monatlich Milliardensummen in zweistelliger Höhe ins Finanzsystem auf
dem alten Kontinent. Wie jüngste Wirtschaftsdaten aus Deutschland
belegen, gibt es doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass es
konjunkturell in Europa bergauf geht - und damit auch irgendwann
einmal in Österreich. Vor allem, wenn heimische Unternehmen
wenigstens ein bisschen zu investieren beginnen und so den ersten
Dominostein anstoßen, der zu einer positiven konjunkturellen
Kettenreaktion führt.
Allerdings: Diese Phase wird auch nicht ewig dauern. Die
amerikanische Fed etwa bereitet die Märkte schon behutsam auf
Zinserhöhungen vor. In den USA zeigen bereits erste Wirtschaftsdaten,
dass die Konjunktureuphorie zu verfliegen beginnt: Der Dollar wurde
stärker und der Schiefergas-Boom wird durch die niedrigen Ölpreise
belastet.
Europa hinkt diesen Entwicklungen hinterher - vor allem wegen des
späteren Starts quantitativer Lockerungen. Wenn aber einer hintennach
hinkt und der andere vorneweg ist, bedeutet das, dass die USA in
unserem Gedankenexperiment aus Perspektive Europas die Rolle eines -
wenn auch mit Unschärfen behafteten - Vorlaufindikators einnehmen.
Unterm Strich kommt daher bei dem Planspiel heraus, dass heimische
Unternehmen ein bis zwei Jahre Galgenfrist haben, ehe die Zeiten
wieder rauer werden.
Daher: jetzt entschulden, jetzt umstrukturieren, jetzt das
Unternehmen robust aufstellen und ein bisschen investieren. Denn der
nächste Abschwung kommt bestimmt, samt höheren Kreditzinsen.
Und das sind dann Bad News, die wirkliche Bad News sind.
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