- 25.03.2015, 10:43:26
- /
- OTS0074 OTW0074
Jüdisches Museum Wien: Brauner eröffnet Ausstellung über Ringstraße
"RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard" zu sehen bis 4. Oktober 2015
Utl.: "RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard" zu sehen bis 4. Oktober
2015 =
Wien (OTS) - Im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik,
Wirtschaft und Kultur eröffnete Finanz- und Wirtschaftsstadträtin
Vizebürgermeisterin Renate Brauner am Dienstagabend die Ausstellung
"RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard" im Jüdischen Museum Wien,
einem Unternehmen der Wien Holding, anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums
der Errichtung von Wiens Prachtstraße.
"Die Errichtung der Wiener Ringstraße gilt als Meilenstein in der
Wiener Stadtgeschichte und markiert den Aufbruch Wiens in die
Moderne. Die Ringstraße heute ist in vielerlei Hinsicht einzigartig:
als Prachtboulevard und historische Sehenswürdigkeit genauso, wie als
wichtiger und starker Faktor für Tourismus, Kultur und Wirtschaft.
Doch die Ringstraße ist heute noch viel mehr: Sie ist ein Ort, an dem
das Leben pulsiert, mit zahlreichen Großevents vom Vienna City
Marathon bis hin zum Wiener Eistraum und dem Life Ball am
Rathausplatz. Damals wie heute schätzen und lieben die Wienerinnen
und Wiener ihre Prachtstraße. Genau deshalb ist es aber besonders
wichtig, dass es Ausstellungen wie diese gibt, die den Blick auch auf
die wechselvolle und tragische Geschichte jener jüdischen Familien
lenken, die viele der Palais erbaut haben und im Nationalsozialismus
verfolgt, vertrieben und ermordet wurden", so Vizebürgermeisterin
Renate Brauner bei der Eröffnung der Ausstelllung.
Ausstellung blickt hinter die Fassaden der Prachtbauten
Museumsdirektorin Danielle Spera verwies auf die Geschichten
hinter den Gebäuden und betonte, dass viele der Palais noch die Namen
ihrer Erbauer tragen, die Familien aber durch den Nationalsozialismus
enteignet und vertrieben worden seien. "Wir sehen es daher auch als
Aufgabe dieser Ausstellung, die Geschichten hinter den Fassaden der
prachtvollen Palais wieder in das kollektive Wiener Bewusstsein zu
rücken", so Spera.
Wien Holding Direktor Peter Hanke, zu dessen Konzern das Jüdische
Museum gehört, und Generaldirektor-Stellvertreter Georg Kraft-Kinz
vom Hauptsponsor Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien zeigten sich in ihren
Grußbotschaften beeindruckt von der Vielschichtigkeit der von
Gabriele Kohlbauer Fritz unter Assistenz von Sabine Bergler
kuratierten Ausstellung.
Für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen der Eröffnung sorgte
Kammersängerin Angelika Kirchschlager, die von der jungen Pianistin
Charlotte Baumgartner begleitet Lieder von Gustav Mahler, Alma
Mahler-Werfel und Erich Wolfgang Korngold sang und von den
Ehrengästen - darunter Altkanzler Franz Vranitzky, Deutschlands
Botschafter Detlev Rünger, der Wiener SPÖ-Klubobmann Rudolf Schicker
und die Direktorin der Österreichischen Nationalbibliothek Johanna
Rachinger - begeistert akklamiert wurde.
Wien wird zur modernen europäischen Metropole
Als nach der Schleifung der Wiener Stadtmauern rund um die Wiener
Innenstadt ein Prachtboulevard entstand, wurde dieser zur ersten
Adresse des Adels und des Großbürgertums. Wien sollte zu einer
Metropole und der Ring ein sichtbares Symbol des Kaiserreiches werden
- auch wenn die Monarchie bereits dem Untergang geweiht war. Unter
den Bauherren der prächtigen Palais entlang der Ringstraße waren
zahlreiche jüdische Unternehmer und Bankiers, die zum
wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeitjahre beitrugen, als
Kunstsammler und Mäzene in Erscheinung traten und dem Kaiser zur
Hilfe kamen. Der Aufstieg einer kleiner jüdischen Elite im
Wirtschaftsboom der Gründerjahre steht ebenso im Fokus der
Ausstellung wie beispielsweise die Entstehung der Psychoanalyse
hinter den Fassaden der Palais. Das Jüdische Museum Wien stellt die
wichtigsten Protagonisten der Ringstraßenära sowie deren
Familiengeschichten und Schicksale vor und beleuchtet die
Stiftertätigkeit der jüdischen Großbürger. Der neu errichtete
Boulevard galt für viele als Zeichen der gesellschaftlichen Akzeptanz
und zahlreiche Palais wurden zu wichtigen Orten des Austausches für
Intellektuelle, Wissenschaftler und Künstler in den so genannten
Salons. Kunst, Kultur, Wissenschaft und somit die gesamte
Gesellschaft wurden auf diese Weise gefördert.
Politische und soziale Gegensätze verschärfen sich
Die Aufbruchsstimmung der Gründerzeit konnte jedoch eine
zunehmende politische Radikalisierung und die wachsenden sozialen
Probleme der breiten Masse nicht aufhalten. Die k.u.k.
Residenzhauptstadt Wien war in dieser Zeit magischer Anziehungspunkt
für Zuwanderer aus allen Teilen der Monarchie, die sich hier neue
Lebenschancen erhofften. Unter ihnen waren auch sehr viele Jüdinnen
und Juden, die der Diskriminierung und wirtschaftlichen
Perspektivlosigkeit des Schtetls entkommen wollten. Dies verschärfte
die sozialen Gegensätze: Besonders das Kleinbürgertum war als
klassischer Modernisierungsverlierer empfänglich für den wachsenden
politisch geschürten Antisemitismus, der sich gleichermaßen der
Stereotype des "armen, zerlumpten Ostjuden", des "sozialistischen,
jüdischen Aufwieglers" oder des "kapitalistischen Wiener Börsejuden"
bediente. Diese massiven ökonomischen und gesellschaftlichen
Veränderungen im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und damit die
Kehrseiten der glanzvollen Ringstraßenfassaden sind ebenso ein
zentraler Aspekt der Ausstellung wie die politischen Folgen im 20.
Jahrhundert.
Nationalsozialistische Verfolgung
1938, nach der Annexion Österreichs durch das
nationalsozialistische Deutschland, waren die Nachkommen jener
jüdischen Familien, die entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung
der so genannten Gründerzeit beigetragen hatten, gezwungen, zu
emigrieren oder sie wurden in Konzentrationslager deportiert. Die
prächtigen Palais tragen noch ihre Namen - Todesco, Schey,
Königswarter, Goldschmidt, Ephrussi, Lieben oder Auspitz - aber die
Familien sind nicht mehr an Österreich gebunden. Weder wurden sie
nach dem Zweiten Weltkrieg eingeladen, zurückzukehren, noch erhielten
sie jene Werte zurück, die sie unter Zwang hatten zurücklassen
müssen. Es dauerte bis in die Gegenwart, dass die Geschichten hinter
den Fassaden der prachtvollen Palais wieder in das kollektive Wiener
Bewusstsein rückten, stellvertretend sei hier die Familie Ephrussi
genannt, deren Bedeutung für Wien durch das Buch "Der Hase mit den
Bernsteinaugen" wieder bekannt wurde.
Die Ringstraßenära - ein Teil der Geschichte des Jüdischen
Museums
Auch das heutige Jüdische Museum ist mit der Ringstraße in
mehrfacher Weise verbunden:
Das erste Jüdische Museum befand sich in unmittelbarer Nähe des Rings
und unter dessen Gründern, Stiftern und Spendern waren viele
Ringstraßen-Familien. 1938 wurde das Museum geschlossen, die
Sammlungen beschlagnahmt und für eine antisemitische Ausstellung im
Naturhistorischen Museum missbraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde die Idee für die Wiedergründung in einem Ringstraßenpalais
geboren - in einer Wohnung am Schottenring richtete der Geschäftsmann
und Judaika-Sammler Max Berger, der als einziger Überlebender der
Schoa in seiner Familie nach 1945 über Polen nach Wien kam, in den
1970er Jahren ein kleines Privatmuseum ein. Seine Sammlung bildete
das Herzstück des Jüdischen Museums Wien, das 1988 auf Initiative des
Wiener Bürgermeister Helmut Zilk gegründet wurde und ist bis heute
zentraler Bestandteil der Ausstellung im Palais Eskeles.
Zur Ausstellung, die zahlreiche spannende Aspekte von Geschichte
und Gegenwart der Ringstraße aufgreift und die Glanz- und
Schattenseiten der Ringstraßenära thematisiert, erscheint ein
zweisprachiger Katalog im Amalthea Verlag (ISBN-Nr.
978-3-85002-915-5) zum Preis von EUR 29,95, der ab sofort im Bookshop
des Museums und im Buchhandel erhältlich ist.
Die von Gabriele Kohlbauer Fritz unter Assistenz vom Sabine
Bergler kuratierte Ausstellung "RINGSTRASSE. Ein jüdischer
Boulevard", ist von 25. März bis 4. Oktober 2015 im Jüdischen Museum
Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Das Museum in 1010
Wien, Dorotheergasse 11 ist von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr
geöffnet. Am Samstag ist das Museum geschlossen. Weitere
Informationen und Ermäßigungen unter www.jmw.at oder unter
[email protected].
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK






